Wenn es derzeit eine Grundforderung in den sozialpolitischen Stellungnahmen der Lebenshilfe gibt, so diese: "Maßstab der Hilfen müssen die Deckung des individuellen Bedarfs und das Wunsch- und Wahlrecht der Betroffenen bleiben."
Integration, Selbstbestimmung und Teilhabe sind Leitziele der Lebenshilfe. Wie können wir sie mit Leben erfüllen, in unserer Arbeit und in der Gesellschaft? Wie lassen sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen und Instrumente wie das Persönliche Budget nutzen, um jetzt schon Verbesserungen zu erreichen? Welche Forderungen für die Zukunft richten wir an die Politik? Das sind Themen, mit denen die Lebenshilfe und ihre Gremien sich kontinuierlich auseinandersetzen. Bündnispartner sind willkommen.
Auf Interesse ist daher die Initiative "Daheim statt Heim" gestoßen. Deren Aufruf unter www.bundesinitiative-daheim-statt-heim.de enthält eine Reihe guter Gedanken. Viele davon treffen sich mit Auffassungen der Lebenshilfe. So wird gefordert, den Grundsatz "ambulant vor stationär" nicht zu missbrauchen, um Kosten zu sparen. Die Wahlmöglichkeiten der Betroffenen sollen ebenso gestärkt werden wie Inklusion und Integration. Beim Auf- und Ausbau ambulanter Unterstützungsangebote ist auf den unterschiedlichen Bedarf der Einzelnen zu achten. Die Betroffenen sollen an Reformprozessen entscheidend beteiligt werden.
Baustopp für Heime und Abbau von Plätzen?
Im Mittelpunkt steht der Wunsch nach flächendeckendem Aus- und Aufbau individuell-bedarfsdeckender vernetzter Unterstützungsangebote für ältere und behinderte Menschen. Gekoppelt damit wird allerdings die Forderung nach einem Baustopp für neue Heime und dem Abbau bestehender Heimplätze.
Wie müssen solche Forderungen auf Eltern wirken, die seit langem verzweifelt auf der Suche nach einem sicheren Zuhause für ihre längst erwachsenen Söhne und Töchter mit schweren Behinderungen sind? Heißt dies nicht, den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen, solange alternative Angebote nicht verlässlich zur Verfügung stehen? Wird es nicht immer Menschen geben, die für sich selbst das Leben in einer größeren Gemeinschaft vorziehen werden?
Gemeinsam Lösungen finden
Diese Fragen sorgen für Diskussionsstoff. Hier müssen Lösungen gefunden werden, ohne das Kind mit dem Bade auszuschütten.
Die Bundesgremien arbeiten im Vorfeld des 50-jährigen Bestehens der Lebenshilfe im Jahre 2008 an einer Positionsfindung zur übergreifenden Frage: "Wie wollen geistig behinderte Menschen in Zukunft leben?" – ein Thema, das den Inhalt der „Bundesinitiative“ in den Gesamtzusammenhang des Lebensalltags geistig behinderter Menschen stellt. Im Frühsommer dieses Jahres soll eine entsprechende Arbeitsgruppe ihre Ergebnisse vorlegen. Darüber hinaus sind alle Interessierten aufgerufen, sich an der Meinungsbildung in der Lebenshilfe zu beteiligen und die Zukunft behinderter Menschen und ihrer Familien mitzugestalten.