Diskussion um inklusive Bildung im Mittelpunkt der Nachrichten

Mit dem Bericht „Bildung in Deutschland 2014“ legt eine unabhängige Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zum fünften Mal eine umfassende und empirisch fundierte Bestandsaufnahme des deutschen Bildungswesens vor.

Den Bericht finden Sie hier Bildungsbericht

Abgebildet wird das gesamte formale Bildungssystem: von der frühkindlichen Bildung über Schule, berufliche Ausbildung, Hochschule und Weiterbildung bis hin zum Lernen im Erwachsenenalter. In einem Schwerpunktkapitel wird die Situation von Menschen mit Behinderungen im Bildungssystem analysiert.

Die Datengrundlage des Bildungsberichts ist die amtliche Statistik. Hierin sind die Stärke und zugleich auch die Schwäche des Berichtes begründet. Die Zahlen zeigen ungeschminkt den aktuellen Stand der Inklusion in Deutschland. Sie belegen die Herausforderungen, denen das deutsche Bildungssystem gegenübersteht. Aber sie bieten keine Antworten auf die aktuellen Fragen die mit der Umsetzung der Inklusion verbunden sind. Zudem lassen einige Interpre-tationen der Autorengruppe auf eine Inklusionsverständnis schließen, dass dem der UN-Behindertenrechtskonvention nicht entspricht.

Mehr hierzu in unserer Pressemitteilung Bildungsbericht 2014

Zur Bildung von Menschen mit Behinderungen stellt die Autorengruppe fest, dass durch die UN-Behindertenrechtskonvention das deutsche Bildungssystem vor große Herausforderungen gestellt wurde und dass damit sich die Rollen, Aufgaben und Funktionen aller beteiligten Akteure verändern.

Schwierigkeiten bereiten die grundlegenden Unterschiede zwischen dem Bildungs- und dem Sozialsystem insbesondere die Feststellung einer Behinderung und die eingeleiteten Fördermaßnahmen. Die angewandten Diagnoseverfahren führen zu unterschiedlichen und miteinander kaum vergleichbaren Ergebnissen.

Bei rund 493.000 Schülerinnen und Schülern wurde in Deutschland ein sonderpädagogi¬scher Förderbedarf im Schulbereich festgestellt: Die Quote ist dabei, bedingt durch demografische Veränderungen, auf nunmehr 6,6% der Gesamtschülerschaft gestiegen; dabei schwankt sie im Ländervergleich erheblich, zwischen 4,9% und 10,5% Von allen Schulanfängerinnen und -anfängern werden 3,3% direkt in Förderschulen eingeschult.

Immer mehr Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderungen besuchen gemeinsam Kindertageseinrichtungen und Schulen; der Anteil nimmt aber mit zunehmendem Alter deutlich ab. Beträgt der Anteil im Vorschulbereich mehr als zwei Drittel, so sind es im Grundschulbereich rund 44% im Sekundarbereich I nur noch ungefähr 23%. Dabei gibt es erhebliche regionale Unterschiede.

Das pädagogische Personal, das in Kindertageseinrichtungen im Rahmen der Förderung von Kindern mit einer einrichtungsgebundenen Eingliederungshilfe eingesetzt wird, ist deutlich einschlägiger qualifiziert als das Personal in anderen Arbeitsbereichen Im Schulbereich verfügt beim pädagogischen Personal an Förderschulen ein Drittel nicht über einen entsprechenden sonderpädagogischen Lehramtsabschluss. Ressourcen stehen gegenwärtig aus unterschiedlichen Bereichen zur Verfügung, es fehlt ein abgestimmtes Konzept ihrer Nutzung. Bei Betrachtung der Schülerinnen und Schüler mit geistiger Behinderung fallen insbesondere folgende Aussagen in dem Bericht auf:

  • von den ca. 493.000 Schülerinnen und Schülern mit einem festgestellten    sonderpädagogischem Förderbedarf sind dem Bereich „geistige Entwicklung“ 79.000 Schülerinnen und Schüler d.h. 16 % zugeordnet.


  • für ca. 35.000 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 7 und 18 Jahren mit einer geistigen oder körperlichen Behinderung wurden Integrationshelferinnen und -helfer bewilligt.


  •  In den letzten Jahren sind in fast allen Ländern mehr Schülerinnen und Schüler in Förderschulen für geistige Entwicklung eingeschult worden.


Die „integrative“ Beschulung im Schwerpunkt geistige Behinderung hat mit 7 % der Schülerinnen und Schüler mit einem entsprechenden Förderbedarf praktisch keine Bedeutung.

Organisation

Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V.
 

Autor

Rainer Dillenberg
 

Quelle

Bundesvereinigung Lebenshile e.V.
 

Veröffentlichung

26.06.2014, 08:51 Uhr
 
 
 
 
 

Bundesvereinigung Lebenshilfe e. V. - 35043 Marburg, Raiffeisenstr. 18, E-Mail: Bundesvereinigung@Lebenshilfe.de