Familie Behinderung
© Lebenshilfe/David Maurer
Familie

Momentaufnahme mit Familie King

In unserer Momentaufnahme wollen wir Familien vorstellen, in denen ein Mensch mit Behinderung lebt. Wir wollen zeigen, was ihr Leben ausmacht, was sie ärgert, was sie freut, wer ihnen zur Seite steht.

Familie King im Interview – „Es muss einem nicht leidtun.“

Familie King Momentaufnahme
© Familie King/Privat

Wen dürfen wir heute unseren Lesern vorstellen?

Ich heiße Lisa, bin 30 Jahre alt und wohne in Wiesbaden. Meine jüngere Schwester Helen hat eine umfängliche Beeinträchtigung. An ihrer Schule habe ich ein Freiwilliges Soziales Jahr gemacht. Heute arbeite ich selbst als Lehrerin an einer Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung. 

Wer steht an Ihrer Seite?

In familiären Angelegenheiten unterstützen wir uns als Beteiligte oft gegenseitig. Auch meine Tante hilft, wenn sie kann. Bei emotionalen Themen, die meine Familie betreffen, habe ich Freundinnen und meinen Freund für Gespräche. 

Was nervt Sie im Alltag so richtig?

Wenn ich mit meiner Schwester unterwegs bin, nervt mich das Starren anderer Leute so richtig. Ich verstehe, dass man aus Neugier oder Interesse schaut. Das sollte über kurze Blicke aber nicht hinausgehen. Das empfinde ich als respektlos. Man ist immer im Fokus und wird angeschaut. Manchmal möchte man auch einfach unbemerkt irgendwo langgehen können. Ebenso stören mich Aussagen wie: „Ach Gott, das ist ja schrecklich / tut mir leid mit deiner Schwester“. Es muss einem nicht leidtun. Hier wünsche ich mir einen veränderten Blick in der Gesellschaft.

Worüber haben Sie sich zuletzt gefreut?

Zuletzt habe ich mich über die Aussage meiner Schülerin mit Autismus gefreut, die mir am letzten Schultag gesagt hat: „Ich glaube, du wirst mir fehlen in den Ferien“. Das hat mich sehr berührt, weil sie sonst eher selten ihre Zuneigung äußert. 

In Bezug auf meine Schwester habe ich mich zuletzt im Urlaub im August gefreut. Als wir gemeinsam hinten im Auto saßen, hat sie ihren Arm unter meinen gelegt und meine Hand genommen. Das war ein sehr schönes und inniges Gefühl.

Wie sieht für Sie ein perfekter Sonntag aus?

Ein perfekter Sonntag heißt für mich, dass ich frei über meine Zeit und Tätigkeiten verfügen kann. Am liebsten schlafe ich aus, trinke gemütlich einen Kaffee und wenn es regnet, schaue ich gerne mal eine Serie, ich gehe gerne spazieren oder mache einen Ausflug mit Menschen, die ich mag. Ein perfekter Sonntag mit Familie heißt für mich, dass meine Schwester die Nacht ohne einen epileptischen Anfall verbracht hat und wir entspannt und ausgeschlafen in den Tag starten. Schön ist es, wenn wir zusammen in eine Therme gehen. Im Wasser kann man Helen im wahrsten Sinne „leicht“ tragen, alles fühlt sich geschmeidig und unbeschwert an. Sie ist total entspannt und das macht den Umgang miteinander angenehm.

In der Momentaufnahme der Lebenshilfe-Zeitung stellen sich Familien mit behinderten Angehörigen vor. Sie erzählen, was ihr Leben ausmacht, was sie ärgert, was sie freut und wer ihnen zur Seite steht.

Newsletter abonnieren