© David Maurer/ Lebenshilfe
Familie
Rechtstipp

Endlich Unterstützung bei der Zahnpflege

Herzhaft in einen Apfel beißen, ohne sich Sorgen um seine Zähne zu machen. Wer möchte das nicht? Gesunde Zähne bedeuten Lebensqualität. Angesichts der hohen Eigenbeteiligung bei Zahnersatz ist es am besten, vorzusorgen und seine Zähne gut zu pflegen. Für Menschen mit Behinderung oder Pflegebedarf ist das aber nicht immer ganz einfach. Deshalb haben sie hier Unterstützungsbedarf.

 

Das hat auch der Gesetzgeber erkannt: Menschen, die einen Pflegegrad haben oder Leistungen der Eingliederungshilfe erhalten, haben einen Anspruch auf zahnärztliche Unterstützung bei der Verhütung von Zahnerkrankungen. Das steht in Paragraph 22a des fünften Sozialgesetzbuches. Die Einzelheiten sind in einer Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) geregelt.

Entfernung harter Zahnbeläge

Danach können sich Menschen mit Behinderung beziehungsweise Pflegegrad harte Zahnbeläge halbjährlich vom Zahnarzt entfernen lassen. Eine Beseitigung weicher Zahnbeläge sieht die Richtlinie dagegen nicht vor. Soweit sie nicht automatisch mit entfernt werden, besteht aber immer die Möglichkeit, eine private Zahnzusatzversicherung abzuschließen. Sie umfasst häufig auch eine (halb-)jährliche Zahnreinigung zur Entfernung weicher Zahnbeläge.

Zahngesundheits-Check, Dokumentation und Aufklärung

Eine Zahnärztin behandelt einen Patienten.
© Pixabay
Eine Zahnärztin bei der Behandlung.

Die Richtlinie sieht außerdem vor, dass der oben genannte Personenkreis den Zustand von Zähnen, Zahnfleisch, Mundschleimhäuten und Zahnersatz halbjährlich überprüfen lassen kann.

Anschließend erstellt der Zahnarzt einen individuellen Plan zur Verbesserung der Mundhygiene (ein sogenannter individueller Mundgesundheitsplan). Darin sind die Ergebnisse des Zahngesundheits-Checks zusammengefasst. Es werden alle Maßnahmen aufgeführt, die der Zahnarzt zur Verbesserung des Gesundheitszustandes vorgeschlagen hat. Es wird genau aufgezeichnet in welchen Zeitabständen die Prothesen gereinigt werden müssen, ob dabei Unterstützung und davor Rücksprachen mit weiteren Ärzten nötig sind.

Die Patienten bekommen das Dokument als Kopie. Es kann von Pflege- und Unterstützungspersonen, mit Zustimmung der Versicherten, als Informationsquelle oder als Anhang zum Pflegeplan genutzt werden. Außerdem erläutert der Zahnarzt den Versicherten und den Pflege- und Unterstützungspersonen alle Angaben in verständlicher und nachvollziehbarer Art und Weise. Es wird die Reinigung der Zähne und des Zahnersatzes sowie des Zahnfleisches und der Mundschleimhaut demonstriert und gegebenenfalls eine praktische Anleitung gegeben.

Der Zahnarzt kommt nach Hause

Können Pflegebedürftige oder Menschen mit Behinderung, die Eingliederungshilfe beziehen, aufgrund ihrer Einschränkungen nicht mehr selbstständig in die Zahnarztpraxis kommen, gibt es die Möglichkeit, dass der Zahnarzt oder die Zahnärztin sie zu Hause versorgt. Dieser Zusatzaufwand wird über die Krankenkasse abgerechnet. Eine Behandlung zu Hause kann allerdings nicht so umfangreich sein, wie in einer zahnärztlichen Praxis. Oftmals beschränkt sich die Versorgung auf einfachere zahnärztliche Maßnahmen. Weitergehende Behandlungen müssen dann in der Praxis erfolgen.

Behandlung unter Vollnarkose

Ist eine Behandlung im wachen Zustand nicht möglich, kann auch eine Vollnarkose erfolgen. Das passiert, wenn aufgrund einer geistigen Behinderung die Notwendigkeit der Behandlung nicht verstanden wird und die Patientin oder der Patient nicht kooperiert. Eine Vollnarkose kann allerdings nur von einem Facharzt für Anästhesie durchgeführt und abgerechnet werden. Insofern bieten nicht alle Zahnarztpraxen eine Behandlung unter Vollnarkose an.

Weiterführende Informationen

Newsletter abonnieren