Kollage Geschichte der Lebenshilfe. Fotos: Bundesvereinigung Lebenshilfe, Hermine Oberück, Jörg Landsberg
2000er Jahre

2000er Jahre – Teilhabe in der Gesellschaft

Die Teilhabe behinderter Menschen am gesellschaftlichen Leben soll zur Selbstverständlichkeit werden.

Der Rat behinderter Menschen der Lebenshilfe bei der Mitgliederversammlung 2004
© Foto Rolf K. Wegst

Um diese „Inklusion“ zu erreichen, braucht es Barrierefreiheit, für die sich die Lebenshilfe auf allen Feldern einsetzt. Wesentlich prägt die Lebenshilfe das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz und die Konvention der Vereinten Nationen zum Schutz der Rechte und der Würde behinderter Menschen. Die älter werdenden Menschen mit geistiger Behinderung, die auf ein würdiges Leben in vertrauter Umgebung vertrauen, stellen Gesellschaft und die Lebenshilfe vor große Herausforderungen. Seit 2008 haben alle behinderten Menschen das uneingeschränkte Recht, ihre Hilfen im Rahmen des sogenannten „Persönlichen Budgets“ zu organisieren. Die Lebenshilfe, ihre Einrichtungen und Dienste geben begleitende Hilfen dazu. Neben der Mitgliedschaft rückt das „freiwillige soziale Engagement“ für die Lebenshilfe in den Blickpunkt.

Beiträge zu den 2000er Jahren

Der Weg auf dem Psychiatrischen Landeskrankenhaus Wiesloch (Baden-Württemberg)
© Rudolf Wichert

Selbstbestimmung und Teilhabe sind Grundrechte, die im Sozialgesetzbuch IX (2001) festgeschrieben wurden. Sie umfassen die individuellen Rechte jedes behinderten Menschen und sein Recht auf Partizipation in der Gesellschaft. Kein Bereich soll ihm von vornherein verschlossen, der Zugang zu allen Ebenen grundsätzlich möglich sein. Das meint der in den 1990er-Jahren aufgekommene Begriff Inklusion (lat. Einbeziehung). Nach diesem Verständnis sind Menschen mit Behinderung ganz normale Bürger mit Rechten und Pflichten.

Die Lebenshilfe soll nach diesem Verständnis nicht nur Hilfen anbieten, sondern auch die Teilhabe am Leben der Gesellschaft fördern. Sie berät und unterstützt reguläre gesellschaftliche Einrichtungen wie Kindergarten, Schule, Arbeits- und Wohnungsmarkt, Vereine, Volkshochschulen und Kirchen bei der Teilhabe behinderter Menschen.

Inklusion bedeutet, dass Menschen mit Behinderung dort leben, wo alle anderen Menschen auch sind – und dass sie dort als Teil der Gesellschaft mitentscheiden und mitgestalten, wo es alle anderen auch tun.

„Wir wollen mehr als nur dabei sein!“, lautete das Motto des Lebenshilfe-Kongresses 2003 in Dortmund zum thema Teilhabe. Heute sind die Menschen mit Behinderung innerhalb der Lebenshilfe auf vielen Ebenen dabei: z. B. in dem 2001 gegründeten Rat behinderter Menschen mit Vertretern aus allen Bundesländern. Als Sprachrohr für Menschen mit Behinderung arbeitet er mit dem Bundesvorstand zusammen, organisiert Treffen und Fachtagungen sowie den Austausch von Menschen mit Behinderung. Auch in anderen Gremien wie den Werkstatträten oder dem Beirat Arbeit und Wohnen gestalten behinderte Menschen die vielfältige Arbeit der Lebenshilfe aktiv mit.

Bitte lesen Sie dazu auch "Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft", einen Beitrag von Ullrich Niehoff. Ulrich Niehoff ist Referent in der Bundesgeschäftsstelle der Lebenshilfe

Teilhabe am Leben in der Gesellschaft heißt auch Barrierefreiheit
© Barbara Gies

Damit Menschen mit Behinderungen auf allen Ebenen am gesellschaftlichen Leben teilhaben können, müssen Barrieren verschwinden, die ausgrenzen und absondern: So müssen z.B. Informationen in einfacher, bildhafter Sprache verfasst sein, damit Menschen mit Behinderungen sie verstehen. Öffentliche Verkehrsmittel und Gebäude müssen für behinderte Menschen zugänglich sein.

„Weg mit den Hindernissen!“, forderten die Teilnehmer einer Fachtagung im Februar 2006 in Berlin, darunter auch viele behinderte Menschen. Sie diskutierten vier gesellschaftliche Bereiche, in denen Barrieren abgebaut werden müssen: Arbeit und Wohnen, Reisen und Freizeit, Sprache und Kommunikation, Bauen und Verkehr.

Als Forderungen formulierten sie u.a.:
„Es muss mehr gute Arbeit geben für Menschen mit Behinderung.
Jeder soll wohnen können, wo und wie er will.
Es muss mehr Angebote geben, die Menschen mit Lernschwierigkeiten beim Reisen helfen.
Die Menschen müssen lernen, Rücksicht zu nehmen.
Wir wollen leichte Sprache immer und überall.
Man muss uns Dinge langsam erklären, nicht alles auf einmal.
Wenn Wohnungen gebaut oder vermietet werden, muss man an Menschen mit Behinderung denken."

 
An allen Projekten zur Überwindung von Barrieren sollten Menschen mit Behinderung teilnehmen. Dann werden sie als Experten in eigener Sache ernst genommen – getreu dem Motto der internationalen People-First-Bewegung „Nicht über uns ohne uns“.

Der Umang mit Geld will gelernt sein.
© Peter Leßmann

Als wesentlicher Schritt zu mehr Selbstbestimmung und Teilhabe von behinderten Menschen in der Gesellschaft könnte sich das Persönliche Budget erweisen - ob dies gelingt, muss die Praxis erst noch zeigen.


Der behinderte Mensch erhält  Geld oder Gutscheine, um sich Begleitung und Unterstützung selbst "einzukaufen". Er entscheidet selbst, welcher Dienst bzw. welche Person die Hilfe erbringen soll, da er die Dienstleistungen als „Kunde“ unmittelbar bezahlen kann. Die Höhe des Persönlichen Budgets orientiert sich am Bedarf und soll den Umfang der bisherigen Sachleistungen in der Regel nicht überschreiten.

Wie im Sozialgesetzbuch IX (§ 17) festgelegt, wird das Persönliche Budget in verschiedenen Projekten seit Juli 2004 erprobt, ab Januar 2008 besteht ein uneingeschränktes Recht darauf. Antragsstellen (Sozialamt) und behinderte Menschen ermitteln den individuellen Hilfebedarf und treffen eine Zielvereinbarung. Darin werden die Förder- und Leistungsziele aufgeführt und die Hilfsangebote definiert.

Geistig behinderte Menschen brauchen Beratung und Unterstützung vor und während des Verfahrens zur Bewilligung eines Persönlichen Budgets sowie Assistenz bei der Nutzung durch eine Person ihres Vertrauens; das können auch die Eltern sein. Wer mit dem Persönlichen Budget  nicht klarkommt, kann auch wieder die Sachleistung wählen. In jedem Fall führt das Persönliche Budget zu einem anderen Selbstverständnis des Menschen mit Behinderung:

„Früher war ich Behinderter, jetzt bin ich Kaufmann.
Ich bekomme auf einmal mit, was die Sache wert ist.“

Budgetnehmer aus Bayern

Richtig verstandener Schutz sowie Hilfe durch Einrichtungen und fachlich geschultes Personal sind aber weiterhin notwendig.

Die Lebenshilfe hat die Modellprojekte zum Persönlichen Budget von Anfang an begleitet sowie Chancen und Risiken in die politischen Beratungen eingebracht. Noch relativ ungeklärt sind Fragen der Bedarfsfeststellung, der Beratung und Finanzierung sowie der Umsetzung in stationären und teilstationären Einrichtungen. Das Persönliche Budget darf den Kostenträger nicht zum Sparen bewegen und die Qualität der Leistungen senken. Im Mittelpunkt steht der Mensch mit Behinderung, der mehr Selbstständigkeit und Eigenverantwortung erfährt und passgenaue Hilfe erhält.

Der langjährige Protest der Lebenshilfe (u.a. 1998 in Köln) war erfolgreich: Behinderte Menschen sind seit einigen Jahren per Gesetz vor Diskriminierung geschützt.
© Foto von Aktion Sorgenkind - heute Aktion Mensch

Immer noch werden behinderte Menschen ungerecht behandelt. Viele bauliche Hindernisse und Kommunikationsbarrieren erschweren die Teilhabe am öffentlichen Leben.

Ihnen wird ihnen z.B. der Zugang zu Hotels und Restaurants verweigert, weil sie angeblich die anderen Gäste stören. Versicherungen weigern sich, Unfall-, Haftpflicht- oder Lebensversicherungen mit geistig behinderten Menschen abzuschließen.

Gegen diese Diskriminierung wenden sich das vom Deutschen Bundestag beschlossene Gleichstellungsgesetz (2002) und das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz AGG (Antidiskriminierungsgesetz, 2006).

Das Antidiskriminierungsgesetz gibt behinderten Menschen, aber auch allen anderen von Diskriminierung Betroffenen die Möglichkeit, sich gegen Ungleichbehandlung zu wehren. Es ermöglicht sowohl den Opfern als auch anerkannten Behindertenverbänden gegen Diskriminierung zu klagen. Mit der Aufnahme des Schutzes von behinderten Menschen in das Antidiskriminierungsgesetz wurde eine zentrale Forderung der Lebenshilfe erfüllt.

Der Rat behinderter Menschen der Lebenshilfe bei der Mitgliederversammlung 2004
© Foto Rolf K. Wegst

Die Vereinten Nationen haben 2007 einen Völkerrechtsvertrag vorgelegt, der eines der modernsten Instrumente zum Schutz der Menschenrechte ist, so Klaus Lachwitz, Justiziar der Lebenshilfe. Zusammen mit Robert Martin, einem behinderten Partner aus Neuseeland, vertrat er Inclusion International in der Arbeitsgruppe, die den Text entwickelte.

Leitlinie dieses als UN-Konvention bezeichneten Textes ist die Anerkennung behinderter Menschen als vollwertige Bürgerinnen und Bürger ihrer Gesellschaft. Die Lebenshilfe hat die unverzügliche Ratifizierung der UN-Konvention durch die Bundesrepublik Deutschland gefordert.

Erstmals in der Geschichte schreibt eine Konvention die Rechte behinderter Menschen völkerrechtlich verbindlich fest. Behinderung wird nicht als bleibender Zustand, sondern als sich ständig weiterentwickelnder Prozess beschrieben. In Art. 12 wenden sich die Unterzeichner gegen jede Form der Entmündigung oder Festschreibung der Geschäftsunfähigkeit. Niemand darf ohne seine freiwillige Einwilligung medizinischen oder wissenschaftlichen Versuchen unterworfen werden (Art. 15). In Art. 19 ist das Recht eines jeden behinderten Menschen auf die freie Wahl seines Wohnsitzes festgelegt. Kommunale Dienstleistungen und Einrichtungen sollen ihm eine Teilhabe am Leben der Gesellschaft ermöglichen. Barrierefreiheit bedeutet u.a., dass behinderte Menschen alle Informationen, die für die Allgemeinheit bestimmt sind, „ohne zusätzliche Kosten in zugänglichen Formaten und Technologien, die für alle Arten der Behinderung geeignet sind,“ erhalten können (Art. 21).

Jeder behinderte Mensch hat ein Recht auf Privatsphäre (Art. 22); diese Bestimmung garantiert das Recht auf eine angemessene, selbstbestimmte Wohnunterstützung. Statt Sonderschulen fordert die UN-Konvention ein sog. inklusives Bildungssystem, das Menschen mit Behinderung nicht vom obligatorischen Grundschulunterricht oder von der Sekundarschulbildung ausschließt (Art. 24). In weiteren wichtigen Abschnitten der UN-Konvention sind die Rechte auf Gesundheit (Art. 25), Rehabilitation (Art. 26) und Arbeit (Art. 27) geregelt.

Mit der Ratifikation der UN-Konvention erkennt jeder Staat alle Menschen mit Behinderung unabhängig von Art und Schweregrad ihrer Beeinträchtigung als vollwertige Bürgerinnen und Bürger an. Dazu gehört auch die Verpflichtung, Vorurteile ihnen gegenüber zu bekämpfen – z.B. durch öffentlichkeitswirksame Kampagnen, die ihre Fertigkeiten, Verdienste und Fähigkeiten herausstellen. Die UN-Konvention ist ein Meilenstein in der internationalen Anerkennung und Würdigung behinderter Menschen als Menschen wie alle anderen.

Seit Gründung der Lebenshilfe ist es Aufgabe der Öffentlichkeitsarbeit, auf die Situation geistig behinderter Menschen und ihrer Familien aufmerksam zu machen, für die Unterstützung der Lebenshilfe zu werben und nicht zuletzt  die Entscheidungsträger von der Notwendigkeit, den Veränderungen und den wachsenden Anforderungen der Behindertenhilfe immer wieder zu überrzeugen. Dies gilt heute umso mehr – in einer von hartem Wettbewerb geprägten Medienlandschaft, die sich fast täglich neuen Themen zuwendet und für ihre Bilder und Berichte immer spektakulärere Aktionen erwartet.

Seit Mitte der 1990er-Jahre setzt die Bundesvereinigung Lebenshilfe neben Publikationen und Pressearbeit in den hauseigenen Publikationen verstärkt öffentlichkeitswirksame Aktionen ein, um in den Medien präsent zu sein. Information, Aufklärung und Animation stehen im Mittelpunkt.

Ein großer Erfolg war 1998 die „Blaue Parade“ in Bonn zum 40. Geburtstag der Lebenshilfe. Den Demonstrationszug im Rahmen des Aktionstages zur Gleichstellung führte das meterhohe Blaue Kamel aus Bremen an, ein Symboltier der Integration.

Große Resonanz in der Öffentlichkeit findet seit 1999 die jährliche Verleihung des Medienpreises der Lebenshilfe, der nach einem der ersten Preisträger benannt wurde: Bobby Brederlow, einem Schauspieler mit Down-Syndrom. Weitere Preisträger waren die Fernsehmoderatoren Günther Jauch, Alfred Biolek und Guildo Horn, der Liedermacher Rolf Zuckowski, die Fernsehserie "Lindenstraße", der Schauspieler Peter Radtke, der Kinofilm, "Verrückt nach Paris" und das TV-Drama "In Sachen Kaminski".
 
Auf die künstlerischen Fähigkeiten geistig behinderter Menschen macht die Lebenshilfe immer wieder mit Veröffentlichungen und Veranstaltungen aufmerksam. So zeigte sie 1999 in der europäischen Kulturhauptstadt Weimar die Ausstellung „Drei Damen haben sich umgezogen“ mit Bildern geistig behinderter Menschen.

Im Jahr 2000 folgten u.a. ein Schülerzeitungswettbewerb über die Situation geistig behinderter Menschen und das Integrative Festival auf der Expo in Hannover. Weitere PR-Highlights der nächsten Jahre waren u.a. die Kampagne „Üben Sie mal Toleranz“ (2003) und die Ausstellung „Lebenslust“ in Salzgitter (2006) mit Dokumenten aus dem Leben geistig behinderter Menschen.

2006 organisierte der Landesverband NRW der Lebenshilfe die  Fußball-WM für Menschen mit geistiger Behinderung in Deutschland mit.  
 

Öffentliche Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung

ZDF-Serie „Unser Walter“ (1974) ließ zum ersten Mal ein breites Publikum die Entwciklung eines Kindes mit Down-Syndrom miterleben und machte so die Probleme der betroffenen Familien bekannt. Seitdem hat sich viel getan, auch wenn geistig behinderte Menschen in den Medien bis heute eher als hilfsbedürftig gezeigt werden. Heute gibt es eine ganze Reihe von Beispielen für erfolgreiche Spielfilme mit geisitg behinderten Darstellern, die positive Rollen besetzen, so z. B. mit Beratung der Lebenshilfe in der erfolgreichen ARD-Fernsehserie "Lindenstraße".

Mit der Umbenennung der „Aktion Sorgenkind“ in „Aktion Mensch“ (2000) verschwinden aus den Medien allmählich die Bilder von den „bedauernswerten Sorgenkindern“. Hieran war Bundesgeschäftsführer Dr. bernhard Conrads maßgeblich beteiligt. Etwas völlig Neues wagte der SWR 2006/07 mit der Talkshow „Guildo und seine Gäste“. Die Kritiker lobten das frische Format und den unverkrampften Umgang des Moderators Guildo Horn mit geistig behinderten Menschen.

Bitte lesen Sie dazu auch "Mit Unser Walter fing alles an – Öffentliche Wahrnehmung von Menschen mit (geistiger) Behinderung", einen Beitrag von Peer Brocke. Peer Brocke ist Pressereferent in der Bundesgeschäftstelle der Lebenshilfe.

Freiwillig aktiv
© Bundesvereinigung Lebenshilfe

Seit Gründung der Lebenshilfe hat die Selbsthilfe von Eltern und ihren geistig behinderten Kindern die Arbeit der Bundesvereinigung wesentlich getragen. Von Anfang an stellten sich freiwillige und ehrenamtliche Kräfte unermüdlich zur Verfügung, um geistig behinderten Menschen zu helfen.

Im September 2007 hat die Bundesvereinigung unter dem Titel „Lebenshilfe aktiv“ eine Beratungs- und Koordinierungsstelle zur Förderung des Freiwilligenengagements in den Lebenshilfen vor Ort eingerichtet. Die lokalen und regionalen Mitgliedsorganisationen erhalten Unterstützung bei der Einbindung freiwillig engagierter Bürgerinnen und Bürger in die Arbeit ihrer Dienste und Einrichtungen: „Lebenshilfe aktiv“ stellt Service-Informationen und Werbematerial bereit, organisiert Ideenbörsen und bietet Workshops sowie Weiterbildungen für Freiwilligenkoordinatorinnen und -koordinatoren an. Wichtiger Teil des Projekts ist es, Konzepte zu entwickeln, die es interessierten Menschen mit geistiger Behinderung erleichtern, „die Sache einmal umzudrehen“ und selbst für andere bürgerschaftlich aktiv zu werden. Das Projekt „Lebenshilfe aktiv“ ist auf drei Jahre angelegt und wird durch Aktion Mensch finanziell gefördert.

Die Unterstützung und Koordination ehrenamtlicher, freiwilliger sozialer Arbeit ist eine gute Möglichkeit, sich stärker mit dem Gemeinwesen zu verbinden. Doch sollen Freiwillige das professionelle Angebot nicht mit abbauen helfen, sondern eine zusätzliche Qualität in die Arbeit mit geistig behinderten Menschen einbringen. Das freiwillige soziale Engagement soll neue Dimensionen, Teilhabemöglichkeiten und Kontakte erschließen. Um Freiwillige langfristig für das soziale Engagement zu gewinnen, muss ihre Arbeit anerkannt werden – z.B. durch Übernahme von Versicherungen, Nachweise über ihr Engagement, Fort- und Weiterbildung und nicht zuletzt durch persönliche Wertschätzung und öffentliche Würdigung.
 
„Man müsste dies…,
man müsste das…
tu selber was!“

Motto der Lebenshilfe Offenbach  
 

Bitte lesen Sie dazu auch "Beruf: Schaltstelle zur Gemeinde". Das neue Tätigkeitsfeld der Freiwilligenkoordination,
einen Beitrag von Wilfried Wagner-Stolp. Wilfried Wagner-Stolp warLeiter der Abteilung Konzepte in der Bundesgeschäftsstelle der Lebenshilfe

Titelseite Leitbild "Gemeinsam kommen wir weiter!
© Bundesvereinigung Lebenshilfe

Wie soll das Leitbild der Lebenshilfe aussehen?

In einfacher Sprache und mit vielen Bildern entstand der "Wegweiser" mit dem Titel
"Gemeinsam kommen wir weiter! Die Lebenshilfe auf dem Weg in die Zukunft".

Freizeitspaß beim Drachensteigen im Wattenmeer
© Bernd Thissen

50 Jahre nach ihrer Gründung hat die Lebenshilfe 529 Orts- und Kreisvereinigungen und rund 135 000 Mitglieder. In Zeiten knapper öffentlicher Kassen und zunehmender Kosten-Nutzen-Überlegungen ist sie als starke Stimme der Menschen mit Behinderung gefragter denn je.

Mit dem Leitbild der Teilhabe und Inklusion hat sich ihre Rolle gewandelt: von einem Verband der Behindertenhilfe, der Menschen vor allem in eigenen Einrichtungen betreut, zu einem modern organisierten Dienstleistungsverband, der mit vielfältigen Angeboten geistig behinderte Menschen auf ihrem Weg zu mehr Selbstständigkeit begleitet, fördert und unterstützt.

Auch im 21. Jahrhundert bleibt die Lebenshilfe die Interessenvertretung geistig behinderter Menschen in Gesellschaft und Politik. „Lebenshilfe ist Selbsthilfe“, wie es im Wegweiser heißt: Miteinander reden, Erfahrungen austauschen, einander mit Rat und Tat zur Seite stehen, sich gegenseitig Mut machen, Geben und Nehmen. Selbsthilfe heißt, sich gemeinsam für die Rechte behinderter Menschen und ihrer Familien einsetzen und ihre Interessen vertreten – ein ganzes Leben lang.

Die Lebenshilfe ist offen für alle Menschen mit Behinderung, besonders für geistig behinderte Menschen, unabhängig von ihrem Hilfebedarf. Sie ist auch offen für jeden, der mithelfen möchte. Im Ehrenamt wie im Beruf arbeiten alle partnerschaftlich zusammen. Menschen mit Behinderungen, Eltern und alle, die in der Lebenshilfe tätig sind, achten einander und wirken vertrauensvoll zusammen.

„Die Lebenshilfe muss Wärme ausstrahlen“
Gertrud Bicanski-Schilgen,
langjährige Vorsitzende des Bundeselternrats (1994–2002)

Gemeinsam kommen wir weiter!“, heißt es programmatisch im Wegweiser der Lebenshilfe. Es ist ein langer Weg, bis dieses Leitbild verwirklicht ist. Die Lebenshilfe wird ihn Stück für Stück gehen und sich dafür einsetzen, dass Wünsche Wirklichkeit werden. Dieser Weg lohnt sich. Er bringt allen Beteiligten viel Erfahrung, Freude, Anerkennung und Wärme. Jeder ist eingeladen, diesen Weg mitzugehen.

Die Jahre:

Menschen:

Robert Antretter


Ereignisse:

16. Ordentliche Mitgliederversammlung:

Schwerpunktthemen:

  • Mitwirkung von Menschen mit geistiger Behinderung in der Lebenshilfe
  • Selbsthilfe stärken – Mitglieder gewinnen
  • Orientierungen für die Lebenshilfe–Orientierungsrahmen zur Leitbildentwicklung


Bundesvorstand:
Robert Antretter (Bundesvorsitzender)
Ingrid Körner
Maren Müller-Erichsen
Caspar Maria Giani
Helmut Coqui
Karsten Geike
Jeanne Nicklas-Faust
Prof. Dr. E. Wacker
Achim Wegmer
Tina Winter
Gerhard Zimmermann

Ehrenvorsitzender:
Günter Jaspert

Verleihung des Medienpreises der Lebenshilfe an Dr. Alfred Biolek,
TV-Moderator, Talkmaster und Produzent

536 Orts- und Kreisvereinigungen
131 157 Mitglieder

Ereignisse:

Kongress in Kassel: "Medizin für Menschen mit Behinderung - eine behinderte Medizin?"

Das Sozialgesetzbuch IX, die Reform des Rehabilitationsrechts, tritt in Kraft

Die neue Mitwirkungsverordnung für Werkstätten tritt in Kraft

Kulturfest in Marburg

Verleihung des Medienpreises der Lebenshilfe an die „Lindenstraße“

Ereignisse:

17. Ordentliche Mitgliederversammlung:

Schwerpunktthemen:

  • Orientierungsrahmen für die Leitbild-Entwicklungen der Lebenshilfe
  • Modellprojekt "Lebenshilfe-Rat"
  • Menschen mit sehr schwerer Behinderung - eine Herausforderung für die Lebenshilfe!
  • Renate Börner, Prof. Dr. Heinz Krebs und Hubertus Stroebel werden zu Ehrenmitgliedern der Bundesvereinigung Lebenshilfe ernannt

Die Bundesvereinigung Lebenshilfe erhält den "Einheitspreis - Bürgerpreis zur deutschen Einheit" von der Bundeszentrale für politische Bildung

Gründung des Instituts "Mensch, Ethik und Wissenschaft" in Berlin unter Beteiligung der Lebenshilfe

Verleihung des Medienpreises der Lebenshilfe an Dr. Peter Radtke, Schauspieler mit Behinderung und Geschäftsführer der 'Arbeitsgemeinschaft Behinderung und Medien'

Solidarische Hilfe für Hochwasseropfer mit behinderten Kindern

533 Orts- und Kreisvereinigungen

133 829 Mitglieder

Ereignisse:

Europäisches Jahr der Menschen mit Behinderungen

Kongress in Dortmund: „Wir wollen mehr als nur dabei sein!“

Bundesvereinigung Lebenshilfe wird mit dem Bürgerpreis der deutschen Einheit ausgezeichnet

Sympathie-Kampagne der Lebenshilfe "Üben Sie mal Toleranz"

Die Bundesvereinigung Lebenshilfe startet eine Internet-Präsentation für Menschen mit geistiger Behinderung:
www.lebenshilfe-angesagt.de (seit 2008 unter "In leichter Sprache" und seit 2018 integriert in den Internet-Auftritt www.lebenshilfe.de)

"Me, Blue and You" - Bundesvereinigung Lebenshilfe und Auswärtiges Amt präsentieren Kunstausstellung gegen Diskriminierung in Berlin

Günther Jauch erhält den "Bobby", den Medienpreis der Bundesvereinigung Lebenshilfe

Türkisch-deutsche Broschüre "Unser Kind ist eine Geschenk" erhält die Auszeichnung des Bündnisses für Demokratie und Toleranz

Ereignisse:

18.Ordentliche Mitgliederversammlung:

Schwerpunktthemen:

  • Lebenssituation sehr schwer und mehrfach behinderter Menschen
  • Modellprojekt "Lebenshilfe-Rat"
  • Agenda 2010 und ihre Konsequenzen für die Lebenshilfe
  • Leitbild der Lebenshilfe
  • Wegweiser


Bundesvorstand:
Robert Antretter (Bundesvorsitzender)
Ingrid Körner
Maren Müller-Erichsen
Caspar Maria Giani
Helmut Coqui
Karsten Geike
Prof. Dr. Theo Klauß
Peter Masuch
Dr. Nicklas-Faust
Achim Wegmer
Martina Winter

Kooptiertes Mitglied:
Hubert Hüppe

"Nur Mit uns!" 80.000 Menschen protestierten mit ihrer Unterschrift gegen die Gesundheitsreform vor dem Brandenburger Tor

Dem Kinofilm "Verrückt nach Paris" wird der "Bobby", der Medienpreis der Lebenshilfe, verliehen

Ereignisse:

Bundesweiter Kongress in Magdeburg: "Wir gehören dazu! Teilhabe von Menschen mit schwerer Behinderung als Herausforderung für Praxis, Wissenschaft und Politik"

Die Lebenshilfe eröffnet ihr Berlin-Büro

"Wegweiser für alle in der Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung" wird veröffentlicht:
Gemeinsam kommen wir weiter! Die Lebenshilfe auf dem Weg in die Zukunft

Der Liedermacher Rolf Zuckowski erhält den "Bobby", den Medienpreis der Bundesvereinigung Lebenshilfe

Die Lebenshilfe unterstützt die Tsunami-Opfer in Indien und Sri Lanka

Ereignisse:

19. Ordentliche Mitgliederversammlung:

Schwerpunktthemen:

  • Älter werdende Menschen mit geistiger Behinderung
  • Bestätigung von Hubert Hüppe, MdB, als Mitglied des Bundesvorstands der Bundesvereinigung Lebenshilfe
  • Informationen und Impulse zur internationalen Arbeit
  • Lebenshilfe als Familienverband: Eltern mit behinderten Töchtern und Söhnen gesellschafts- und sozialpolitisch unter Druck
  • Fundraising für die Lebenshilfe – Perspektiven gemeinsamer Mittelbeschaffung und Öffentlichkeitsarbeit
  • Prof. Dr. Martin Th. Hahn und Gerhard Zimmermann werden zu Ehrenmitgliedern der Bundesvereinigung Lebenshilfe ernannt

Die Fußballweltmeisterschaft für geistig behinderte Menschen wird von der Bundesvereinigung Lebenshilfe mitveranstaltet

529 Orts- und Kreisvereinigungen

137 628 Mitglieder

 

Lebenshilfe-Medienpreis 2007 (von links): Preisträger Guildo Horn und Boyy Brederlow mit Robert Antretter, dem Bundesvorsitzenden der Lebenshilfe.
© Peer Brocke

Menschen:

Lebenshilfe-Medienpreis 2007
Preisträger Guildo Horn und Bobby Brederlow mit Robert Antretter, dem Bundesvorsitzenden der Lebenshilfe.
 

Ereignisse:

Zu seinem 90. Geburtstag wird Lebenshilfe-Gründer Tom Mutters im Marburger Rathaus mit dem Eintrag ins Goldene Buch geehrt.

Die Generalversammlung der UN nimmt die Konvention zur Förderung und zum Schutz der Rechte und Würde von Menschen mit Behinderung an.

Große Beachtung fand die internationale Fachtagung "Wir wollen - Wir lernen - Wir können!" zur Erwachsenenbildung geistig behinderter Menschen in Köln.

Im Sommer beschließt die Lebenshilfe den Teilumzug der Bundesgeschäftsstelle nach Berlin im Jahr 2009.

Titelseite Jahresbericht 20089

Ereignisse:

Mit zahlreichen Aktionen und Publikationen feiert die Bundesvereinigung Lebenshilfe ihr 50-jähriges Bestehen.

Lesen Sie den Jahresbericht 2008 der Bundesvereinigung Lebenshilfe.

 

Titelseite Jahresbericht 2009

Ereignisse:

Das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen – kurz Behindertenrechtskonvention (BRK) – wird nach Abschluss der Ratifizierung am 26. März 2009 in Deutschland verbindliches Recht.

Zum Parlamentarischen Abend der Lebenshilfe kommen mehr als 100 Bundestagsabgeordnete in die Berliner Vertretung des Landes Schleswig-Holstein.

Die Lebenshilfe plädiert in einer Anhörung des Familienausschusses zum Schwangerschaftskonfliktgesetz für die umfangreiche Beratung von Frauen und Paaren.

Wie kann eine bessere medizinische Versorgung für Menschen mit geistiger Behinderung gewährleistet werden? Dieser Frage widmet sich die Fachtagung „Gesundheit fürs Leben“ am 15. und 16. Mai.

Die Bildungspolitik kommt in Bewegung: Die Bundesvereinigung Lebenshilfe legt ein Positionspapier zur „Schulischen Bildung im Zeitalter der Inklusion“ vor.

Dr. Bernhard Conrads, seit 30 Jahren für die Lebenshilfe tätig, davon 20 Jahre als Bundesgeschäftsführer, geht in den Ruhestand.

Den Medienpreis der Lebenshilfe „Bobby 2009“ erhält Juliana Götze, eine Berliner Schauspielerin mit Down-Syndrom, gemeinsam mit dem Filmteam des Münchener „Polizeiruf 110“, darunter die TV-Kommissare Michaela May und Edgar Selge.

Zu der Lebenshilfe-Veranstaltung „Eine Schule für alle“ kommen fast 400 Teilnehmer. Wissenschaftler, Lehrer und Eltern diskutieren vom 12. bis 14. November in Offenbach über Erkenntnisse, Erfahrungen und Perspektiven der inklusiven Schule.

Anlässlich der aufgeflammten Debatte über eine Verkürzung des Wehr- und Zivildienstes fordert die Lebenshilfe den Erhalt des neunmonatigen Dienstes. Zudem sollen Angebote wie das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und das Berufsvorbereitende Soziale Jahr (BSJ) der Lebenshilfe stärker gefördert werden.

Eine schöne Tradition wird fortgeführt: In der Adventszeit steht im Foyer des Reichstagsgebäudes ein Weihnachtsbaum – dekoriert mit handgefertigtem Schmuck aus einer Lebenshilfe-Werkstatt.
 
Lesen Sie den Jahresbericht 2009 der Bundesvereinigung Lebenshilfe.

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