Lebenshilfe fordert: Im Alter nicht aufs Abstellgleis

Rund 200 Gäste beim Parlamentarischen Abend 2017

Parlamentarischer Abend 2017, Foto: Bernd Lammel

Auf dem Bild von links: Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, Schauspieler Sebastian Urbanski, Ulla Schmidt, Bundesvorsitzende der Lebenshilfe und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, sowie Ramona Günther, Selbstvertreterin und Mitglied des Bundesvorstandes der Lebenshilfe. Foto: Bernd Lammel

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„Menschen mit Behinderung werden heute auch alt – und das ist gut so. Es ist ein Zeichen von gesellschaftlichem Wohlstand und medizinischen Erfolgen.“ Mit diesen Worten eröffnete Ulla Schmidt, Bundesvorsitzende der Lebenshilfe und Bundestagsvizepräsidentin, den Parlamentarischen Abend der Bundesvereinigung Lebenshilfe am 21. März.

Etwa 200 Politiker, Lebenshilfe-Mitglieder und viele Selbstvertreter waren in die Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen beim Bund gekommen, um sich über das Thema „Teilhabe im Alter“ zu informieren und auszutauschen.

Ulla Schmidt erinnerte in ihrer Rede an die sogenannten „Euthanasie“-Morde der Nationalsozialisten. Und daran, dass nun erstmalig Menschen mit Behinderung in allen Altersgruppen in Deutschland leben. Sie begrüßte besonders herzlich Sebastian Urbanski, der als erster Mensch mit Down-Syndrom am 27. Januar im Bundestag sprechen durfte.

Bei der Lebenshilfe waren außerdem zu Gast: Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, Landwirtschaftsminister Christian Schmidt, Bundestagsvizepräsidentin Michaela Noll und Vizepräsident Johannes Singhammer, sowie die Vorsitzende des Ausschusses für Arbeit und Soziales, Kerstin Griese.

Alle behindertenpolitischen Sprecherinnen und Sprecher der Fraktionen – Uwe Schummer (CDU/CSU), Kerstin Tack (SPD), Corinna Rüffer (Bündnis 90/Die Grünen) und Katrin Werner (Die Linke) – hatten sich angekündigt. Uwe Schummer musste dann jedoch wegen einer Erkrankung absagen, ebenso wie Verena Bentele, die Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen.

Wie immer stark vertreten waren die Parlamentarischen Staatssekretäre: Gabriele Lösekrug-Möller (Bundesministerium für Arbeit und Soziales), Annette Widmann-Mauz (Gesundheit), Caren Marks (Familie), Christian Lange (Justiz), Michael Meister (Finanzen), Thomas Rachel (Bildung), Maria Flachsbarth (Landwirtschaft) und Markus Grübel (Verteidigung).

Die umfangreiche Gästeliste zeige, so Ulla Schmidt, „dass das, was wir machen, nicht nur eine Frage der Sozialpolitik ist, sondern eine gesellschaftspolitische Aufgabe. Das zeigt auch, wie breit Lebenshilfe in der Bundespolitik aufgestellt ist“.

Um eine ganz konkrete Frage ging es dann in der Talkrunde: „Was brauchen Menschen mit geistiger Behinderung, um im Alter gut leben zu können? Anton Gramlich, Senior mit Behinderung aus der Lebenshilfe Karlsruhe, schilderte, wie er sich in Kursen und durch individuelle Beratung auf den Ruhestand vorbereiten konnte. „Wir haben uns unterhalten, was ich dann machen kann, außer Musik hören oder spazieren gehen, zum Beispiel Sport. Ich habe mich fürs Kegeln entschieden.“ Monika Lennermann-Knobloch, Leiterin Altenarbeit der Hagsfelder Werkstätten und Wohngemeinschaften der Lebenshilfe Karlsruhe und Buchautorin des Lebenshilfe-Verlags („Ich will ein Rentner sein“) beschrieb ihre Erfahrungen: „Wichtig ist, dass Menschen sich mit der neuen Lebensphase rechtzeitig auseinandersetzen. Wir wollen dabei individuell begleiten, herausfinden, was wünscht sich jemand und welche Unterstützung braucht er dafür.“

Jürgen Borchert, Vater einer erwachsenen Tochter und Bundeselternrat, betonte, dass es noch an vielen Orten an solch‘ guten Angeboten mangele. Auch Möglichkeiten zum Weiterarbeiten nach dem Ruhestand, das Recht auf finanzielle Vorsorge und die Sorge vor dem Abschieben in die Pflege diskutierte die Runde. Hier gelte es, dass Politik und Verbände wie die Lebenshilfe weiter auf eine gute Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes einwirkten – insbesondere an der Schnittstelle von Eingliederungshilfe und Pflege.

Die Forderungen der Lebenshilfe an die Politik sind auf insgesamt 11 Info-Zetteln (pdf - 837.4 KB) (auch in Leichter Sprache) zusammengefasst.

Bilder vom Parlamentarischen Abend 2017

von Bernd Lammel

 
 
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Organisation

Bundesvereinigung Lebenshilfe
 

Autor

Kerstin Heidecke
 

Quelle

Lebenshilfe-Zeitung 1/2017
 

Veröffentlichung

22.03.2017, 15:01 Uhr
 
 
 

11 Info-Zettel

Zu ihrem Parlamentarischen Abend 2017 hat die Bundesvereinigung Lebenshilfe Info-Zettel (pdf - 837.4 KB) mit ihren aktuellen sozialpolitischen Forderungen erstellt.

 
 

In Leichter Sprache

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Info-Zettel 2017 (pdf - 2 MB) in leicht verständliche Sprache übersetzt.

Und lesen Sie hier einen Bericht über den Parlamentarischen Abend 2017 inLeichter Sprache.

 
 

Down-Syndrom und Demenz im Fernsehen

Die ZDF-Sendung "Volle Kanne" zeigte zum Welt-Down-Syndrom-Tag am 21. März einen Beitrag über Menschen mit Down-Syndrom und Demenz, die von der Lebenshilfe Heidenheim betreut werden.

 
 
 
 

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