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© Lebenshilfe/David Maurer
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Momentaufnahme mit Arthur Hackenthal

Arthur Hackenthal ist 20 Jahre alt und lebt in Berlin. Er hat das Down-Syndrom. Als Blogger und Inklusions-Aktivist beschreibt er seinen Alltag mit Down-Syndrom. Wir haben mit Arthur Hackenthal gesprochen.

Arthur Hackenthal im Interview – „Ich leide nicht am Down-Syndrom, sondern habe ein schönes Leben.“

Arthur Hackenthal Momentaufnahme
© Arthur Hackenthal/Privat

Wen dürfen wir heute unseren Lesern vorstellen?

Mein Name ist Arthur Hackenthal, ich bin 20 Jahre alt und lebe mit meinen Eltern und meinem Bruder in Berlin. Ich habe das Down-Syndrom. Ich bin Blogger und Inklusions-Aktivist. Bei Instagram gebe ich mit meinem Account „AlltagmitDownsyndrom“ einen kleinen Einblick in mein Leben. Außerdem kann man bei YouTube unter „Arthurs Blog“ sehen, wie ich Interviews zu verschiedenen Themen mache.

Was haben Ihre Eltern Ihnen aus der Zeit nach Ihrer Geburt erzählt?

Meine Eltern haben sich bei der Geburt sehr über mich gefreut. Dass ich Trisomie 21 habe, wussten sie schon vorher. Ich bin dann sehr krank geworden, weil ich einen schweren Herzfehler hatte. Ich musste oft operiert werden. Und ich hatte eine Magensonde, weil ich nicht trinken und essen konnte, und ich brauchte Sauerstoff. Aber meine Eltern sagen, ich war sehr niedlich.

Sie sind jetzt 20 Jahre alt. Wie verlief Ihr Leben bisher?

Mein Leben verlief gut. Inzwischen habe ich einen Herzschrittmacher und brauche keinen Sauerstoff mehr zusätzlich. Ich war in einer tollen Kita und in Regelschulen bis nach der 10. Klasse. Danach noch 2 Jahre in einer Förderschule im BQL -Hauswirtschaft. Inzwischen mache ich eine Qualifizierung zum Servicehelfer in einem Seniorenheim und möchte danach als Servicehelfer in einer Kita oder einem Seniorenheim arbeiten.

Ich habe eine Freundin. Sie heißt Nina und wir verbringen viel Zeit miteinander.

Wer steht heute an Ihrer Seite?

Meine Eltern unterstützen mich, mein Bruder auch. Im Alltag komme ich gut zurecht. Zur Arbeit oder zu Freizeitterminen fahre ich mit der BVG. Da kenne ich mich gut aus. Wenn ich mich mal verlaufe oder verfahre, rufe ich bei meiner Mutter an. Ganz neue Wege muss ich mit meinen Eltern üben. Zur Zeit trainiere ich, mich mit Google Maps zurecht zu finden.  Ich besuche eine Freizeitgruppe und den Stammtisch der Lebenshilfe, spiele Fußball bei dem Verein SCL-Inter Neukölln und habe viele Freunde. Demnächst bekomme ich Unterstützung von einem Einzelfallhelfer, damit ich mich noch besser darauf vorbereiten kann, mal zu Hause auszuziehen.

Was nervt Sie im Alltag?

Mich nervt es total, wenn andere Leute glauben, dass ich leide. Ich leide nicht am Down-Syndrom, sondern habe ein schönes Leben. Außerdem stört es mich, wenn andere Menschen mir nichts zutrauen. Und ich finde es wirklich diskriminierend, dass ich vor meiner Ausbildung zu so vielen Begutachtungen musste.

Worüber haben Sie sich zuletzt so richtig gefreut?

Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass meine Freundin im Herbst mit mir zusammen in den Urlaub fährt. Toll fand ich auch, dass Frau Schuler vom ZDF einen kleinen Film über mich gedreht hat, der bald im Fernsehen kommt. Mir bringt es Spaß, wenn ich mich wie in letzter Zeit politisch engagieren kann. Ich gehe gerne auf Demonstrationen und halte Reden. So habe ich auch schon viele Menschen kennengelernt. Und ich kann mich so für Inklusion einsetzen. Das ist mir wichtig.

Was halten Sie von der aktuellen Diskussion um die sogennanten Präna-Tests?

Ich fühle mich bei der ganzen Sache schlecht. Warum braucht die Gesellschaft Tests, um uns auszusortieren? Wir gehören doch zu der Gesellschaft dazu. Wenn diese Test bald für alle schwangeren Frauen bezahlt werden sollen, heißt das doch für mich, dass unsere Gesellschaft Geld dafür ausgibt, dass ungeborene Babys mit Down-Syndrom entdeckt werden sollen und dann werden sie oft abgetrieben. Ich soll lieber Feten statt ungeborene Babys sagen, das wurde mir neulich bei einem runden Tisch zu dem Thema erklärt, alles andere sei zu emotional. Aber ich bin bei dem Thema emotional. Und ich nehme die ganze Diskussion sehr persönlich. Ich möchte nicht auf einer Aussortierliste stehen.

Wie sieht für Sie ein perfekter Sonntag aus?

Mein perfekter Sonntag fängt nach dem Ausschlafen mit einem guten Frühstück meiner Freundin und Nuss-Nougat-Creme an. Danach unternehme ich etwas mit Nina oder meinen Freunden oder gehe ins Kino oder bin im Internet unterwegs. Eine Drei-Fragezeichen-CD darf auch nicht fehlen. Ich bin ein sehr großer Fan von den Drei Fragezeichen. Wenn es dann noch was Leckeres zum  Abendessen gibt, ist der Sonntag ist perfekt.

In der Momentaufnahme der Lebenshilfe-Zeitung stellen sich Familien mit behinderten Angehörigen vor. Sie erzählen, was ihr Leben ausmacht, was sie ärgert, was sie freut und wer ihnen zur Seite steht.

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