Hier finden Sie das Video auch als Download (flv - 40 MB)
Vom Weltkongress berichten:
Peer Brocke, Kerstin Heidecke und Jürgen Reuter (Text)
Hans D. Beyer (Fotos)
arbeitsgemeinschaft behinderung und medien - abm, München (Film)
Einen ausführlichen Bericht zeigt auch das ZDF in seiner Sendung "Menschen - das Magazin" über den Weltkongress. Das Fernsehen begleitete Ramona Günther, behindertes Mitglied im Bundesvorstand der Lebenshilfe, und Bernd Frauendorf, Sprecher des Rates behinderter Menschen in der Lebenshilfe, nach Berlin. Die beiden Selbstvertreter machen in dem Beitrag eine gute Figur. Hier können Sie sich Menschen - das Magazin vom 19. Juni anschauen.
17.30 Uhr: Viele Kongress-Besucher nutzen den freien Nachmittag für Touren in die City. Sie schauen sich die vielen Sehenswürdigkeiten der Stadt an. Eine Gruppe entscheidet sich für das Holocaust-Denkmal. Es erinnert an die von den Nazis ermordeten Juden in ganz Europa. Es besteht aus 2711 Beton-Stehlen. Sie sind unterschiedlich hoch und stehen auf einem gewellten Boden. Kaum ein Besucher, der hier nicht ein beklemmendes Gefühl verspürt, wenn er sich zwischen die Stehlen begibt.
15.00 Uhr: In Berlin ist Sommer. Die Kongress-Besucher kommen ins Schwitzen. Doch bald haben sie das Programm für heute geschafft. Um 16 Uhr werden alle Vorträge und Workshops zu Ende sein. Dann geht's auf Erkundungs-Tour durch die Hauptstadt zum Brandenburger Tor, Reichstag oder zur Museums-Insel. Ob mit dem Bus, dem Schiff, dem Rad oder einfach zu Fuß - am Ende lockt immer ein Biergarten.
Aber noch heißt es: Ärmel hoch krempeln. Durch die Scheiben knallt die Sonne. Trotzdem machen die Teilnehmer im Workshop "Das eigene Theater"vergnügt mit. Erst gilt es, sich beim Thai Chi sanft wie ein Blatt im Wind zu bewegen. Später geht es um Phantasie: Jeder soll eine möglichst verrückte Lügen-Geschichte erfinden. Gelegenheit für fröhliches Gelächter über Abenteuerliches und unfassbare Berichte von Moderatoren- und Modellkarrieren.
Dr. Bernhard Conrads wird an allen Ecken und Enden gebraucht. Der Bundesgeschäftsführer a. D. der Lebenshilfe Deutschland gehört zu den Organisatoren des Kongresses und ist auch dann zur Stelle, wenn eine Teilnehmerin Hilfe beim Hinabsteigen einer Treppe benötigt.
14.10 Uhr: Hans-Joachim Kaatzke hat sich heute für das Kunstprojekt Holz-Bild-Hauen entschieden. Der Hobbykünstler aus Eberswalde meint: "So einen Kongress könnte es jedes Jahr geben." Peter Schwebke aus Templin hat zwei Tage an seiner Skulptur gearbeitet, an der jede Einzelheit mit viel Liebe gestaltet ist. Er findet: "Auch wenn das Geld knapp ist, die Politik darf nicht an der Kunst sparen."
Hans-Hubert Leisten ist ebenfalls mit handfesten Wünschen zum Kongress gekommen: "Wir müssen durchsetzen, dass die Werkstattlöhne auch mal steigen."
Bei der Diskussion über die Rechte von Menschen mit Behinderung soll auch das Gute gelobt werden - Sachen, die schon gut funktionieren, finden Michaela Horbach und Petra Uthe. Die beiden Aachenerinnen haben zum Beispiel beim Wohnen ihre Wünsche schon durchsetzen können. "Ich lebe seit fünf Jahren mit meinem Mann zusammen in einer eigenen Wohnung", erzählt Michaela Horbach. Und auch für Petra Uthe ist mit dem eigenen Zuhause ein Stück Selbstbestimmung wahr geworden. Ob sie ein bisschen Bammel hatte, dass es in einer eigenen Wohnung zu einsam werden könnte? "Nö, ich habe jede Menge tolle Nachbarn!"
10.30 Uhr: Erste Kaffee-Pause. Zwei Schauspieler vom Theater Maatwerk (Holland) machen es sich vor dem Stand der AKTION MENSCH bequem. Die AKTION MENSCH hat als Sponsor den Kongress mit Geld unterstützt. Weitere Förderer sind: das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Europäische Kommission, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft CURACON und VW Nutzfahrzeuge.
In den Pausen herrscht bei den Ausstellern viel Betrieb. Die Kongress-Besucher nutzen auch hier das große Informations-Angebot. Am Stand des Lebenshilfe-Verlages blättern Interessierte in den neuesten Büchern zum Thema Menschen mit geistiger Behinderung. Die Bücher können gleich vor Ort bestellt werden.
9.00 Uhr: Nach einem langen ersten Tag finden sich die Kongress-Teilnehmer im großen Saal "New York" ein. Zur Einstimmung sehen sie einen 5-minütigen Film mit bewegten und bewegenden Bildern vom Mittwoch (siehe oben).
Dann beginnt das eigentliche Programm des Donnerstags: Selbstvertreter und ihre Familien sollen sich gemeinsam dafür einsetzen, dass die UN-Konvention umgesetzt wird. Und sie sollen sich die Einrichtungen und Dienste für Menschen mit Behinderung an die Seite holen.
Prominente Rednerin ist Malu Dreyer, Sozialministerin in Rheinland-Pfalz (Deuschland). Ihr Thema: Auswirkungen der UN-Behindertenrechtskonvention für lokale und regionale Regierungen. Obwohl ihr Thema sehr kompliziert klingt, hält Malu Dreyer ihren Vortrag in leichter Sprache. Sie möchte, dass alle Länder einen Aktionsplan machen. Auch die Bundesvereinigung Lebenshilfe. In dem Aktionsplan soll drinstehen, was jeder unternimmt, damit der internationale Vertrag, um den es geht, überall Wirklichkeit wird.
Damit möglichst jeder Teilnehmer die Reden verstehen kann, gibt es Dolmetscher. Sie sitzen in Kabinen und übersetzen das Gesagte ins Englische, Französische, Spanische und Japanische. Manchmal auch ins Deutsche, wenn die Rednerin oder der Redner eine andere Sprache spricht. Die Kongress-Besucher tragen Kopfhörer und empfangen die Übersetzungen über Funk. Für gehörlose Menschen sind Gebärden-Dolmetscher im Einsatz. Sie kommen ohne Worte aus und lassen ihre Hände mit Zeichen "sprechen".
Auch Mia Farah, Selbstvertreterin aus dem Libanon und Mitglied im Präsidium von Inclusion International, ist wieder als Rednerin dabei. Sie spricht darüber, welche Auswirkungen die Konvention für Selbstvertreter hat.
Ramona Günther, Selbstvertreterin und Mitglied im Bundesvorstand der Lebenshilfe, ist pünktlich im Saal. Obwohl ihr Tag gestern schon sehr anstrengend war: "Das war schon heftig, die vielen guten Workshops und dann noch der Drehtermin mit dem Fernsehen." Das ZDF hatte Ramona Günther und Bernd Frauendorf vom Lebenshilfe-Rat der behinderten Menschen begleitet für einen Beitrag in "Menschen, das Magazin", der am kommenden Sonnabend ausgestrahlt wird. Was sie sich am meisten für die Zukunft wünscht? "Ganz klar, dass das, was wir sagen, ernst genommen wird. Dass unsere Stimme Gewicht hat."
Hier zwei Bilder vom Empfang am Vorabend im großen Saal des Kongresses.