© Lebenshilfe/David Maurer
Familie

Das Oldenburger Baby ist tot

Tim überlebte seine Spätabtreibung und  ging als Oldenburger Baby in die Geschichte ein. Jetzt ist der junge Mann mit Down-Syndrom im Alter von 21 Jahren gestorben.  Sein Fall entfachte eine heftige Diskussion über das Recht auf Leben und ethische Grenzen.

© Familie Guido, Stiftung Ja zum Leben
Tim genoss seine Delfintherapie in der Karibik sehr.

Tim war ein Kämpfer, von Anfang an. Denn eigentlich sollte er gar nicht geboren werden. Weil bei ihm das Down-Syndrom diagnostiziert wurde, entschieden sich seine Eltern zur Spätabtreibung. Doch Tim überlebte. Allerdings wurde er  nach seiner Geburt in der Klinik nicht betreut. Erst nach neun Stunden bekam Tim Hilfe und wurde medizinisch versorgt. Er schaffte es trotzdem. Jetzt ist Tim im Alter von 21 Jahren an einem Lungeninfekt gestorben. „Es waren 21 superglückliche, schöne Jahre“, sagte sein Pflegevater Bernhard Guido der Zeitung WELT.

Hubert Hüppe, CDU-Politiker und Mitglied des Bundesvorstandes der Lebenshilfe, klagte den behandelnden Arzt aus Oldenburg damals an. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren ein.

Bernhard Guido und seine Frau Simone hatten schon zwei Söhne als sie sich 1997 entschieden, ein Pflegekind aufzunehmen. Eigentlich wollten sie ein kleines Mädchen, ohne Behinderung.  Doch sie nahmen Tim. Als sie ihn im Krankenhaus das erste Mal gesehen hätten, sei es Liebe auf den ersten Blick gewesen, erinnert sich Simone Guido in einem Interview mit der WELT. „Da waren diese strahlenden blauen Augen. Das ist wie auf einer Party, wo man sich auch zu jemandem gleich hingezogen fühlt und spürt: ,Das ist der Richtige!‘“

Durch die Unterversorgung nach der Geburt hatte Tim allerdings weitere Einschränkungen.  Er war Autist, konnte nur wenig sprechen. Seine Füße hatten außerdem starke Fehlstellungen und mussten oft operiert werden. Doch auch das schaffte er. Immer wieder. Tim genoss sein Leben, wurde erwachsen und arbeitete in einer heilpädagogischen Werkstatt. Seine Pflegeeltern nahmen nach Tim sogar noch zwei weitere Kinder mit Down-Syndrom auf. 

Mit seiner Großfamilie feierte Tim noch Weihnachten und Silvester, sein Tod kam überraschend. „Wir sind sehr traurig und wissen noch nicht, wie wir den Verlust unseres einzigartigen, lebensfrohen und Freude verbreitenden Sohns verkraften sollen“, schreiben Simone und Bernhard Guido in einer Mitteilung auf der Internetseite www.tim-lebt.de

Über ihre Erfahrungen mit Tim haben die Eltern gemeinsam mit Kathrin Schadt 2015 ein Buch geschrieben „Tim lebt!“ (Adeo Verlag).

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