Spielen mit Behinderung
© Lebenshilfe/David Maurer
Freie Zeit

Zeit zum Spielen!

Jeder tut es: Spielen! Im Sandkasten eine Burg bauen, mit der Familie Kniffel spielen, mit Freunden musizieren oder Computer-Spiele zocken. Dabei wird Spielen von Gefühlen wie Freude, Spannung oder Entspannung begleitet. Während des Spiels werden überschüssige Energien abgebaut, Konflikte bewältigt oder Spannungen erzeugt: Es wird etwas erlebt!

Wie spielen Menschen mit schwerer Behinderung und hohem Unterstützungsbedarf?

Spielen mit Behinderung
© CC0-Lizenz

„Spielen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Komplexer Behinderung“ heißt die Jahrestagung der Stiftung Leben pur, die im März 2019 stattfand. Pädagog*innen, Therapeut*innen und Psycholog*innen haben sich dort mit der Bedeutung des Spiels beschäftigt und vielfältige Möglichkeiten des Spiels für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf vorgestellt.

So wird zwischen zweckgerichtetem und zweckfreiem Spiel unterschieden: Das zweckgerichtete Spiel hat die Förderung und Entwicklung einer Person zum Ziel.

Zum Beispiel werden bei einem Steckspiel Holzklötzer in verschiedenen Formen in die passenden Ausschnitte gesteckt. Dieses gilt als Lernspiel und ist zweckgerichtet, da die Förderung der Feinmotorik und das Kennenlernen der Formen im Vordergrund stehen.

Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf: Spielen um des Spielens willen!

Spielen mit Behinderung
© Lebenshilfe/David Maurer

Das zweckfreie Spiel nimmt hingegen eine viel weitreichendere Bedeutung in der Entwicklung eines Menschen ein: Hier ist das Spiel eine freiwillige Beschäftigung, welche Freiraum für Spannung, Entspannung und Freude zulässt. Für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf ist das zweckfreie Spiel ein Raum sich selbst und die Welt zu erkunden.

Dabei wird ebenfalls gelernt, jedoch ganz frei und ohne Ziel. Das zweckfreie Spiel erfordert Partner*innen, die sich auf das Spiel einlassen. So können Lautäußerungen, wie z. B. ein Brummen, aufgegriffen und wiederholt werden. Daraus lässt sich ein spielerischer Dialog entwickeln, den die Person mit hohem Unterstützungsbedarf steuert und führt.

Die Stiftung Leben pur wird die Ergebnisse der Fachtagung im nächsten Jahr beim Verlag selbstbestimmtes leben veröffentlichen. Wer sich heute schon über Erkenntnisse zum Spielen mit Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf informieren möchte, ist mit dem Buch „Spielen ‑ Menschen mit schwerer Behinderung und die Potenziale des Spiels“ von Riegert et al. (2019) gut beraten. Hier werden theoretische Grundlagen des Spiels und die Potenziale für die Praxis näher betrachtet.

Weitere Informationen zum Thema: Möglichkeiten des Spiels für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf

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