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Regional
Ein Bericht aus der Lebenshilfe Main-Taunus

Eine STARKe Beratung

Seit Anfang 2018 wird in ganz Deutschland die sogenannte „Ergänzende Unabhängige Teilhabeberatung“ eingeführt. Dieses Angebot soll unabhängig über Leistungen der Eingliederungshilfe beraten. Außerdem sollen Menschen mit Behinderung und deren Angehörige bei Entscheidungen unterstützt werden. Die Lebenshilfe Main-Taunus betreibt bereits seit acht Jahren die Beratungsstelle STARK, die einem solchen Ansatz folgt. Wie arbeitet diese? Und welche Chancen bietet eine Beratung? Wir sprachen mit Rebekka Knappe, Leiterin von STARK.

Wer wird bei STARK beraten?

Grundsätzlich ist die Beratungsstelle offen für alle, die Fragen zum Thema Behinderung haben. Derzeit werden überwiegend Menschen mit Behinderung und deren Angehörige beraten, manchmal auch Fachkräfte. Dass es bei uns eine gute Beratung gibt, spricht sich zunehmend auch bei Menschen mit Behinderung herum. Vor allem Personen, die ambulant wohnen, nehmen verstärkt eine Beratung in Anspruch. Die Fragen reichen dabei von „Was muss ich tun, um auf dem 1. Arbeitsmarkt zu arbeiten?“ bis hin zu „Wie finde ich meinen Lebenspartner?“.

Wie arbeitet Ihre Beratungsstelle?

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Das hängt vom Beratungsbedarf ab. Grundsätzlich beraten und begleiten wir in allen Lebensphasen und zu allen Lebensbereichen. Wir informieren zum Beispiel über rechtliche Ansprüche und helfen der Person das passende Unterstützungsangebot zu finden. Wir arbeiten lösungs-und ressourcenorientiert.

Außerdem beziehen wir das Umfeld der Person mit ein. Bei Bedarf werden bei der Beratung auch Elemente der Persönlichen Zukunftsplanung, Leichte Sprache oder weitere Methoden und Hilfsmittel eingesetzt. Grundsätzlich geht es darum, den Ratsuchenden soweit zu stärken, dass er sich selbst helfen kann und nicht dauerhaft auf unsere Unterstützung angewiesen ist. Eine Begleitung über mehrere Jahre ist auch möglich. So kommen beispielsweise Eltern zu uns, die im Verlauf der Entwicklung ihres Kindes mit Behinderung immer mal wieder Unterstützung benötigen. Außerdem bieten wir Infoveranstaltungen rund um das Thema Behinderung an. Und wir leiten bei Bedarf an zuständige Stellen weiter.

Welche weiteren Angebote bieten Sie an, um Menschen mit Behinderung und deren Angehörige zu stärken?

Für Menschen mit Behinderung bieten wir neben der klassischen Beratung einen Stammtisch und zwei Lesegruppen für Leichte Sprache an. In diesen Freizeitgruppen beraten sich die Teilnehmer  auch untereinander. Es gibt außerdem noch eine Gruppe für junge Menschen mit Behinderung zum Thema Wohnen und eine Gruppe für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf, mit dem Ziel des ambulanten Wohnens. Für die Eltern gibt es dazu einen Wohn-Stammtisch mit dem Schwerpunkt Ablösungsprozesse. Insgesamt haben sich viele Angebote der Selbsthilfe entwickelt. Eltern bringen ihre Erfahrungen ein, bieten telefonische Beratung für Eltern von Eltern an oder organisieren mit unserer Hilfe Elterngesprächskreise. Und viele engagieren sich dann auch als aktive Mitglieder in der Lebenshilfe.

Wie entstand die Idee der Beratungsstelle?

Damals gab es einen hohen Beratungsbedarf beim Landkreis Main-Taunus. Um dem zu begegnen, wurde die Lebenshilfe gefragt, ob sie Interesse hätte eine Beratungsstelle zu betreiben und so die Beratung des Landkreises zu ergänzen. 2009 wurde STARK gegründet – finanziert zunächst aus Projektmitteln der Aktion Mensch, nach fünf Jahren dann über den Landkreis.

Wie unabhängig ist Ihre Beratungsstelle?

Die Lebenshilfe hat selbst viele Dienste und Einrichtungen. Die Beratungsstelle ist jedoch organisatorisch selbständig und kann daher unabhängig von Einrichtungsinteressen agieren. Beispielsweise werden bei einer Beratung objektiv alle Vor- und Nachteile möglicher Unterstützungsangebote im gesamten Landkreis vorgestellt. Schließlich geht es darum, die Person soweit zu stärken, dass sie für sich selbst die beste Lösung findet. Das kann dann ein Angebot der Lebenshilfe sein, muss es aber nicht. Die unabhängige Beratung ist bei uns im Konzept verankert und mit dem Kostenträger abgestimmt. So wird vom Kostenträger derzeit ausschließlich eine Statistik verlangt, welche anhand von Zahlen den Beratungsbedarf nachweist. Aber das Entscheidende ist, dass die Unabhängigkeit in der Beratung vor Ort bewusst gelebt wird.

Was ist neu im Gesetz?

Die Ergänzende Unabhängige Teilhabeberatung ist in Paragraf 32 Sozialgesetzbuch (SGB) IX geregelt und wird seit dem 1. Januar 2018 neu eingeführt. Der Bund wird dieses Beratungsangebot mit jährlich 58 Millionen Euro zunächst befristet auf fünf Jahre fördern. Die Richtlinie zur Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung wurde  am 31. Mai 2017 veröffentlicht. Die Bundesvereinigung Lebenshilfe hat  konzeptionelle Hinweise und Anregungen zu den Themen Unabhängigkeit und Peer-Beratung veröffentlicht. Diese und weitere Informationen finden Sie unter www.TeilhabeStattAusgrenzung.de  

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