Sexualität: Die schönste Nebensache der Welt!

Der Film „Die Menschenliebe“ zeigt das Bedürfnis von Menschen mit Behinderung nach Selbstbestimmung.

Foto: Sebastian Mez

Für die meisten Menschen ist Sexualität ein wichtiges Thema – auch wenn selten offen darüber gesprochen wird. Gesamtgesellschaftlich ist das Thema Sexualität schon längst aus der Tabuzone ins Bewusstsein gerückt. Gleichzeitig wird Menschen mit Behinderung jedoch nicht selten jegliche Sexualität abgesprochen. „Behinderte dürfen alles, außer Sex haben.“ so einer der Schauspieler des Films „Die Menschenliebe“, der während der diesjährigen Berlinale im Februar gezeigt wurde. Häufig sind es die Betroffenen selbst, die ihr Recht auf Sexualität einfordern.

Der Film „Die Menschenliebe“ feierte am 28. Oktober 2014 Premiere und wurde mit dem FIRST STEPS Award in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ ausgezeichnet. Auch bei der Berlinale – dort war der Film in der Kategorie „Perspektive Deutsches Kino“ zu Gast – konnte Maximilian Haslberger mit seinem Film das Publikum überzeugen. Dies zeigte sich vor allem an der angeregten Diskussion zwischen Publikum, Regisseur und den zwei Hauptdarstellern im Anschluss der Vorführung.

Der Film besteht aus zwei Kapiteln und begleitet zwei Protagonisten. Da ist zum einen Jochen, der in einer Werkstatt für behinderte Menschen arbeitet und allein lebt. Seine selbstständige Lebensführung wird je-doch durch die Bevormundung der Schwester massiv eingeschränkt. Die Verliebtheit in eine Prostituierte und der Besitz von Pornoheften werden als Anomalie verurteilt und seine Sexualität negiert. Sven dagegen ist körperlich stark eingeschränkt und sitzt im Rollstuhl. Aber er kann seine Bedürfnisse klar formulieren. Die Kamera begleitet Sven auf der Suche nach seiner sexuellen Orientierung, die er mit männlichen und weiblichen Prostituierten auslebt. Gleichzeitig wird klar, dass Sexualität für Sven nur dann möglich ist, wenn er dafür bezahlt.

„Die Menschenliebe“ zeigt eindrucksvoll, dass mit einer großen Offenheit zum Thema Berührungsängste verschwinden – schließlich sind Sexualität und Liebe ganz natürliche Grundbedürfnisse aller Menschen. Kategorisierungen in „behindert“ und „normal“ sind hier nicht vorhanden.

Menschen mit Behinderung sollen so selbstbestimmt wie möglich über die Gestaltung ihres eigenen Lebens entscheiden. Dies versteht sich auch für die Wahl der Partnerin oder des Partners, für Verhütung, Sexualität und Kinderwunsch. Falls nötig, sollen Menschen mit Behinderung die dafür notwendige Unterstützung, Begleitung und Förderung erhalten – so Artikel 23 der UN-Behindertenrechtskonvention. Auch das gehört zu einer inklusiven Gesellschaft.

Organisation

Bundesvereinigung Lebenshilfe e. V.
 

Autor

Andrea Hennig
 

Quelle

Lebenshilfe-Zeitung 1/2015
 

Veröffentlichung

30.04.2015, 13:04 Uhr
 
 
 
 
 

Bundesvereinigung Lebenshilfe e. V. - 35043 Marburg, Raiffeisenstr. 18, E-Mail: Bundesvereinigung@Lebenshilfe.de

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