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Drei junge Menschen sitzen gemeinsam beisammen und lächeln.
© Lebenshilfe/David Maurer
Migration und Behinderung

Migration und Behinderung – interkulturelle Öffnung, Diversität und Vielfalt leben

Unsere Gesellschaft ist vielfältig – und das ist ihre Stärke. Menschen mit Behinderung und Migrationsgeschichte bringen unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Bedürfnisse mit. Auf diesen Seiten finden Sie viele Informationen und Angebote dazu.

Portal: Migration und Behinderung

Herzlich willkommen! Menschen mit Behinderung und Migrationshintergrund stehen oft vor besonderen Hürden: Sprachbarrieren, fehlende Informationen oder Unsicherheiten im Umgang mit Behörden können den Zugang zu Unterstützung erschweren. Deshalb setzen wir uns für kultursensible Beratung und inklusive Strukturen ein – damit Teilhabe für alle möglich wird.

Einführung in das Portal Migration und Behinderung

Machen Sie mit, bringen Sie Ihre Ideen ein und werden Sie Teil unserer Gemeinschaft! Ob Fachkräfte, Ehrenamtliche, Angehörige oder Betroffene – gemeinsam gestalten wir eine Lebenshilfe, die alle willkommen heißt.

Zu den Themen des Portals

Was ist Migration?

Migration gibt es schon immer – und es gibt sie weltweit. Migration bedeutet, dass eine Person ihren Lebensmittelpunkt räumlich verlegt. Das kann innerhalb eines Landes sein oder auch über Staatsgrenzen hinweg. Wenn wir heute von Migration sprechen, geht es meistens um die internationale Migration. 

Die Ursachen für Migration sind vielfältig und für die Entscheidung zur Migration gibt es meist mehrere, ineinander verwobene Gründe. So wandern beispielsweise Verliebte freiwillig aus, um zu ihren Partner*innen zu ziehen. Entweder, weil sie ein anderes Land kennen lernen wollen oder weil ein Zusammenleben im eigenen Land nicht möglich wäre. Andere verlassen ihr Land, um Arbeit zu finden und ihre Familien zu versorgen. Kriege zwingen Menschen zur Flucht, weil sie sonst ihr Leben verlieren könnten.

Drei junge Menschen schauen freundlich.
© Lebenshilfe/David Maurer.

Wer sind Menschen mit Migrationshintergrund?

Die Gruppe der Menschen mit Migrationshintergrund ist ebenso vielfältig und bunt wie die Gründe für Migration. Die aktuelle Definition des Statistischen Bundesamtes von Menschen mit Migrationshintergrund lautet:

Eine Person hat einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurde.

Statistisches Bundesamt

Zu dieser Gruppe von Menschen gehören also nicht nur Menschen unterschiedlicher Herkunft, sondern auch junge und alte Menschen jeden Geschlechts – aus unterschiedlichen sozialen und Bildungshintergründen. Das sind Menschen, die in Deutschland geboren wurden oder neu zugewandert sind, Menschen mit und ohne Behinderung. Der Begriff Menschen mit Migrationshintergrund ist also eine Sammelbezeichnung für die heterogene Gruppe der Zugewanderten und ihrer Nachkommen.

Eine junge Mutter mit ihrem Kind.
© Lebenshilfe/David Maurer

Welche Folgen haben Migration und Behinderung?

In der Fachliteratur wird von einer mehrfachen Benachteiligung von Menschen mit Migrationshintergrund und Behinderung gesprochen. Diese kann aufgrund von unterschiedlichen Dimensionen von Ungleichheit entstehen. Zum Beispiel können Behinderung, Migrationshintergrund und Geschlecht als Abgrenzungsmerkmale zusammenwirken und zu Ausgrenzung oder Diskriminierung führen. Das Phänomen des Zusammenwirkens dieser unterschiedlichen Differenzkategorien, die einige Menschen privilegieren und andere diskriminieren, nennt man in der Wissenschaft Intersektionalität.

  • Intersektionalität ist ein Begriff, der sich in der Wissenschaft etabliert hat. Er betrachtet die Überschneidung und Gleichzeitigkeit von verschiedenen Diskriminierungskategorien gegenüber einer Person. Kultursensibel heißt daher auch immer, sensibel für Unterschiede und für Diskriminierungen zu sein.

Hinweis: Die Merkmale eingewandert und behindert führen im Einzelfall nicht zwangsläufig zu einer mehrfachen Benachteiligung oder Ausgrenzung. Für eine Bewertung der persönlich empfundenen Benachteiligung sollte immer der Einzelfall betrachtet werden.

Ein junger Mann bei der Arbeit.
© Lebenshilfe/David Maurer

Interkulturelle Öffnung, kultursensible Arbeit, Diversität und Vielfalt

Interkulturelle Öffnung und kultursensible Arbeit sind die zentralen Antworten auf die Bedarfe einer Einwanderungsgesellschaft. Ursprünglich aus der Gesundheitsversorgung und Pflege kommend, haben diese Konzepte längst Einzug in die Behindertenhilfe gehalten. Doch was genau verbirgt sich hinter den Begriffen und wie grenzen sie sich voneinander ab?

  • Interkulturelle Öffnung bezeichnet einen andauernden Prozess der Organisationsentwicklung und Qualitätssicherung. Er muss alle Ebenen einer Organisation einbeziehen, das heißt ihre Angebote und Dienstleistungen, ihre Strukturen, Prozessabläufe und die Handlungspraxis.
  • Kultursensible Arbeit fokussiert sich auf die Handlungsebene des Fachpersonals. Sie beschreibt eine professionelle Haltung und soziale Kompetenz, die den direkten Umgang mit Klienten prägt. Ziel ist es, durch spezifische Strategien und Methoden eine gleichwertige, bedarfsgerechte Leistung sicherzustellen.

Wichtig: Gleichwertigkeit bedeutet nicht Gleichbehandlung. Wer alle gleich behandelt, ignoriert bestehende Unterschiede und wird den individuellen Bedürfnissen des Einzelnen nicht gerecht.

Beide Konzepte basieren auf einem erweiterten Kulturbegriff: Kultur wird hier nicht als bloße “Herkunftskultur” verstanden, sondern als individuelle Lebenswelt.

  • Kultursensibel zu handeln bedeutet, die Einzigartigkeit jedes Menschen anzuerkennen. Diese setzt sich aus verschiedenen Identitäten und Teilkulturen zusammen – etwa dem Geschlecht, dem Alter, der beruflichen Rolle oder der familiären Situation.

In den letzten Jahren gewann der Vielfaltsgedanke (Diversität oder englisch Diversity) zunehmend an Bedeutung für den Kulturbegriff. 

  • Diversität meint nicht nur Vielfalt unterschiedlicher Lebenslagen im Hinblick auf die Kombination von Merkmalen wie Geschlecht, ethnische und soziale Herkunft, körperliche und geistige Kapazitäten, Religion und Weltanschauung und Alter. Diversität meint auch die Ungleichheiten und Benachteiligungen, die sich aus der gesellschaftlichen Bewertung dieser Unterschiede ergeben.
Eine Kita-Situation, bei der ein Kind übt.
© Lebenshilfe/David Maurer

Was brauchen Menschen mit Behinderung und Migrationshintergrund und ihre Angehörigen?

Es ist wichtig, vorhandene Selbsthilfestrukturen für Angehörige von Menschen mit Behinderung und Migrationshintergrund zu öffnen. So erfahren auch Familien mit einem Familienmitglied mit Behinderung die so wichtige Willkommenskultur.

Aber das allein reicht nicht aus. Notwendig sind auch spezifische Formen der Selbsthilfe und Selbsthilfegruppen. Denn Sprachbarrieren, Informationslücken und unterschiedliche Ängste erschweren Angehörigen von Menschen mit Behinderung und Migrationshintergrund den Zugang zu bereits vorhandenen Angeboten. Die Scham und die Angst vor Vorurteilen, auch von Seiten ihrer Herkunftsgemeinschaft, sind nicht zu unterschätzen. 

Viele Betroffene suchen daher Gleichgesinnte, die ihre Muttersprache sprechen und ihre Situation verstehen, zu denen sie aber dennoch eine gewisse Distanz wahren können. Das ist eine der Erkenntnisse aus mehreren Projekten der Bundesvereinigung Lebenshilfe.  

Ein junges Kind lacht fröhlich.
© Lebenshilfe/David Maurer

Die Bedeutung von Migration und Behinderung für die Lebenshilfe

Deutschland ist heute ein Einwanderungsland. Im Jahr 2020 war mehr als ein Viertel der deutschen Bevölkerung entweder selbst nach Deutschland eingewandert oder hat zumindest einen Elternteil, der im Ausland geboren wurde. 

Das zeigt sich auch in den Diensten und Einrichtungen der Lebenshilfe: In den Bereichen Frühförderung, Kita und Ambulante Familienhilfe machen eingewanderte Familien mit Kindern mit Behinderung einen erheblichen Teil der Klienten aus. Vereine wie die Lebenshilfe können für sie viel bewirken: Informationen, Angebote und ihr gesellschaftlicher Einsatz sind besonders wichtig für Menschen mit Migrationshintergrund oder Fluchterfahrung. Denn in einem Verein können Sie neue Menschen kennenlernen, Hilfe und Beratung bekommen und mehr über Ihre Rechte in Deutschland erfahren.

Diese Entwicklung hat noch weitere Auswirkungen auf die Lebenshilfe. Daher ist es wichtig, sich auf das Klientel einzustellen und sich konzeptionell mit dem Thema Vielfalt und Teilhabe von allen Menschen zu beschäftigen.

Es müssen Ideen entwickelt und umgesetzt werden, um Menschen zu erreichen und die Selbsthilfe von Menschen mit Migrationshintergrund zu stärken. Eine konzeptionelle Beschäftigung mit den Themen Vielfalt und Teilhabe beinhaltet nicht nur, sich auf die Klientel einzustellen, sondern auch, Menschen mit Migrationshintergrund auf allen Ebenen der Vereinsstrukturen einzubinden. Hierfür müssen Menschen mit Migrationshintergrund zur aktiven Mitarbeit in den Vereinsstrukturen motiviert werden. Arbeit und Vielfalt können Schlüssel zur Teilhabe sein. Das bedeutet, dass die Lebenshilfe Menschen mit Migrationshintergrund als Mitglieder, als Kolleg*innen und auch als ehrenamtliche Vorstände gewinnen will.

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