Frühe Hilfen gewinnen an Bedeutung

Frühe Hilfen
In den letzten Jahren haben die in den Medien verbreiteten Schicksale von kleinen Kindern, die durch Gewalt und massive Verwahrlosung in der Familie zu Tode gekommen sind, für viel politischen Zündstoff gesorgt. Das öffentliche Interesse am Kinderschutz ist gewachsen. Beim Bund, in den Ländern und in den Kommunen hat diese verstärkte Aufmerksamkeit zu vielfältigen Aktivitäten geführt. Vom Bundesfamilienministerium wurde im Jahr 2007 das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) ins Leben gerufen. Es wird in Trägerschaft der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und dem Deutschen Jugendinstitut (DJI) geführt und ist Bestandteil des Aktionsprogramms der Bundesregierung „Frühe Hilfen für Eltern und Kinder und soziale Frühwarnsysteme“.

Was ist hier eigentlich mit der Bezeichnung „Frühe Hilfen“ geschehen? Das fragten sich vielerorts verwirrt, manchmal auch verärgert, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Frühförderstellen der Lebenshilfe und anderer Träger. Steht der Begriff „Frühen Hilfen“ doch seit den 1970er Jahren für vielseitige Frühberatung- und Frühförderangebote für Familien mit behinderten und entwicklungsgefährdeten kleinen Kindern. Frühe Hilfen sind geradezu ein Markenzeichen der Lebenshilfe.

Eine neue Politik jedoch nahm den Begriff in Besitz und gab ihm eine andere Bedeutung. Hier konzentrieren sich die Frühe Hilfen auf kleine Kinder in besonderen Notlagen.

Nicht zuletzt durch die Fachtagung der Lebenshilfe und des NZFH in Kassel hat sich nun vieles zum Positiven verändert. Diese Veranstaltung war das Ergebnis einer Zusammenarbeit von Vertretern der neu ausgerichteten „Frühen Hilfen“ und der interdisziplinären Frühförderung. Man war sich einig: Nur bei einer breiten Interpretation der „Frühen Hilfen“ schaffen wir es, alle Familien auf dem Weg zur echten Teilhabe in der Gemeinde mitzunehmen.

In einem Fachbeirat des NZFH kommen viele unterschiedliche Organisationen zusammen, die mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Hilfen vor Ort gestalten: die Hebammen, die kinder- und jugendärztlichen Dienste des Gesundheitsamtes, die Familienberatungsstellen, die Kinderschutzzentren, die Sozial- und Jugendämter sowie die Lebenshilfe als Vertreterin der interdisziplinären Frühförderung. Für Tina Winter vom Bundesvorstand der Lebenshilfe ein gutes Vorbild für die Basis. Auf der Kasseler Tagung bemerkte sie: „Vielerorts weiß man noch zu wenig voneinander und arbeitet nebeneinander her. Das muss im Sinne der Eltern und Familien verbessert werden.“

Bei vernetzten Arbeitsformen ist mit den Kompetenzen der Lebenshilfe-Frühförderstellen zu rechnen. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie aufgrund ihrer wohnortnahen Anbindungen auch solche Familien erreichen können, die mit ihren Kindern durchs Netz zu fallen drohen. Je nach Einzugsgebiet sind es immer mehr Kinder, die aufgrund von Armut, Suchtproblemen der Eltern oder anderen belasteten Lebenssituationen in ihrer Entwicklung im wahren Wortsinn behindert zu werden.

Eine Dokumentation der Kasseler Tagung ist im Internet beim Nationalen Zentrum Frühe Hilfen eingestellt und kann direkt über diesen Link aufgerufen werden.


Wilfried Wagner-Stolp

Organisation

Bundesvereinigung Lebenshilfe
 

Autor

Wilfried Wagner-Stolp
 

Quelle

Lebenshilfe-Zeitung 2/2010
 

Veröffentlichung

15.07.2010, 11:53 Uhr
 
 
 
 
 

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