Bild Selbstvertretung Na klar.
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Lydia Peter und Sascha Ubrig sprechen über Selbstvertretung

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Lydia und Sascha über die Zukunft der Selbstvertretung

Angelika:
Danke, dass Ihr das so klar sagt, was jetzt im Moment ansteht.
Zum Schluss unseres Gesprächs habe ich aber noch eine Frage, die weit in die Zukunft gedacht ist: Was glaubt Ihr, wo wir mit der Selbstvertretung in 20 Jahren stehen?

Sascha (lacht):
In 20 Jahren gibt es solche hauptamtlichen Selbstvertreter wie mich gar nicht mehr.
Denn wir haben dann alles erreicht:
Es gibt bezahlbares Wohnen für Menschen mit Beeinträchtigung.
Alles ist barrierefrei.
Menschen mit Beeinträchtigung sind ganz selbstverständlich im Vorstand, in den Lebenshilfen, aber auch in Firmen oder Ämtern…

Nein, im Ernst: In 20 Jahren haben wir bestimmt neue Probleme, und die gehen wir dann an. Aber in 20 Jahren passiert alles mehr auf Augenhöhe.

Lydia:
Da kann ich mich anschließen. In 20 Jahren sagt jeder Mensch, was er braucht und will und geniert sich nicht dabei oder fragt zuerst seine Angehörigen.
Es ist schon vorgekommen, dass Kollegen mich morgens fragen: „Soll ich Tee oder Kakao trinken?“ Das zeigt mir, dass sie zuhause alles hingestellt bekommen. So eine fürsorgliche Bevormundung gibt es, hoffentlich, in 20 Jahren nicht mehr.

Eine weitere wichtige Botschaft vom Kongress in Leipzig, die ich gerne mitgenommen habe und teile und die ich oft zu meinen Kollegen sage, um ihnen Mut zu machen, aber auch, weil ich das wirklich denke:
„Die Behinderung muss mit Euch leben, nicht andersrum!“ In 20 Jahren hat sich das vielleicht durchgesetzt und wir Menschen mit Beeinträchtigung sind für die anderen nichts Besonderes mehr, sondern einfach dabei.

Angelika:
Liebe Lydia, lieber Sascha, danke für das tolle Gespräch!

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