Kind mit Down-Syndrom wächst in der 'Lindenstraße' auf

Jan Grünig feiert am 27. Juni sein 10-jähriges TV-Jubiläum in der beliebten ARD-Fernsehserie – die Lebenshilfe gratuliert

Jan Grünig mit seinen Filmeltern. Foto: Lindenstraße
Ausgelassenheit und Fröhlichkeit sind wie weg geblasen. Er weiß genau, dass er sich konzentrieren muss. Denn: Jetzt wird gedreht. Ein Schauspieler mit langjähriger Erfahrung weiß das. Auch einer mit Down-Syndrom. Jan Grünig aus Köln hat diese Erfahrung. Er spielt in der Lindenstraße den Martin, genannt „Mürfel“, den jüngsten Sohn von Anna Ziegler und Hans Beimer. Am 27. Juni feiert Jan Grünig sein 10-jähriges TV-Jubiläum in der beliebten ARD-Fernsehserie. Eine lange und wichtige Zeit für ihn, seine Familie und das gesamte Lindenstraßen-Team.

Als wenige Monate altes Baby hatte Jan seinen ersten Auftritt in der 708. Lindenstraßen-Folge. Joachim Hermann Luger, seit 24 Jahren der Vater Beimer in der Lindenstraße, hat sich gemeinsam mit seiner Serienpartnerin Irene Fischer alias Anna Ziegler schnell auf die neue Arbeitsweise mit einem behinderten Kind eingestellt: „Wir mussten uns auf Jan einlassen, nicht umgekehrt. Die ersten Tage waren aufregend und spannend zugleich. Es war kein Spiel mehr, sondern wirkliches Leben mit einem Kind mit Down-Syndrom“, so Joachim Hermann Luger.

Alles war neu für das Team und Jan Grünig: So war Jan alias Martin während einer Szene plötzlich aus dem Bild verschwunden, weil er lieber etwas anderes machen wollte. Oder er brabbelte einfach weiter, als der Dreh längst begonnen hatte. Das ist vorbei. Mittlerweile hat sich der Zehnjährige darauf eingestellt, und er weiß genau, wenn Mama und Papa ihn zur Lindenstraße bringen, wird gedreht. Das weiß auch Vater Grünig zu schätzen: „Jan kann sich gut benehmen, wenn er hier ist. Er wirkt erwachsen und hält Regeln ein. Wir sind sehr stolz auf seine Entwicklung.“
Jan mit seinen leiblichen Eltern, Foto: Verena Weiße
Ein Anruf veränderte das Leben der Grünigs. Vor etwas mehr als zehn Jahren wurde Mutter Grünig von einer Bekannten angesprochen, dass die Lindenstraße einen Jungen mit Down-Syndrom sucht. Kurz entschlossen rief die junge Mutter bei der Lindenstraße an, eine halbe Stunde später  wurden sie zum Casting eingeladen: „Ich konnte es kaum glauben, wie schnell das ging. Als mein Mann und ich Jan zum ersten Mal im Fernsehen gesehen haben, waren wir sehr stolz. Seine Rolle bei der Lindenstraße hat mir persönlich auch viel gegeben. So konnte ich besser mit der Situation fertig werden, ein Kind mit Down-Syndrom zu haben“, sagt Heike Grünig.

Mittlerweile ist es normal für die Grünigs, dass ihr Sohn im Fernsehen ist. Jan weiß, was er zu tun hat. Er hat seinen festen Platz in der Lindenstraßen-Kindergruppe und in seiner Filmfamilie. „Jan hat zwei Familien und kann das gut unterscheiden“, sagt Vater Frank Grünig, der sich mittlerweile bestens in der Außenkulisse und in der Wohnung der Beimers auf dem Filmgelände in Köln-Bocklemünd auskennt.

Normalität ist auch in der Lindenstraße eingekehrt. Die Serie hat mit dieser Filmrolle von Beginn an versucht, die Schwellenangst vor behinderten Menschen abzubauen und zu zeigen, wie liebenswert auch behinderte Kinder sind. Für diese Einstellung hat die Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung das Team um Produzent Hans W. Geißendörfer 2001 mit ihrem Medienpreis „Bobby“ ausgezeichnet.
Zu Besuch bei TV-Mama im Gefängnis. Foto: Lindenstraße
Zum 10-jährigen TV-Jubiläum von Jan gratuliert Bundesvorsitzender Robert Antretter im Namen der ganzen Lebenshilfe: „Es ist toll, dass er seit einem Jahrzehnt einen festen Platz in der Lindenstraße hat. Er hat in dieser Zeit Menschen mit Behinderung Anerkennung bei einem Millionenpublikum verschafft und macht ihnen und ihren Familien Mut, ihre besondere Lebenssituation anzunehmen.“

Nach der Verleihung des Preises flatterten zahlreiche Zuschriften in den Briefkasten der Lindenstraße: „Wir hatten neben Autogrammanfragen auch viele positive Reaktionen der Zuschauer, die es richtig finden, dass sich die Lindenstraße diesem Thema widmet und dass es gut ins Gesamtkonzept der Sendung passt“, berichtet Ilonka von Wisotzky von der Pressestelle der Lindenstraße.

Joachim Hermann Luger, der seit Jahren das Down-Syndrom-Sportfest in Frankfurt am Main moderiert, geht beim Thema Normalität einen Schritt weiter: „Es ist ein langwieriger Lernprozess, Schwellenängste gegenüber Menschen mit Behinderung abzubauen, aber es hat sich in der Gesellschaft in den vergangenen Jahren einiges im Umgang mit behinderten Menschen getan. Normalität ist erlernbar mit behinderten Menschen.“

Weil die TV-Mutter zurzeit hinter Gittern sitzt, wird Jan Grünig das nächste Mal erst am 4. Oktober in Folge 1244 auf dem Bildschirm zu sehen sein. Dann besucht die ganze Fernseh-Familie ihre Anna im Gefängnis.

4448 Zeichen – Abdruck honorarfrei – Belegexemplar erbeten

Mehr zu Jan Grünig auf den Webseiten der Lindenstraße

Szenen-Fotos von Jan Grünig können Sie direkt bei Mara Lukaschek von der Lindenstraßen-Redaktion anfordern.

E-Mail: mara.lukaschek@lindenstrasse.de  Telefon: 0221/220 54 38
Jan mit seinen leiblichen Eltern. Foto: Verena Weiße
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Organisation

Bundesvereinigung Lebenshilfe
 

Autor

Verena Weiße
 

Veröffentlichung

17.06.2009, 17:34 Uhr
 
 
 

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