Führungskräftetreffen Arbeitsleben spezial

Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) müssen sich verändern. Denn auch für Menschen mit Behinderung soll der Arbeitsmarkt offen sein. Das spiegelt sich auch in den Diskussionen um ein Bundesteilhabegesetz wider.

Beim diesjährigen Führungskräftetreffen der Bundesvereinigung Lebenshilfe im September diskutierten etwa 190 Werkstattverantwortliche über die sich durch ein Bundesteilhabegesetz ergebenen Veränderungen im Bereich „Teilhabe am Arbeitsleben“. Mit Dr. Rolf Schmachtenberg, Abteilungsleiter des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS), stand den Teilnehmern einer der „Architekten“ des zukünftigen Bundesteilhabegesetzes Rede und Antwort.

Durch sogenannte „andere Anbieter“ sollen Alternativen für Werkstattbeschäftigte außerhalb der Institution Werkstatt geschaffen werden. Dabei sollen das arbeitnehmerähnliche Rechtsverhältnis sowie die Regelungen der Erwerbsminderungsrente für Werkstattbeschäftigte (Bezugsgröße von 80 Prozent) analog zur WfbM ausgestaltet werden. Andere Anbieter sollen dabei jedoch keiner Aufnahme- und Versorgungsverpflichtung unterliegen. Inwieweit sich die anderen Anbieter von Werkstätten unterscheiden und welche Qualitätsanforderungen an sie gestellt werden, ist derzeit noch unklar. Insgesamt bleibt zu hinterfragen, ob andere Anbieter tatsächlich als Werkstatt-Alternative wahrgenommen werden und somit das Wunsch- und Wahlrecht von Menschen mit Behinderung stärken. Oder ob sich diese schlichtweg zur kostengünstigen Alternative zur Werkstatt entwickeln.

Klarer scheint hingegen die Stoßrichtung des „Budget für Arbeit“ zu sein. Mit diesem Instrument soll insgesamt die Zahl der Übergänge von Werkstattbeschäftigten in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis vergrößert werden. Anreiz hierzu bieten ein dauerhafter Lohnkostenzuschuss sowie eine Begleitung der Budgetnehmer. Eine Rentenaufstockung und somit eine sozialversicherungsrechtliche Gleichstellung zu Werkstattbeschäftigten ist derzeit nicht geplant. Zu befürchten ist, dass sich insgesamt nur wenige Personen für einen Übertritt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt entscheiden, wenn die Rentenregelung so bleibt. Dennoch bietet das Budget für Arbeit jedoch sicherlich für einige Personen die Möglichkeit, ihren Wunscharbeitsplatz zu finden.

Mit dem Slogan „Inklusion ist ohne Werkstätten nicht denkbar. Wir haben eine besondere Verantwortung“ sprachen sich die Teilnehmer der Tagung für die Weiterentwicklung ihrer Angebote aus. Werkstattträger dürften sich neuen Instrumenten und Entwicklungen nicht verschließen. Nachdrücklich wurde die Öffnung der Teilhabeangebote auch für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf gefordert.

„Inklusion ist ohne Werkstätten nicht denkbar“ – eine mutige Aussage, stehen doch Inklusion und Werkstatt zunächst im Widerspruch zueinander. Andererseits haben sich Werkstätten und ihre Träger in den letzten Jahren zunehmend geöffnet. Ausgelagerte Arbeitsplätze und Integrationsbetriebe entstanden und eine Professionalisierung der beruflichen Förderung hielt Einzug in die Werkstätten.

Ihre langjährigen Erfahrungen in der Förderung und Begleitung von Menschen mit Behinderung im Arbeitsleben gilt es auch weiterhin zu nutzen und auszubauen. Nur durch qualitativ hochwertige Angebote in der beruflichen Förderung von Menschen mit Behinderung – auch durch die Begleitung in Richtung allgemeiner Arbeitsmarkt – können Werkstätten in einer inklusionsorientierten Zeit ihre Daseinsberechtigung erhalten. Mutig voran gehen und Veränderung in Organisationen umsetzen, wird in Zukunft stark gefragt sein.

Das nächste Führungskräftetreffen wird wie geplant im Jahr 2017 stattfinden.

Organisation

Bundesvereinigung Lebenshilfe
 

Autor

Andrea Hennig
 

Quelle

Lebenshilfe-Zeitung 4 / 2015
 

Veröffentlichung

16.12.2015, 15:21 Uhr
 
 
 
 
 

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