KONGRESS-TAGEBUCH
Dienstag, 15. Juni 2010
Vom Weltkongress berichten:
Peer Brocke, Kerstin Heidecke und Jürgen Reuter (Text)
Hans D. Beyer und Peer Brocke (Fotos)
arbeitsgemeinschaft behinderung und medien -
abm, München (Film)
Einen ausführlichen Bericht zeigt auch das ZDF in seiner Sendung "Menschen - das Magazin" über den Weltkongress. Das Fernsehen begleitete Ramona Günther, behindertes Mitglied im Bundesvorstand der Lebenshilfe, und Bernd Frauendorf, Sprecher des Rates behinderter Menschen in der Lebenshilfe, nach Berlin. Die beiden Selbstvertreter machen in dem Beitrag eine gute Figur. Hier können Sie sich
Menschen - das Magazin vom 19. Juni anschauen.
Am 24.06. berichtete der christliche Sender Bibel-TV in seiner Nachrichtensendung über den Weltkongress.
9.00 Uhr: Der ersten Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind in Berlin eingetroffen. Es sind vor allem Menschen mit geistiger Behinderung (die sogenannten Selbstvertreter), die sich schon heute auf den morgen beginnenden Kongress vorbereiten. Sie machen sich mit dem Programm vertraut und dem Veranstaltungsort - dem Hotel Estrel. Mehr als 800 Selbstvertreter aus über 70 Ländern werden erwartet. Am Anfang ist es nicht leicht, sich zurecht zu finden. Es ist wie auf einer Baustelle: Stände werden aufgebaut. Schilder mit wichtigen Hinweisen müssen erst noch aufgestellt werden. Aber morgen soll alles fertig sein.
Die Selbstvertreter, die Deutsch sprechen, treffen sich im Raum Rio. Sie kommen aus Österreich, Holland, Luxemburg, der Schweiz und aus dem Gastgeberland Deutschland. Gerhard Heß und Ulrich Niehoff von der Bundesvereinigung Lebenshilfe erklären alles in Leichter Sprache. Gerhard Heß hält ein rotes Stopp-Schild hoch. Jeder Teilnehmer bekommt ein solches Stopp-Schild. Man kann es immer dann einem Redner zeigen, wenn seine Worte zu schwierig sind.
Nach der Einführung starten die Teilnehmer gleich mit den ersten Workshops. Die Selbstvertreter diskutieren in kleinen Gesprächsrunden darüber, was sie sich von dem Kongress erhoffen, welche Themen ihnen auf den Nägeln brennen.
Ein wichtiges Thema ist das Wohnen. Marianne Künstner erzählt, wie schwer es war, ihren Wunsch auf eine eigene Wohnung durchzusetzen, vier Jahre hat sie darum gekämpft. Nicht zuletzt, weil es viele Vorbehalte gäbe, wenn Menschen mit hohem Hilfebedarf allein leben wollen. "Dabei ist es super allein zu wohnen", sagt sie heute froh. Bei Jürgen Philipp waren es die Eltern, die sehr skeptisch waren. "Wir haben sogar eine Weile nicht mehr miteinander gesprochen." Heute lebt er in einer eigenen Wohnung - und die Familie redet auch wieder miteinander.
Wer nicht Deutsch spricht, erhält im Raum Sydney alle Informationen über das Programm in den drei weiteren Kongress-Sprachen: Englisch, Spanisch und Französisch.
Ai Miyake, Dolmetscherin aus Japan, übersetzt das Gesagte über ein Mikrophon ins Japanische. Ihre Landsleute tragen Kopfhörer, um die Übersetzung hören zu können.
Die Selbstvertreter kommen aus vielen Ländern - mehr als 80 Staaten sind vertreten, darunter Kanada, die Niederlande, Italien, Luxemburg, Kuwait, Mexiko. In der Vorstellungsrunde unterhalten sie sich darüber, warum sie die weite Reise nach Berlin zum Weltkongress gemacht haben. So wie Abdulaziz A. Al Shallal und Khaled Abdullah Al Nejadah aus Kuwait. "Wir möchten mehr wissen über das Leben von Menschen mit geistiger Behinderung in anderen Ländern, über ihr Glück und über ihre Sorgen." Alle sind auch neugierig auf die fremden Kulturen - und die anderen Lebensgeschichten.
Rashed Almansoory ist ein Selbstvertreter aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Er wird begleitet von seiner Mutter Muneera Abass. Mona Alyafee von der Organinsation Sharja City for Humanitarian Services ist auch bei ihm. Insgesamt sind fünf Teilnehmer aus den Arabischen Emiraten auf dem Kongress.
Thomas Szymanowicz ist mit seiner Mutter Carola Szymanowicz aus Falkensee (Brandenburg) nach Berlin gekommen. Sie fahren jeden morgen mit der S-Bahn 45 Minuten bis zum Estrel-Hotel und abends wieder nach Hause zurück, um dort zu übernachten. Der 29-jährige Thomas Szymanowicz wohnt im Haus seiner Eltern in einer eigenen Wohnung. Er arbeitet in einer Werkstatt für behinderte Menschen in Falkensee. Auf dem Kongress möchte er mehr über das Thema Teilhabe erfahren und einen Theater-Workshop mitmachen.
Seine Mutter ist selbst behindert. Sie ist taub und braucht eine Gebärden-Dolmetscherin, um das Gesagte zu verstehen.
Veronika Klippel, Studentin für Heilpädagogik an der Katholischen Hochschule, hilft beim Kongress als Freiwillige und kann die Gebärden-Sprache. Die junge Frau ist immer an der Seite von Carola Szymanowicz. Die Mutter von Thomas Szymanowicz wünscht sich eine Gesellschaft der Vielfalt: "Und dass die Barrieren in den Köpfen der Menschen verschwinden!"
Maritt Merfort hat ihr Heilpädagogik-Studium schon fast abgeschlossen, nutzt die Chance als Freiwillige beim Weltkongress, "um mit den Leuten zu reden, um die es geht, um zu erfahren, was sie selbst wollen". Sie reizt auch der internationale Aspekt. Sie selbst will künftig in der Erwachsenenbildung für Menschen mit geistiger Behinderung arbeiten.