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Was heißt interkulturelle Öffnung und kultursensible Arbeit?

Interkulturelle Öffnung und kultursensible Arbeit - das sind die zentralen Konzepte um den heterogenen Bedürfnissen und Bedarfen einer durch Einwanderung geprägten Gesellschaft gerecht zu werden. Beide Ansätze haben sich in dieser Kombination vor allem im Bereich der Gesundheitsversorgung und Pflege etabliert. Von dort haben sie Eingang in die Behindertenhilfe gefunden. Aber was bedeuten eigentlich interkulturelle Öffnung und kultursensible Arbeit? In welchem Verhältnis stehen die beiden Ansätze zueinander?

Beide Konzepte verfolgen das Ziel, professionelles Handeln auf die zunehmende Vielfalt verschiedener Lebenslagen und -entwürfe abzustimmen. Auch kulturelle und religiöse Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung und ihrer Familien müssen berücksichtigt werden. Nur so kann für alle eine gleichwertige Beratung und Unterstützung gewährleistet werden. Gleichwertigkeit heißt nicht Gleichbehandlung. Denn eine Gleichbehandlung Aller blendet bestehende Unterschiede aus und geht nicht auf die individuellen Bedürfnisse und Bedarfe ein.

© Bettina Kumpe / Mit freundlicher Genehmigung des Westermann Verlags
© Bettina Kumpe / Mit freundlicher Genehmigung des Westermann Verlags
 

Interkulturelle Öffnung bezeichnet einen langfristigen Prozess der Organisationsentwicklung und Qualitätssicherung. Er muss alle Ebenen einer Organisation einbeziehen, das heißt ihre Angebote und Dienstleistungen, ihre Strukturen, Prozessabläufe und die Handlungspraxis.

Kultursensible Arbeit dagegen bezieht sich auf die Handlungspraxis des Fachpersonals in Bezug auf die Kunden. Darunter werden erstens die innere Haltung und die sozialen Kompetenzen verstanden, die das professionelle Handeln der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter prägen. Zweitens geht es um die Strategien und Methoden, die sie anwenden, um allen Kunden eine gleichwertige, bedarfsgerechte Leistung anzubieten.

Für beide Begriffe ist der Kulturbegriff zentral – dabei ist Kultur nicht mit unserem alltagssprachlichen Kulturbegriff im Sinne einer Herkunftskultur zu verwechseln. In den letzten Jahren gewann der Vielfaltsgedanke (Diversität/Diversity) zunehmend Bedeutung für den Kulturbegriff. Diversität meint nicht nur Vielfalt unterschiedlicher Lebenslagen im Hinblick auf die Kombination von Merkmalen wie Geschlecht, ethnische und soziale Herkunft, körperliche und geistige Kapazitäten, Religion und Weltanschauung und Alter. Diversität meint auch die Ungleichheiten und Benachteiligungen, die sich aus der gesellschaftlichen Bewertung dieser Unterschiede ergeben. Kultursensibel heißt daher auch immer sensibel zu sein für Unterschiede und für Diskriminierung.


Mehr über den Kulturbegriff, zu Interkultureller Öffnung, den Qualitätsmerkmalen Kultursensibler Arbeit.

 

 
 
 
 
 

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