Frühförderung ist ein großes Glück für Enno

Eine Mutter berichtet über die Fortschritte ihres Sohnes

Enno hat sich gut entwickelt. Foto: privat
Mein Name ist Inga Borchardt, und mein Sohn Enno wurde im März 2003 unter sehr schwierigen Bedingungen in der Uniklinik Kiel geboren. Nicht zu früh, aber sehr krank. Wie wohl jeder in dieser Situation waren auch wir nicht darauf vorbereitet und mussten uns erst mal in unserem neuen Leben zurechtfinden.

Die ersten Wochen verbrachten wir im Krankenhaus. Schon dort wurden wir im Rahmen einer Sozialberatung über die Möglichkeit informiert, für unser Kind Frühförderung in Anspruch zu nehmen. Es wurde uns auch schon die Adresse und Telefonnummer der Frühförderstelle der Lebenshilfe Bad Bramstedt mit auf den Weg gegeben.

Als wir endlich nach Hause durften, versuchten wir erst mal etwas Normalität in unser Leben zu bringen. Es musste einiges verarbeitet werden. Mein Mann und ich begannen langsam zu verstehen und zu akzeptieren, was uns da so passiert war. Enno bekam von Anfang an Krankengymnastik nach Vojta, und es standen noch operative Eingriffe an.

Unser Motto war: Nur nicht den Mut verlieren!

Als Enno etwa neun Monate alt war, entschloss ich mich, die Frühförderstelle anzurufen. Ehrlich gesagt: etwas unsicher. Aber ich hatte die Stimme der netten Frau von der Sozialberatung noch im Ohr: „Da werden spielerisch die Sinne der Kinder angesprochen. Es kann ein Ausgleich zu anderen Therapien sein. Da kommt jemand zu ihrem Kind nach Hause. Lassen Sie sich auf ihrem Weg begleiten.“

Also gut, ich wählte die Nummer und erklärte unsere Situation. Ich plauderte heraus, was uns passiert war, und merkte sofort, die freundliche, aufmerksame Frau am anderen Ende verstand, wovon ich sprach.Wir machten einen Termin, um den Antrag auszufüllen und um uns kennen zu lernen. Ab Januar 2004 kam dann die Heilpädagogin Doris zu uns nach Hause. Sofort wurde alles etwas leichter.

Enno fasste schnell Vertrauen und nahm das vielfältige Angebot mit Interesse an. Ihm wurden teilweise sehr einfache Materialien des täglichen Lebens zum Spielen und Entdecken angeboten:zum Beispiel Metalldeckel, Schwämme, Knisterfolie, Korken. So konnte auch ich viel in den Alltag übernehmen.

Dinge und Situationen, die zunächst auf Abwehr stießen, zum Beispiel Schaukeln in der mitgebrachten Babyhängematte, wurden nach und nach überwunden. Es kehrte langsam so etwas wie normaler Alltag ein.
Wir nahmen auch an den Festen der Frühförderung teil. Hier tat es einfach gut, sich ganz normal in einem besonderem Kreis zu bewegen, ohne das Gefühl zu haben, alles was mit Ennos Krankheit zu tun hat, erklären zu müssen.

Enno entwickelte sich nach seinen Möglichkeiten sehr gut. Durch den stabilen Kreis, der sich um ihn gebildet hatte aus Ärzten, Krankengymnastik und Frühförderung konnten auch wir als Familie stark werden und Enno gut unterstützen.

Für mich als Mutter war der Austausch mit Doris ein großes Geschenk. Dadurch, dass Doris unseren Sohn jede Woche sah und seinen Weg im besten Sinne des Wortes begleitete, konnte auch ich mich etwas entspannen.

Als wir Ennos dritten Geburtstag feierten, wurde die Frage, welcher Kindergarten der richtige wäre, natürlich ganz aktuell. Ich hatte schon sehr rechtzeitig für Enno einen Platz im Regelkindergarten in unserem Dorf reserviert. Aber würde er dort auch zurechtkommen?!

Durch die Frühförderung wurden wir ausführlich über die Arbeit des Lebenshilfekindergartens Mullewapp in Bad Bramstedt informiert. Außerdem sprachen wir über die Möglichkeit, eine Einzelintegrationsmaßnahme in dem Kindergarten in Großenaspe in Anspruch zu nehmen.

Grundsätzlich haben wir immer versucht, Ennos Leben möglichst normal zu gestalten. So entschlossen wir uns dann auch, Enno noch etwas Zeit zu lassen. Wir planten den Eintritt in den Kindergarten in Großenaspe erst mit vier Jahren im Rahmen einer Einzelintegration. Als wir uns dazu entschieden hatten, war ich sehr erleichtert.

Zum einen, weil Enno seine Kindergartenzeit in seinem Dorf erleben kann. Zum anderen, weil ich eigentlich sicher war, dass er mit Hilfe und Unterstützung im Regelkindergarten zurechtkommen würde. Dass die Einzelintegration dann auch noch von Doris übernommen wurde, war natürlich die beste Voraussetzung.

Anfang September 2007 war es dann soweit, der Kindergarten ging los. Und:Der Plan ging auf! Nach einer relativ kurzen Eingewöhnungsphase war Enno mit Doris’ Hilfe in die Gruppe aufgenommen worden und ging gerne in den Kindergarten.

Dabei muss man aber auch betonen, dass Enno auf die Unterstützung der Frühförderung, der Erzieher und der Gruppe angewiesen ist. Er stößt schon schnell mal an seine Grenzen. Aber durch die Hilfe kann er diese Situationen für sich überwinden.

Nun ist das erste Kindergartenjahr schon zu Ende, und ich kann nur sagen, dass für uns bislang alles sehr gut verlaufen ist. Wir sind sehr dankbar für die kompetente, einfühlsame und freundliche Begleitung. Ohne diese Unterstützung hätten wir so manche Situation in den letzten Jahren sicher nicht so gut überstanden, und Enno hätte sich sicher nicht so gut entwickeln können.

Ich kann nur allen Familien in einer ähnlichen Situation raten, nehmt diese Hilfe in Anspruch.

Autor

Inga Borchardt
 

Quelle

Lebenshilfe-Zeitung 4/2008
 

Veröffentlichung

08.12.2008, 11:21 Uhr
 
 
 
 
 

© 2007 - 2013 Bundesvereinigung Lebenshilfe e. V. - 35043 Marburg, Raiffeisenstr. 18, E-Mail: Bundesvereinigung@Lebenshilfe.de