Inklusiver Katastrophenschutz für Menschen mit Behinderung: Hier zu sehen: Ein Schild (Hinweis: Notausgang).
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Katastrophenschutz
Katastrophenschutz für alle #Lebenshilfe

Inklusiver Katastrophenschutz für Menschen mit Behinderung

Damit alle gut vor Katastrophen geschützt sind, müssen Menschen mit Beeinträchtigung von Anfang an mitgedacht und einbezogen werden. Nur so kann inklusiver Katastrophenschutz gelingen. Mehr dazu und hilfreiche Links gibt es auf dieser Seite.

Katastrophen und ihre Folgen

Zunächst möchten wir klären: Was sind eigentlich Katastrophen und welche Folgen ziehen sie nach sich? Wer ist zuständig für Katastrophenschutz und was gibt es dabei zu beachten?

Was sind Katastrophen?

Katastrophenschutz bei Hochwasser: Im Bild sind Sandsäcke und eine Feuerwehr zu sehen.
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Katastrophenschutz bei Hochwasser: Sandsäcke sollen die Fluten eindämmen.

Eine Katastrophe ist ein meist plötzliches Ereignis mit sehr schweren Folgen. Katastrophen schädigen in oft kurzer Zeit Menschen, Tiere, die Natur, Gebäude, die Infrastruktur und noch viel mehr. Sie richten große, nachhaltige Schäden an, die von niemandem allein bewältigt werden können. Es gibt viele verschiedene Arten von Katastrophen. Die häufigsten Katastrophen sind sogenannte Naturkatastrophen, wie:

  • Unwetter und Wirbelstürme,
  • Feuer- bzw. Brandkatastrophen,
  • schwere Erdbeben oder
  • Hochwasser und Überschwemmungen.

Das Hochwasser im Sommer 2021 war eine solche Naturkatastrophe. In Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Bayern wurden Menschen verletzt und viele verloren ihr Leben. Gebäude und die Infrastruktur in den betroffenen Regionen wurden teilweise völlig zerstört. Es ist tragisch, dass die Folgen der Katastrophe hätten gemindert werden können, wenn der Katastrophenschutz besser funktioniert hätte.

Dazu zählen zum Beispiel effektive Warnmeldungen in den betroffenen Regionen. Laut einer Umfrage wussten im Landkreis Ahrweiler ein Drittel der Menschen nach eigenen Angaben nicht, dass mit Überschwemmungen zu rechnen ist. Die Ereignisse werden unter "Projekt HoWas2021" vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) aufgearbeitet. 

Das Internationale Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (Universität Tübingen) hat unter “KIM” eine Bestandsaufnahme zum Katastrophenmanagement und der Inklusion von Menschen mit Behinderungen am Beispiel der Hochwasserkatastrophe 2021 veröffentlicht. Daran hat auch die Bundesvereinigung Lebenshilfe mitgewirkt.

Was bedeutet Katastrophenschutz?

Symbolbild: Windmesser der sich durch aufkommenden Wind füllt.
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Katastrophen und andere Gefahrenlagen können zusammen auftreten und sich gegenseitig bedingen. Zum Beispiel ein Hochwasser, das durch einen schweren Sturm verursacht wurde.

Schutz von Menschen mit Behinderung

Besonders betroffen von der Flut im Sommer 2021 waren Menschen mit Behinderung. Als sogenannte vulnerable Gruppe müssen ihre Bedarfe und Belange im Katastrophenfall besonders berücksichtigt werden. Bei einer Katastrophe sind vulnerable Gruppen, wie etwa Menschen mit Behinderung, besonders gefährdet.

Was sind vulnerable Gruppen? Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) definiert vulnerable bzw. "verletzliche" Gruppen als Menschen, die unter Krisen besonders leiden, da sie oft nicht in der Lage seien, Herausforderungen aus eigener Kraft zu bewältigen. Das BMZ nennt zum Beispiel Armut, politische und gesellschaftliche Benachteiligung und den mangelnden Zugang zu gleichberechtigter Teilhabe als Ursachen für Vulnerabilität.

Zum Schutz von Menschen mit Behinderung findet sich folgender Artikel in der UN-Behindertenrechtskonvention, die seit 2009 für Deutschland gilt:

Die Vertragsstaaten ergreifen im Einklang mit ihren Verpflichtungen nach dem Völkerrecht, einschließlich des humanitären Völkerrechts und der internationalen Menschenrechtsnormen, alle erforderlichen Maßnahmen, um in Gefahrensituationen, einschließlich bewaffneter Konflikte, humanitärer Notlagen und Naturkatastrophen, den Schutz und die Sicherheit von Menschen mit Behinderungen zu gewährleisten.

UN-Behindertenrechtskonvention
Art. 11 UN-BRK

Aktuelle Informationen zu Katastrophen in Deutschland

Schwere Unwetter mit anhaltendem Dauerregen führen Ende Mai und Anfang Juni 2024 zu teils großen Überschwemmungen in Süd- und Südostdeutschland. Hier erhalten Sie aktuelle Nachrichten zum Hochwasser. Betroffen sind insbesondere Bayern und Baden-Württemberg, jedoch auch Teile anderer Bundesländer.

Bisherige Meldungen über betroffene Lebenshilfen

Lebenshilfe Dillingen: “Die WfbM in Wertingen ist überflutet und bleibt bis auf Weiteres geschlossen. Eine Wohneinrichtung war nicht mehr trockenen Fußes erreichbar, aber es gab keine Schäden.”

Lebenshilfe Memmingen/Unterallgäu: “Eines der Wohnheime musste notfallmäßig evakuiert werden. Das Haus steht direkt neben der Mindel in Mindelheim. Es ist niemand zu Schaden gekommen. Die sieben Bewohner*innen sind im Moment kurzfristig in anderen Einrichtungen untergekommen. Aufräum- und Sanierungsarbeiten werden mindestens zwei oder mehr Wochen in Anspruch nehmen.”

Inklusiver Katastrophenschutz

Katastrophenschutz rettet Leben. Damit vulnerable Gruppen angemessen geschützt werden können, braucht es inklusiven Katastrophenschutz. Wir erklären, worauf es dabei ankommt.

Warum ist inklusiver Katastrophenschutz wichtig?

Im Bild zu sehen: Die Feuerwehr beim Katastrophenschutz nach einem Brand.
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Brandkatastrophen können in kürzester Zeit eine Vielzahl von Menschenleben gefährden.

Das BMZ berichtet: "Katastrophen nehmen zu" – weltweit. Die Gefahr durch Katastrophen ist für vulnerable Gruppen besonders groß. "Menschen mit Behinderungen sind von Gefahrensituationen und humanitären Notlagen unverhältnismäßig stark betroffen", so schreibt das Deutsche Institut für Menschenrechte und verweist auf die Empfehlungen des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte.

Die Empfehlungen basieren auf einer Studie, in der die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Gefahrensituationen und humanitären Notlagen untersucht wurden. Die Studie betont die Bedeutung eines inklusiven Katastrophenschutzes. Bei der Katastrophenabwehr sei Zusammenarbeit elementar: zwischen Menschen mit Behinderung, ihren Organisationen und den Katastrophenschutzbehörden.

Wie kann inklusiver Katastrophenschutz gelingen?

Deutschland muss seinen Verpflichtungen nachkommen und einen Katastrophenschutz schaffen, der die Rechte von Menschen mit Behinderungen gemäß der UN-BRK vollständig gewährleistet. Um dieser Verantwortung gerecht zu werden und einen inklusiven Schutz vor Katastrophen zu erreichen, sind diese Punkte besonders entscheidend:

  1. Zusammenarbeit: Die Bedarfe von Menschen mit Behinderung müssen von Anfang an mitgedacht werden. Ihre aktive Beteiligung sowie die Beteiligung ihrer Organisationen auf allen Ebenen ist entscheidend. Es kommt auf gute Zusammenarbeit zwischen staatlichen Stellen, Organisationen des Katastrophenschutzes und Verbänden an. So lassen sich gute Beispiele identifizieren und Konzepte für offene Fragen entwickeln.
  2. Barrierefreiheit: Die Kommunikation im Katastrophenschutz muss durchgehend barrierefrei gestaltet werden. Es geht um Informationen im Vorfeld, um Warnmeldungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, um Warnapps, um Notrufe, um Beratung und Unterstützung nach Katastrophen, um die Aufarbeitung und vieles mehr.
  3. Aufklärung: Einerseits braucht es eine gezielte und barrierefreie Aufklärung von Menschen mit Behinderung. Andererseits braucht es Schulungen der Aktiven in Organisationen des Katastrophenschutzes zu den besonderen Bedarfen von Menschen mit Behinderung. Gemeinsame, inklusive Übungen im Sozialraum sollten selbstverständlich werden.

Bundesweiter Warntag: Beim ersten Bundesweiten Warntag im September 2020 hatte es noch an vielen Stellen gehakt. Beim Bundesweiten Warntag im Dezember 2022 hatten laut einer BBK-Umfrage neun von zehn Menschen in Deutschland auf dem einen oder anderen Weg eine Warnung erhalten. Genutzt wurden der Handy-Warnkanal Cell Broadcast, Warn-Apps wie NINA (siehe unten unter "Wichtige Links, Apps und mehr"), Warnungen in Radio und Fernsehen, Sirenen, Informationstafeln in Städten sowie Warnungen auf den Bahnsteigen und in Zügen. Diese Stresstests zur Erprobung der Warnsysteme findet nunmehr jährlich statt.

Wichtige Links, Apps und mehr zum Katastrophenschutz

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