"Was ist Teilhabe?" Eine Veranstaltung zur Profilierung von Teilhabeleistungen in Abgrenzung zur Pflege

Die Veranstaltung ist leider ausgebucht!

Kurzbeschreibung
Die Veranstaltung verfolgt das Ziel, die Profilierung von Teilhabeleistungen in Abgrenzung zur Pflege zu unterstützen. Geboten wird ein Forum zum Austausch und fachlichen Diskurs. Konkret beraten werden soll, wie Teilhabeleistungen zukünftig stärker profiliert und in Abgrenzung von sowie in Kombination mit Leistungen der Pflegeversicherung erbracht werden können, u.a. damit auch in Kostenverhandlungen Leistungen der Eingliederungshilfe nicht mit Verweis auf Pflegeleistungen in Frage gestellt werden.



Ausführliche Veranstaltungsbeschreibung
In den letzten Jahren ist es der Behindertenpädagogik als der zentralen wissenschaftlichen Grundlegung der Behindertenhilfe unzureichend gelungen, sich auf politische, paradigmatische und praktische Veränderungen einzustellen, um Orientierung für die Zusammenarbeit mit erwachsenen Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung an der Schnittstelle zur Pflege zu bieten.

Die Behindertenpädagogik hat vor allem Kinder und Jugendliche im Fokus sowie die Institution Schule. Zur theoretischen Grundlegung der qualifizierten Begleitung Erwachsener mit kognitiver Beeinträchtigung vor dem Hintergrund von ICF, UN-BRK und den Leitbildern Inklusion und Sozialraumorientierung bedarf es einer Teilhabe-Wissenschaft. Dies kommt auch in der Gründung des „Aktionsbündnis Teilhabeforschung“ im Jahr 2015 zum Ausdruck. Besonders offenbar wird das Theoriedefizit an der Schnittstelle zur Pflege insbesondere im Vergleich zur Pflegewissenschaft. Dieser ist es in den letzten zwei Jahrzehnten vergleichsweise gut gelungen, sich fachlich und praktisch zu positionieren.

Erkennbar ist, dass Pflegeleistungen und Leistungen der Eingliederungshilfe grundsätzlich nebeneinander stattfinden, im stationären Wohnen allerdings die Pflegeleistungen durch den Erbringer der Teilhabeleistungen mit umfasst werden. Diese umfassende Leistung wird es künftig auch im ambulanten Setting geben. Umso mehr wächst zum Teil der Legitimationsdruck gegenüber Leistungsträgern zu erläutern, worin der pflegerische und worin der teilhabebezogene Anteil einer Leistung liegt.

Auch der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff schafft hier neue Verunsicherung, da nicht mehr nur Unterstützungsleistungen für Menschen mit Beeinträchtigungen bei Körperpflege, Mobilität, Ernährung und Haushaltsführung, sondern auch aktivierende Unterstützungsformen in Bezug auf Kommunikation und Kognition, Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte, auf problematisches Verhalten und zum Umgang mit Belastungen hier mit erhoben werden.

Die Pflege erwächst damit nicht zur Teilhabeleistung, aber diese Entwicklung macht eine Klärung erforderlich, was die Eingliederungshilfe als Unterstützung von Teilhabe bedeutet und umfasst. Mit dem neunen Bundesteilhabegesetz wird es in Zukunft von fundamentaler Bedeutung sein, überzeugend fachlich darstellen zu können, was konkret Teilhabeleistungen der Begleitung behinderter Menschen ausmacht, und wie diese sich von den Leistungen der Pflegeversicherung unterscheiden – und zugleich möglichst optimal mit ihnen kombiniert werden können.

Die anspruchsvolle Arbeit der Alltagsbegleitung von Menschen mit Beeinträchtigungen im Sinne von Teilhabe-Management muss auch als Grundlage von Kostenverhandlungen transparent gemacht und nachgewiesen werden, damit Leistungen der Eingliederungshilfe bezogen werden können.



Das Programm

21. September 2017

11.00 Uhr: Begrüßung und Einführung in das Thema
Dr. Edna Rasch: Verhältnis von Pflege und Eingliederungshilfe aus rechtlicher Sicht
Clemens Russell: Schnittstellenprobleme Pflege/Eingliederungshilfe – Problemanzeige aus der Sicht eines LH-Beraters für Kostenverhandlungen
Bernd Frauendorf: Teilhabe aus der Sicht eines Selbstvertreters

Diskussion

13.00 Uhr: Mittagspause

14.00 Uhr
Prof. Dr. Theo Klauß: Pflege und Eingliederungshilfe – Macht der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff Teilhabeleistungen überflüssig und was umfasst das Recht auf Teilhabe?
Dr. Christian Weingärtner: Basale Selbstbestimmung und hoher Unterstützungsbedarf: Herausforderungen für Teilhabe

16.00 Uhr: Workshopphase I

  • Julia Hennig: Recht auf Teilhabe beim Wohnen im weiten Sinne (Index für Inklusion …)
  • Dr. Christian Weingärtner: Basale Selbstbestimmung und hoher Unterstützungsbedarf: Herausforderungen für Teilhabe
  • Prof. Dr. Theo Klauß: Pflege und Pädagogik/Andragogik im Spannungsverhältnis
  • Dr. Monika Seifert: Lebensqualität für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf

17.30 Uhr: Diskussion der Marburger Erklärung

18.30 Uhr: Gemeinsames Abendessen


22. September 2017

09.00 Uhr
Wolfgang Kopyczinski: Ermöglichung selbstbestimmten Teilhabe von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung durch Assistenz - fachliche und menschenrechtliche Grundlagen
Ulrich Niehoff: Der Index für Inklusion zum Wohnen in der Gemeinde als
Anleitung zur Teilhabe einer diversen Zielgruppe


11.00 Uhr: Workshopphase II

  • Julia Hennig: Recht auf Teilhabe beim Wohnen im weiten Sinne (Index für Inklusion …) – Fortsetzung der WS-Phase I
  • Dr. Christian Weingärtner: Basale Selbstbestimmung und hoher Unterstützungsbedarf: Herausforderungen für Teilhabe – Fortsetzung der WS-Phase I
  • Ulrich Niehoff: Instrumente zur Teilhabe/Partizipation, u.a. Ideen- und Beschwerdemanagement, Bewohnerbefragungen, Persönliche Zukunftsplanungen
  • Prof. Dr. Theo Klauß: Diskussion und Fertigstellung der „Marburger Erklärung“

13.00 Uhr: Mittagspause

14.00 Uhr: Fazit aus den Workshops, Verabschiedung der Marburger Erklärung

15.00 Uhr: Ende der Veranstaltung

Die Veranstaltung findet in Schwerer Sprache statt und richtet sich an Führungs- und Fachkräfte der Sozialen Arbeit sowie an alle Interessierte aus Verbänden, dem Ehrenamt, Wissenschaft und Politik.

 

Veranstaltungsdaten

Veranstaltungsart

Workshop
 

Institut

Institut inForm
 

Starttermin

21.09.2017, 11:00 Uhr
 

Endtermin

22.09.2017, 15:00 Uhr
 

Kurszeiten

Tag 1:  11:00 - 18:30 Uhr
Tag 2:  09:00 - 15:00 Uhr

Veranstaltungsort

Marburg, Technologie und Tagungszentrum, Software-Center 3, 35037 Marburg
 

Bundesland

Hessen
 

Teilnahmebeitrag

275 €
inklusive Tagungsverpflegung
 

Veranstaltungsnummer

170639
 
 
 
 
 
 

Bundesvereinigung Lebenshilfe e. V. - 35043 Marburg, Raiffeisenstr. 18, E-Mail: Bundesvereinigung@Lebenshilfe.de