Kampagne kennt keine Grenzen

Bühler Lebenshilfe-Aktion "Wir sind eins" wirbt weltweit für Inklusion

Bergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner brachte die Fahne auf den Mount Everest. Foto: Lebenshilfe Baden-Baden/Bühl/Achern

In der Ausgabe vom 17. Juni 2010 berichtete der „Stern“ über eine der weltbesten Bergsteigerinnen, über Gerlinde Kaltenbrunner, die am Pfingstmontag den Gipfel des Mount Everest erreichte. Die Zeitschrift widmete ihr deshalb einen mehrseitigen Bericht mit vielen Bildern. Ein Foto zeigt sie neben einem Berg von Gebetsfahnen, in der Hand hält sie ein selbst mitgebrachtes Banner, auf dem gerade noch das Wort „Bühl“ zu lesen ist. Später wird Gerlinde Kaltenbrunner dieses Banner auf dem höchsten Berg der Welt ausbreiten: „Wir sind eins“ prangt da in großen Buchstaben. Niemals zuvor wurde diese Botschaft mit mehr Symbolgehalt vermittelt als in diesem Moment auf dem Dach der Welt.

„Wir sind eins“ ist eine Aktion der Lebenshilfe in der Region Baden-Baden/Bühl/Achern, die vor drei Jahren gestartet wurde. Geschäftsführer Harald Unser: „Wir haben uns vor einigen Jahren viele Gedanken darüber gemacht, wie wir die Themen Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe noch mehr bekannt machen können. Und zwar nicht nur in Form einer Konzeption, eines Programms oder Willenserklärung, sondern durch eine eigene Kampagne, die in unserer Region Werbung für ein selbstverständliches Miteinander von behinderten und nicht behinderten Menschen macht. Wir sehen unsere Lebenshilfe als Botschafter und wissen, wenn wir Menschen mit Behinderungen und deren Familien stärken, stärken wir auch unsere Gesellschaft.“

Als Startpunkt wurde das Bühler Zwetschgenfest 2007 ausgewählt, ein über die Region hinaus bekanntes und beliebtes Volksfest. Mit einem zweitägigen Festival, damals noch unter dem Titel „Unsere Gesellschaft für alle“, wurde die Idee ins Leben gerufen. Die Lebenshilfe beschritt dabei einen Weg, der aus heutiger Sicht den Grundstein für den Erfolg legte: Das Team um Harald Unser begann ein Netzwerk aufzubauen, das die Aktion nachhaltig unterstützt und auch stetig wachsen lässt. „Wir wollen eine menschlich wertvolle und wirtschaftlich gesunde Arbeit leisten. Das können wir als Lebenshilfe nicht alleine bewältigen. Wir brauchen dafür Fürsprecher, Botschafter, Paten, Brückenbauer und Kooperationspartner“, erklärt der Lebenshilfe-Chef.
Von Beginn an wusste die Lebenshilfe die Stadt Bühl und deren Musikschule an ihrer Seite, und als prominenter Fürsprecher wurde Guildo Horn zum Festival eingeladen. Der engagierte Musiker, Moderator und Medienpreisträger des Lebenshilfe-BOBBY hatte zuvor einige Tage im Wohnheim der Lebenshilfe verbracht.

Von diesem Festival an ist die Aktion durchgestartet, mittlerweile unter dem griffigeren Motto „Wir sind eins“. Heute gibt es rund um Bühl die unterschiedlichsten Kooperationen mit Schulen, Vereinen, Unternehmen, mit Angehörigen und Angestellten – eben eine richtige „Wir sind eins“-Familie, die zusammen hilft, sich gegenseitig respektiert, toleriert und in der niemand am Rande steht.

Affentaler Winzer und Bundesliga-Volleyballer

Zusammen mit der Affentaler Winzergenossenschaft wird von den Schülern der Lebenshilfe ein eigener Cuvee – „Wir sind eins“-Wein angebaut, mit der Musikschule und regionalen Regelschulen werden Musicals und Konzerte aufgeführt, der Hausfrauenbund bietet Kochkurse für be-
hinderte Menschen an und die Bundesliga-Volleyballer des TV Bühl machten Trikotwerbung für die „Wir sind eins“-Philosophie.

Das Bühler Unternehmen Glaxo-SmithKline arbeitet wie weitere Firmen eng mit der Lebenshife unter dem „Wir sind eins“-Motto zusammen. Regionale Politiker und Vertreter aus der Wirtschaft werden zu „Wir sind eins“-Projekten eingeladen. Im Juli etwa starteten 90 Läufer mit viel Prominenz zum „Wir sind eins“-Solidaritätslauf auf den höchs-ten Berg im Nordschwarzwald, auf die Hornisgrinde, und jedes Jahr gibt es eine selbstverständliche Kooperation mit der Gemeinde und den Vereinen in Ottersweier, an der die Lebenshilfe-Schule beheimatet ist. Dort findet der gemeinsame Nikolausmarkt statt.
Alle Gäste in den verschiedenen Lebenshilfe-Einrichtungen werden mit „Wir sind eins“-Tassen bewirtet, und Autos mit einem gleichlautenden Aufkleber werden immer öfter im Straßenverkehr gesichtet.

Logo auf 13 Meter langem Lastwagen

Ein weiteres Projekt steht kurz vor der Vollendung. Eine Spedition aus der Region hat sich bereit erklärt, einen neuen, 13 Meter langen Lastwagen mit dem „Wir-sind-eins“-Logo zu bedrucken und die Botschaft damit über die Straßen Europas zu transportieren.

Wir sind eins, kennt man in Thailand wie in Berlin. Fotos: Lebenshilfe Baden-Baden/Bühl/Achern
Wir sind eins, kennt man in Thailand wie in Berlin. Fotos: Lebenshilfe Baden-Baden/Bühl/Achern

„Wir sind mit unserer Aktion intensiv in das öffentliche Bewusstsein unserer Region gerückt“, resümiert Harald Unser, „sie hat ihre Spuren in der Region hinterlassen. Inzwischen erhalten wir aber auch ‚Wir sind eins’-Bilder aus der ganzen Welt. Darunter welche aus Thailand, Nepal, Kanada, Sibirien, China, Neuseeland, Dubai und vom Nordkap. Das alles bestärkt uns in unserem täglichen Bemühen, die Themen Inklusion, Solidarität und Menschlichkeit noch stärker in den öffentlichen Focus zu stellen.“ Gerlinde Kaltenbrunner übrigens ist neben ihrem Ehemann und Bergsteiger-Kollegen Ralf Dujmovits „Wir-sind-eins“-Pate, ebenso wie Sportgewehr-Vize-Olympiasieger Christian Lusch und die siebenfache Karate-Weltmeisterin Britt Weigand.

Martina Fuß

Organisation

Bundesvereinigung Lebenshilfe
 

Autor

Martina Fuß
 

Quelle

Lebenshilfe-Zeitung 4/2010
 

Veröffentlichung

22.12.2010, 12:14 Uhr
 
 


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