Bild Selbstvertretung Na klar.
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Lydia Peter und Sascha Ubrig sprechen über Selbstvertretung

© Reinhild Kassing
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Lydia und Sascha über den Leipziger Kongress und danach

Angelika:
Das bringt uns zum großen Selbstvertreter-Kongress, der Ende August in Leipzig war.
Ihr beide wart sehr nahe dran: Lydia als hoch engagierte Teilnehmerin.
Und Sascha war sogar in der Kongress-Vorbereitungsgruppe und hat moderiert.
Wie schätzt Ihr den Kongress ein? Was hat er gebracht für die Selbstvertretung von Menschen mit Beeinträchtigung?

Sascha:
Für mich selbst war der Kongress eine große Herausforderung.
Wir haben ihn zwei Jahre lang vorbereitet. Am Anfang hatte ich viele Fragezeichen, die haben sich erst Schritt für Schritt aufgelöst. Auch die Moderation war natürlich eine Herausforderung!
Aber ich fand den Kongress insgesamt super. Auch die ganze Kampagne vorher, da haben viele Lebenshilfen mitgemacht, viele Menschen haben unsere Filme und Fotos gesehen.
Und wenn man sich das vorstellt: Über 500 Selbstvertreter waren auf dem Kongress. Drei Tage lang waren sie dabei, auch wenn es anstrengend war. Das zeigt doch: Die Leute haben Lust!
Auch für meine Arbeit hier hat mir der Kongress den Rücken gestärkt, denn es waren über 20 Leute aus Berlin dabei.

Lydia:
Der Kongress hat für viele Teilnehmer Schwung in ihr persönliches Leben gebracht.
Das Programm war sehr gut.
Jeder einzelne Punkt hatte die Botschaft: „Seid stark!“ Das war schon beim Trommeln so. Auch bei Manuels Bericht über seine Reise nach Australien. Erst recht in den Workshops: Dort haben auch immer Menschen mit Beeinträchtigung selbst die Vorträge gehalten, im Tandem. Das ist ein gutes Prinzip.
Gut war auch, dass der Kongress an der Uni, mitten in der Innenstadt von Leipzig war.
Und dass viele Studenten mitgeholfen haben. So konnten wir auch Menschen ohne Beeinträchtigung für Inklusion begeistern.
Ich hatte zwischendurch das Gefühl: „Jetzt ziehen alle an einem Strang!“

Aber ich habe auch eine Angst: Dass jetzt ganz viel gemacht wird, und später nicht mehr!

Sascha:
Ja! Die Frage ist doch: Was passiert jetzt? Ganz konkret? Was passiert vor Ort?
Zum Beispiel mit der Leipziger Erklärung!
Wir müssen für unsere Forderungen noch mehr Öffentlichkeit machen in der Lebenshilfe.

Lydia:
Das stimmt. Jetzt muss es weitergehen!
Ich habe die Leipziger Erklärung auch schon in unserer Lebenshilfe verteilt.
Sie muss aber auch in die Zeitungen…

Sascha:
…und an die Politik.

Lydia:
Außerdem müssen wir darauf achten, dass sich die Selbstvertreter aus den verschiedenen Bereichen – also zum Beispiel Werkstatt, Wohnen, Offene Hilfen – austauschen und zusammenarbeiten.

Sascha:
Und wir müssen nerven. Sonst tut sich nichts.

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