Die ganze Familie ist zum Parlamentarischen Abend der Lebenshilfe nach Berlin gereist. Melanie sitzt im Publikum. Ihre Mutter, Agi Palm, erzählt:
„Ich weiß, es ist etwas Besonderes, wie meine Tochter lebt. Menschen mit einer so schweren Behinderung wohnen fast immer bei ihren Eltern. Oder im Heim. Wie sie leben, bestimmen andere. Weil sie nicht selber sagen können, was sie möchten. Aber jeder Mensch hat das Recht, über sein Leben selbst zu bestimmen.
Darum wollte unsere Familie, dass Melanie auch ein eigenes Zuhause hat. Wo sie einfach die Tür hinter sich zumachen kann. Wir wohnen auf dem Land. Weil es dort für Melanie keine Wohnung gab, haben wir selbst gebaut. Nun hat Melanie in dem Haus eine eigene kleine Wohnung.
Melanie wird von 6 Assistenten betreut. Die wechseln sich immer ab. Es sind Studenten. Und Frauen aus der Nachbarschaft. Oder Mitarbeiter vom FUD der Lebenshilfe. (FUD ist eine Abkürzung und meint „Familienunterstützender Dienst“.) Es sind alles junge Leute. Melanie mag sie sehr. Sie genießt es, mit jungen Menschen zusammen zu sein. Sie unternehmen viel: Melanie geht schwimmen, mal in die Disco oder auch zur Kirmes.
Ich beobachte genau, wenn sich neue Betreuerinnen oder Betreuer vorstellen. Melanie zeigt deutlich, wen sie mag. Sie berührt sie dann zum Beispiel mit ihrer Hand.
Melanie arbeitet tagsüber in der Werkstatt. Sie ist in einer Fördergruppe.
Melanie kann sich allein fortbewegen. Sie geht auf ihren Knien. So kommt sie überall hin, wo sie will. Es tut nicht weh, denn sie hat eine ganz dicke Hornhaut an den Knien. Vom vielen Laufen. So bewegt sie sich ganz selbstverständlich in ihrer eigenen Wohnung.“
Den Text hat Ina Beyer geschrieben.
Fotos: Hans D, Beyer
Berlin, den 22. Februar 2011