Dr. h.c. Tom Mutters

Gründer der Lebenshilfe in Deutschland
* 1917 † 2016

Lebenshilfe-Gründer Tom Mutters 2008 Foto: Bundesvereinigung Lebenshilfe, Hans D. Beyer
 

Dr. med. h. c. Tom Mutters, Gründer und Ehrenvorsitzender der Bundesvereinigung Lebenshilfe, wurde am 23. Januar 1917 in Amsterdam geboren. Er verstarb am 2. Februar 2016 in Marburg im Alter von 99 Jahren.

Als UNO-Beauftragter für „Displaced Persons“ – so der Ausdruck für Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge und andere Menschen, die von den Nazis verschleppt worden waren – lernte Tom Mutters in der Nachkriegszeit das Elend geistig behinderter Kinder in den Lagern und in der hessischen Anstalt Goddelau kennen. Er sagte einmal: „In ihrer Hilflosigkeit und Verlassenheit haben diese Kinder mir ermöglicht, den wirklichen Sinn des Lebens zu erkennen, und zwar in der Hinwendung zum Nächsten.“

Der spätere Lebenshilfe-Gründer Tom Mutters in der 1950er-Jahren mit den Kindern von Goddelau. Foto: Lebenshilfe-Archiv

Der spätere Lebenshilfe-Gründer Tom Mutters in der 1950er-Jahren mit den Kindern von Goddelau. Foto: Lebenshilfe-Archiv. Hier finden Sie mehr Informationen zur Geschichte der Lebenshilfe.

Zusammen mit Eltern und Fachleuten gründete der gebürtige Niederländer 1958 in Marburg die Bundesvereinigung Lebenshilfe, deren Geschäftsführer er 30 Jahre lang war. Die Lebenshilfe hat sich in der Folgezeit zur deutschlandweit größten Selbsthilfeorganisation für geistig behinderte Menschen und ihre Angehörigen entwickelt mit rund 130.000 Mitgliedern, 509 örtlichen Vereinigungen und 16 Landesverbänden. Das Angebot der Hilfen umfasst Frühförderung, Familienentlastende Dienste, Kindergärten und Schulen für Kinder mit und ohne Behinderung, Freizeitangebote, Werkstätten und inklusive Arbeitsplätze sowie Wohnformen mit mehr oder weniger intensiver Betreuung bis ins Alter.

Der Niederländer wurde über Jahrzehnte zum Motor der Lebenshilfe; „Tom, der Gründer“ wird er bis heute genannt. In den Anfangsjahren reiste er kreuz und quer durch die Republik und brachte die Lebenshilfe-Botschaft in jeden Winkel des Landes: Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung gehören ohne Wenn und Aber dazu. Sie sind ein wertvoller Teil der Gesellschaft – sie brauchen nur mehr Unterstützung als andere.

Tom Mutters brachte den Selbsthilfe-Gedanken auch in andere Länder: nach Indien, Afrika und Osteuropa. Mit Unterstützung der Lebenshilfe schlossen sich dort Eltern behinderter Kindern zu vergleichbare Vereinigungen zusammen. Zudem hatte Mutters 1965 maßgeblichen Anteil an der Gründung der ZDF-Fernsehlotterie „Aktion Sorgenkind“, die heute Aktion Mensch heißt und vorrangig Projekte für Menschen mit Behinderung fördert.

Ein erstes großes Ziel der Lebenshilfe war erreicht, als in den 1960er- und 1970-Jahren die Schulpflicht schrittweise für geistig behinderte und schwer mehrfach behinderte Kinder eingeführt wurde. Bis dahin galten sie als bildungsunfähig. Auch als 1989 die Mauer fiel, wurde in Tom Mutters wieder der alte Pioniergeist wach. Es dauerte kein Jahr, da gab es schon rund 120 neue örtliche Lebenshilfen im Osten Deutschlands: von Annaberg-Buchholz bis Zeulenroda.

„Tom, der Gründer“ hat die Lebenshilfe über Jahrzehnte geprägt und begleitet. Er hat Menschen mit Behinderung und ihren Angehörigen zu einem ganz neuen Selbstbewusstsein verholfen. Seine Vision aus den 1950er-Jahren spiegelt sich heute in der UN-Behindertenrechtskonvention wider, die seit 2009 behinderten Menschen in Deutschland uneingeschränkte Teilhabe garantiert und eine inklusive Gesellschaft einfordert.

Tom Mutters erhielt für sein Lebenswerk zahlreiche Auszeichnungen: Zu seinem 70. Geburtstag wurde ihm 1987 das Große Bundesverdienstkreuz verliehen, und die Medizinische Fakultät der Philipps-Universität in Marburg ernannte ihn im selben Jahr zum Ehrendoktor. In seiner Heimat wurde er in den Rang eines Offiziers im Orden von Oranje-Nassau erhoben. 2013 bekam der Niederländer den Preis für „Dialog und Toleranz“ des Paritätischen Gesamtverbandes. Ihm zu Ehren wurde 1996 die Lebenshilfe-Stiftung „Tom Mutters“ ins Leben gerufen, und bundesweit tragen zahlreiche Lebenshilfe-Einrichtungen seinen Namen.

 

Neu: Buch über den Lebenshilfe-Gründer

Cover des Bucheszoom
 
 

Worte der Trauer
und der Anerkennung

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und SPD-Bundesvorsitzender Sigmar Gabriel würdigen das Lebenswerk von Tom Mutters:

Schreiben Angela Merkel
Schreiben Sigmar Gabriel

 
 

Die Lebenshilfe
nimmt Abschied

Bundesvorsitzende Ulla Schmidt würdigt das Lebenswerk von Tom Mutters. Foto: Nadine Weigelzoom

Sehen Sie hier Bilder von der Trauerfeier für Tom Mutters am 16. Februar 2016 in Marburg.

Zum Beitrag "Deutschland hat Tom Mutters viel zu verdanken"
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In Leichter Sprache

Logo Leichte Sprache von Inclusion Europe

Tom Mutters war ein ganz wichtiger Mann für die Lebenshilfe.
Die Gründung der
Lebenshilfe war seine Idee.
Am 2. Februar 2016 ist
Tom Mutters gestorben.
Über sein Leben gibt es einen Nachruf
in Leichter Sprache:
Zum Lesen klicken Sie bitte hier.
Den Text hat das Büro für Leichte Sprache der Lebenshilfe Sachsen geschrieben.

 
 

Lebenshilfe Stiftung
Tom Mutters

Die Lebenshilfe-Stiftung „Tom Mutters“ ist eine selbständige, rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts und trägt den Namen des Initiators und Gründers der Lebenshilfe, Dr. h.c. Tom Mutters. Damit wird das Lebenswerk einer großen Persönlichkeit der deutschen Behindertenhilfe gewürdigt.

 
 
 
 

Bundesvereinigung Lebenshilfe e. V. - 35043 Marburg, Raiffeisenstr. 18, E-Mail: Bundesvereinigung@Lebenshilfe.de