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Freie Zeit

YouTuber mit Behinderung

Seine berühmteste Interviewpartnerin fand Lukas Krämer im Schlaf. Als er mit seinem Assistenten bei einem Vortrag der Grünen-Politikerin Corinna Rüffer in Berlin war, packte ihn die Müdigkeit. Er schnarchte so laut, dass sie lachen musste. „Ich auch, als ich es gemerkt habe. Ich hatte damals noch Schlafapnoe“, sagt Krämer und grinst. Corinna Rüffer war danach sofort bereit, sich von ihm interviewen zu lassen.

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„Sie ist echt nett und hat viele gute Ideen für Menschen mit Behinderung“, sagt Krämer. Das Interview führte er später über Facebook. Denn Lukas Krämer ist Social-Media-Profi: Seit zwei Jahren hat er einen eigenen YouTube-Kanal. Die Videos bearbeitet er an seinem Schreibtisch, die dafür nötige Technik hat er sich selbst finanziert. Unter dem Namen SakulTalks berichtet er über Menschen mit Behinderung. Er will ihnen Mut machen und gleichzeitig Vorurteile abbauen. Dazu führt er mehrmals wöchentlich Interviews, zum Beispiel mit Betroffenen oder ihren Betreuern. Dabei geht´s um Fragen wie: Was ist eigentlich Autismus? Und wie gehe ich mit jemandem um, der das Tourette-Syndrom hat? Die Themen denkt er sich selbst aus oder bekommt Vorschläge von seinen Zuschauern.

Er arbeitet wie ein Journalist

Er arbeitet wie ein Journalist – dabei kann Lukas Krämer weder lesen noch schreiben. Er war auf einer Förderschule und verließ sie ohne Abschluss. „Ich filme alles – und E-Mails schreibe ich mit dem Google-Übersetzer. Der liest mir vor und ich kann ihm alles diktieren“, erklärt er. Als Kind erkrankte der heute 24-Jährige an einer Hirnhautentzündung. Seitdem sind seine Nervenbahnen geschädigt, er hat einen Sprachfehler und arbeitet in einer Werkstatt für behinderte Menschen in Rheinland-Pfalz. „Für mich ist es schwer, etwas anderes zu finden“, sagt Lukas. Trotzdem träumt er von einer Karriere als Mediendesigner oder im Filmbereich. Nach Feierabend wird dieser Traum jeden Tag ein bisschen wahr: „Ich will allen zeigen, dass auch Menschen mit Behinderung etwas auf YouTube erreichen können.“

Der Erfolg auf YouTube gibt Lukas Selbstbewusstsein

Und Lukas Krämer hat etwas erreicht. Über 2400 Menschen haben seinen Kanal abonniert, seine Videos wurden insgesamt rund 500.000-mal aufgerufen. „Das gibt mir Selbstbewusstsein. Und das will ich anderen Menschen weitergeben.“ Nicht immer war Lukas so selbstsicher. Als Kind wurde er wegen seiner Behinderung von Gleichaltrigen gehänselt und auch verprügelt. Der Wendepunkt kam mit 15 – ein Regisseur wurde damals auf ihn aufmerksam und engagierte ihn für den Film „London liegt am Nordpol“. Lukas durfte sich selbst spielen. „Der Film lief dann sogar in Trier im Cinemaxx“, erinnert er sich. Die Anerkennung für seine Arbeit half ihm, seine Behinderung zu akzeptieren. Und mit der Arbeit vor und hinter der Kamera in anderer Form weiterzumachen. „Ich weiß jetzt, was ich kann“, sagt Lukas. Und jeder, der seine Filme sieht, weiß das auch.

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