Auch in der Sozialbranche wird der Umgang mit Wissen, die Verbreitung notwendiger Informationen, vor allem der Wissenstransfer aus unterschiedlichen Informationsquellen in die eigenen Einrichtungen und Dienste zunehmend zur Herausforderung für die Leitungsebenen der sozialen Organisationen.
Es geht darum Arbeitsprozesse und Kommunikationsweisen des Lernens, der Wissensvermittlung und des Wissentransfers zu organisieren. Für die Einführung derartiger Prozesse wird nicht selten Hilfestellung benötigt.
Allerdings ist die Informationslage dazu unübersichtlicher denn je. Inzwischen sind ganze Bibliotheken mit einschlägigen Publikationen gefüllt und eine Orientierung fällt schwer. Praxistaugliche Abhilfe in diesem Dilemma verspricht der Europäische Leitfaden zur erfolgreichen Praxis im Wissensmanagement aus dem Jahr 2004 (161 S.).
Er erhebt den Anspruch, - eine praxisnahe Einführung in die vorherrschenden Denkmodelle zum Thema zu liefern, - aktuelle Ansätze und Methoden zu skizzieren, - besonders die bisherigen Erfahrungen zu berücksichtigen, die im europäischen Raum mit Wissensmanagement gemacht wurden.
Gliederung:
1. Grundlagen
2. Unternehmenskultur und Wissensmanagement
3. Einführung in kleinen und mittelständischen Unternehmen
4. Fallstudien
5. Messverfahren
6. Glossar.
Nach der Euphorie zu Ende der 90er Jahre des vergangenen Jahrzehnts war Ernüchterung bei der Umsetzung von Wissensmanagement eingetreten. Es wurde zu häufig übersehen, dass man Wissen nicht managen kann, indem nur eine Datenbank mit Informationen (mit best practice etc.) zur Verfügung gestellt wird.
Denn die komfortable Bereitstellung von Informationen ist häufig nur eine notwendige Ausgangsbedingung für standortübergreifende Austausch- und Kommunikationsprozesse, aber in der Regel nicht hinreichend für einen erfolgreichen Wissentransfer.
Maßgebend sind vor allem die begleitenden Kommunikationsprozesse beim Wissenstransfer, nimmt man die Hypothese ernst, dass Wissen verstandene Information im Kopf eines Menschen vor dem Hintergrund subjektiver Erfahrungen und Handlungsmuster ist.
Eine aktuelle Neubewertung des Wissensmanagements formuliert die BITKOM. Die BITKOM, der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. hat in einem aktuellen Positionspapier einer Expertengruppe für die nächsten Jahre folgende Trends im Wissensmanagement prognostiziert:
Trend 1: Das allgemeine Verständnis von Wissensmanagement rückt den Wissensarbeitsplatz und seinen unmittelbaren Praxisbezug stärker in den Vordergrund.
Trend 2: Wissensmanagement wird wieder vermehrt als unternehmensstrategische Aufgabe verstanden.
Trend 3: Die Politik erkennt die herausragende Bedeutung des Wissensmanagements für den Standort Zentraleuropa und definiert Handlungsrahmen.
Trend 4: Wissenstransfer wird zu einem Schlüsselthema in Wertschöpfungs-Netzen.
Trend 5: Social-Networking-Lösungen bilden eine neue Generation von IT-gestützten Wissensmanagement-Lösungen.
Trend 6: Wissensmanagement-unterstützende Software entwickelt sich sehr schnell weiter und findet vermehrt Einsatz.
Trend 7: E-Learning-Anwendungen werden sich durch Social-Networking-Komponenten stark verändern und die Akzeptanz des digitalen Lernens verstärken.
Trend 8: Aus der Befruchtung von Social-Networking-Ansätzen und semantischen Technologien werden neue Impulse für das Internet erwachsen.
Grundsätzlich lässt sich feststellen, - und das ist eine sehr vorsichtige Einschätzung - dass in Zukunft weit mehr als bisher auch im Feld der Sozialen Arbeit das lebenslange Lernen und die nachhaltige Organisation von Wissenstransfers unter Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechnologien die Ausbreitung von online-communities und (in) formellen Netzwerken befördern dürfte.