Mann bei der Arbeit
© David Maurer/Lebenshilfe
Arbeiten

Wann lohnt sich eine zusätzliche Altersvorsorge?

Viele Menschen mit Behinderung sind im Alter auf Sozialhilfe angewiesen – ihre Rente ist zu gering. Lohnt sich für sie trotzdem eine private Altersvorsorge wie die sogenannte Riesterrente? Hier erfahren Sie, ob und unter welchen Voraussetzungen die finanzielle Vorsorge fürs Alter funktionieren kann.

Ein alter Mensch mit Behinderung schaut von seinem Balkon.
© Lebenshilfe/David Maurer
Ein alter Mensch mit Behinderung schaut von seinem Balkon.

In der Sozialhilfe gilt das sogenannte Nachrangprinzip. Das bedeutet: Um den notwendigen Lebensunterhalt sicherzustellen, müssen zuerst die eigenen finanziellen Mittel eingesetzt werden. Wer also im Alter auf Sozialhilfe angewiesen ist, muss sich die Frage stellen, ob er dafür dann seine angesparte Altersvorsorge einsetzen muss.

Wer kann für das Alter vorsorgen?

Grundsätzlich kann jeder für sein Alter vorsorgen. Für auf Sozialhilfe angewiesene Menschen gilt: Die meisten Geldanlagen (zum Beispiel Sparverträge bei einer Bank, Kapital-Lebensversicherungen, Aktien und Wertpapiere) müssen vorrangig in Anspruch genommen werden, bevor die Sozialhilfe für den Lebensunterhalt zahlt.

Ein Beispiel: Ein behinderter Mensch hat über mehrere Jahrzehnte monatlich 50 Euro auf ein Sparkonto eingezahlt. Als er das Rentenalter erreicht, sind 25.000 Euro auf dem Sparkonto. Bevor ein Anspruch auf Leistungen der Sozialhilfe zum Lebensunterhalt besteht, müsste zunächst dieses Vermögen bis auf den sogenannten Schonbetrag aufgebraucht werden.

Gibt es Ausnahmen von der Pflicht, vor dem Bezug von Sozialhilfe vorrangig eigenes Einkommen und Vermögen einzusetzen?

Bestimmte Formen zusätzlicher privater Altersvorsorge fallen unter die sogenannte Freistellung. Sie müssen nicht zur Vermeidung von Sozialhilfebezug eingesetzt werden. Geregelt ist das im zwölften Sozialgesetzbuch (Paragraph 82 Absatz 5). Danach muss es sich um eine zusätzliche, freiwillig geleistete Altersvorsorge handeln. Eine weitere Voraussetzung ist, dass vertraglich eine monatliche Auszahlung der privaten Altersrente bis zum Lebensende vereinbart wurde. Eine Auszahlung des angesammelten Kapitals zu Beginn des Ruhestandes müsste dagegen vorrangig vor der Inanspruchnahme von Sozialhilfe eingesetzt werden.    

Wie hoch ist der Freibetrag für eine zusätzliche Altersvorsorge?

Der monatliche Freibetrag beträgt 100 Euro. Das ist in Paragraph 82 Absatz 4 des zwölften Sozialgesetzbuches geregelt.  Ist die monatliche Rente höher als 100 Euro, sind 30 Prozent des 100 Euro übersteigenden Betrages anrechnungsfrei.

Ein Beispiel: Wer aus einer zusätzlichen privaten Altersvorsorge 200 Euro monatlich erhält, darf 130 Euro anrechnungsfrei behalten. Die 30-Prozent-Regelung gilt nur bis zur Hälfte der maßgebenden Regelbedarfsstufe (RBS). Bei der RBS 1, die derzeit 416 Euro monatlich beträgt, wären es somit 212 Euro. Der 212 Euro monatlich übersteigende Betrag einer privaten Altersrente würde somit komplett auf Sozialhilfeleistungen zum Lebensunterhalt angerechnet.

Wie findet man die richtige private Altersvorsorge?

Art, Form und Höhe einer Altersvorsorge hängen immer von den Umständen des Einzelfalls ab. Broschüren der Sozialministerien von Bund und Ländern sowie der Verbraucherzentralen geben erste Hinweise. 

Newsletter abonnieren