Bild Selbstvertretung Na klar.
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Lydia Peter und Sascha Ubrig sprechen über Selbstvertretung

Lydia Peter und Sascha Ubrig
© Lebenshilfe/Rudi Mallasch

Seite 2:
Lydia und Sascha sagen, was ihnen an Selbstvertretung
wichtig ist

Lydia:
Viele Menschen mit Beeinträchtigung trauen sich nicht, ihre eigene Meinung zu sagen.
Dabei ist das wichtig, wenn man ein Leben haben möchte, das zu einem passt.
Ich bin selbst so ein Beispiel: Ich bin gelernte Bürokauffrau. Auf dem 1. Arbeitsmarkt hat es nicht geklappt. Und jetzt habe ich hier in der Werkstatt einen Arbeitsplatz am PC. Das ist gut, aber ich musste das auch durchsetzen.
Das gilt doch für alle Menschen mit Beeinträchtigung: Jeder hat eine individuelle Lösung verdient. Und dafür muss man kämpfen.

Sascha:
Bei mir stand auch ein eigenes Erlebnis am Anfang.
In der Lebenshilfe Berlin hatten wir einmal einen Ausschuss von 26 Leuten mit Beeinträchtigung. Sie fuhren herum und prüften: Sind die Einrichtungen der Lebenshilfe Berlin barrierefrei?
Gute Sache – aber nach der Sommerpause waren von den 26 nur noch 3 übrig.
Das kann doch nicht sein, habe ich gedacht! Wir aktiven Selbstvertreter müssen zeigen, was Mitbestimmung ist. Und dass wir dranbleiben müssen!

Angelika:
Habt Ihr ein Thema, das hierbei besonders wichtig ist?

Sascha und Lydia (wie aus einem Mund):
Leichte Sprache!

Lydia:
Ohne leichte Sprache kann es keine Mitbestimmung geben. Denn die Leute mit Lernschwierigkeiten müssen doch verstehen, worum es geht.
Außerdem wird sich für viele das Leben ändern, je mehr wir erreichen. Z.B. wenn Wohnheim-Bewohner zu selbstständigen Mietern werden, mit eigenem Konto. Sowas muss man lernen, da braucht man leichte Sprache!

Sascha:
Ich möchte gerne alle mitnehmen, das geht nicht ohne leichte Sprache.
Wir haben erst vor kurzem einen Leichte-Sprache-Workshop angeboten, der sehr gut besucht war. Das zeigt mir: Leichte Sprache wird gebraucht!
Aber Stichwort „alle mitnehmen“: Ich habe noch andere Themen, die mir sehr wichtig sind.
Ich möchte z.B., dass es auch im Einzelwohnen Wohnbeiräte gibt. Es kann ja nicht sein, dass diese Leute allein mit ihren Problemen dastehen!
Außerdem müssen wir auch immer an die Menschen mit sehr hohem Unterstützungsbedarf denken.
Mir persönlich ist auch Vernetzung und Austausch wichtig. Ich war einmal auf einer Tagung in Österreich. Die Selbstvertreter dort haben mich sehr beeindruckt. Sie sind zu jedem hingegangen und haben gefragt, wie es ihm geht, was er möchte und so weiter. Und sie waren sehr selbstbewusst. So etwas muss man erleben.

Lydia:
Genau! Tagungen machen am meisten Spaß. Man kriegt immer richtig Schwung und kann voneinander lernen.

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