Senioren und Behinderung
© Lebenshilfe / David Maurer
Arbeit

Rente für Werkstatt-Beschäftigte

Menschen mit Behinderung, die in einer Werkstatt arbeiten, können schon nach 20 Jahren einen Rentenanspruch haben. In diesem Text erfahren Sie, wie viel Geld sie bekommen. Und ob sie trotzdem weiterarbeiten können.

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Eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) ist kein normaler Betrieb. Hier werden Menschen beschäftigt, die nicht oder noch nicht auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten können. Deshalb kann man bereits eine Rente wegen voller Erwerbsminderung bekommen, wenn man noch in einer WfbM beschäftigt ist. Das gilt auch bei einem sogenannten anderen Leistungsanbieter.

Wer kann eine Rente wegen voller Erwerbsminderung erhalten?

Für behinderte Menschen, die bei einer WfbM oder bei einem anderen Leistungsanbieter beschäftigt sind, gibt es eine rentenrechtliche Besonderheit: Sie können Anspruch auf eine Rente wegen voller Erwerbsminderung erwerben. Und zwar ohne dass sie dafür die sogenannte allgemeine Wartezeit vor Eintritt des Leistungsfalles erfüllt haben. Der Grund: Besteht bereits von Geburt an oder seit dem Kindesalter eine Erwerbsminderung, kann die für den Rentenanspruch an sich notwendige allgemeine Wartezeit von fünf Jahren nicht erfüllt werden.

Dieser Personenkreis kann aber einen Rentenanspruch nach einer Wartezeit von 20 Jahren erfüllen. Als Wartezeit gilt zum Beispiel die Zeit der Beschäftigung in einer WfbM oder bei einem anderen Leistungsanbieter. Gesetzlich ist das in Paragraph 43 Absatz 6 Sozialgesetzbuch Sechstes Buch (SGB VI) geregelt.
Ein Beispiel: Wer seit seinem 19 Lebensjahr in einer WfbM beschäftigt ist, erwirbt mit 39 Jahren den Anspruch auf eine Rente wegen voller Erwerbsminderung. Erfolgt der Eintritt in die WfbM zu einem späteren Zeitpunkt, können bisherige Rentenbeitragszeiten auf die 20-jährige Wartezeit angerechnet werden.  

Wer bezahlt die Beiträge für die gesetzliche Rentenversicherung?

Werkstattbeschäftigte müssen von ihrem meist nur sehr geringen Arbeitsentgelt keine Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung leisten. Dies übernimmt der Träger der Werkstatt. Es gilt eine weitere Besonderheit: Berechnungsgrundlage für die Beiträge ist nicht der tatsächliche Verdienst, sondern 80 Prozent vom an alle Arbeitnehmer gezahlten Durchschnittsentgelt im vorletzten Kalenderjahr. Diese sogenannte Bezugsgröße ist in Paragraph 18 Sozialgesetzbuch Viertes Buch geregelt (SGB IV).

Wie viel Rente wegen Erwerbsminderung gibt es?

Eine Rente wird immer individuell berechnet. Die Erwerbsminderungsrente beträgt zu Beginn brutto häufig zwischen 800 und 900 Euro. In den östlichen Bundesländern ist es wegen der niedrigeren Beitragszahlungen meist etwas weniger. Davon müssen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung entrichtet werden. Mit jeder späteren Rentenerhöhung erhöht sich auch die eigene Erwerbsminderungsrente.

Wer in einer WfbM oder bei einem anderen Leistungsanbieter beschäftigt ist, muss nicht damit rechnen, dass die Rente gekürzt wird, weil der Verdienst in der Werkstatt oder beim anderen Leistungsanbieter zu hoch ist.

Kann man mit einer Erwerbsminderungsrente weiter arbeiten?

Der Bezug einer Erwerbsminderungsrente steht einer Beschäftigung in einer WfbM oder bei einem anderen Leistungsanbieter nicht entgegen. Denn der behinderte Mensch befindet sich nicht in einem regulären Arbeitsverhältnis, sondern erhält Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben.  

Was muss man tun, um eine Altersrente zu erhalten

Wer bereits eine Rente wegen voller Erwerbsminderung erhält, muss selbst nicht tätig werden, um eine Altersrente zu erhalten. Die Erwerbsminderungsrente wird automatisch auf eine Altersrente umgestellt, wenn die sogenannte Regelaltersgrenze erreicht ist. Im Jahr 2018 ist das mit 65 Jahren und 7 Monaten. Die Regelaltersgrenze steigt bis zum Jahr 2030 auf 67 Jahre an. Anerkannt schwerbehinderte Menschen können weiterhin vorzeitig eine Altersrente erhalten.

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