Familie

Erwachsen werden mit Behinderung

Volljährig – und jetzt? Junge Menschen sind dann allein für ihr Handeln verantwortlich. Denn mit der Volljährigkeit endet die elterliche Sorge. Was viele nicht wissen: Auch für einen jungen Menschen mit Behinderung können jetzt nicht mehr einfach die Eltern entscheiden. Es müssen Änderungen beachtet werden, zum Beispiel im Leistungsrecht. Manchmal müssen hierfür Anträge gestellt werden. Worum es genau geht, haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Die beitragsfreie Familienversicherung des jungen Menschen in der gesetzlichen Krankenversicherung kann über den 18. Geburtstag hinaus ohne Altersgrenze fortgesetzt werden. Die Bedingung: Er ist durch seine Behinderung nicht in der Lage, seinen Unterhalt selbst zu verdienen. Eltern müssen dazu bei der betreffenden Krankenkasse einen Antrag stellen. Ist der junge Mensch in einer Werkstatt beschäftigt, muss er sich allerdings selbst krankenversichern.

Die Leistungen der Pflegeversicherung stehen einem pflegebedürftigen jungen Menschen, der bei seinen Eltern oder in einer eigenen Wohnung lebt, weiterhin zu. Und was ist, wenn die Leistungen der Pflegekasse nicht reichen um den vollständigen Pflegebedarf zu decken? Dann kann das Sozialamt zusätzlich Hilfe zur Pflege gewähren. Eltern volljähriger behinderter Kinder müssen in diesem Fall einen geringen monatlichen Kostenbeitrag zahlen. 
Auch bei den Leistungen der Eingliederungshilfe wird ab dem 18. Geburtstag nur noch ein Kostenbeitrag fällig. 

Die Familienkasse zahlt Eltern von Kindern mit Behinderung das Kindergeld über den 18. Geburtstag hinaus unbegrenzt weiter. Die Voraussetzungen: Die Behinderung ist vor dem 25. Geburtstag eingetreten. Und der junge Mensch ist nicht in der Lage, seinen notwendigen Lebensbedarf selbst zu erwirtschaften. 

Versorgungsämter überprüfen mit Eintritt der Volljährigkeit häufig den Grad der Behinderung und die Voraussetzungen für das Vorliegen bestimmter Merkzeichen. Der Hintergrund: Manche junge Erwachsene können im Verlauf ihrer Entwicklung lernen, mit ihrer Behinderung auch ohne fremde Hilfe umzugehen. Sie brauchen dann nicht mehr das Merkzeichen H. Merkzeichen sollten allerdings nicht pauschal aberkannt werden – wenn das passiert, können Rechtsmittel eingelegt werden. 

Wenn ein junger Mensch mit geistiger Behinderung seinen Lebensunterhalt nicht selbst verdienen kann, gibt es zwei Möglichkeiten.
•    Ist er erwerbsfähig, kommen Leistungen nach dem zweiten Sozialgesetzbuch in Betracht. 
•    Ist er dauerhaft voll erwerbsunfähig, sollte mit dem 18. Geburtstag ein Antrag auf Grundsicherung nach dem zwölften Sozialgesetzbuch bei Sozialamt gestellt werden. Der Anspruch entfällt nur dann, wenn ein Elternteil mehr als 100.000 Euro verdient. Besteht kein Anspruch auf Grundsicherung, sind Hilfen zum Lebensunterhalt möglich.

Es sollte am besten schon deutlich vor dem 18. Geburtstag geklärt werden, ob ein junger Mensch wegen seiner geistigen Behinderung in rechtlichen Fragen Unterstützung braucht. Gegebenenfalls kann das Betreuungsgericht für ihn einen rechtlichen Betreuer bestellen. Beratung rund um die Betreuung bekommen er und seine Eltern beim Betreuungsverein, der Betreuungsbehörde und dem Betreuungsgericht. 

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