Das Konzept für die Broschüre des
Büros für Leichte Sprache der Lebenshilfe Bremen geht auf die Vorlagen für ein Seminar für behinderte Menschen zurück. Veranstaltet hat es Stefanie Bargfrede zusammen mit einem Kollegen.
Verständliche Angst
Kinderwunsch und Elternschaft geistig behinderter Menschen – für dieses Thema ist Stefanie Bargfrede Expertin. Dazu hat sie 1989 ihre Diplomarbeit geschrieben, an einem Forschungsprojekt der Bundesvereinigung Lebenshilfe mitgearbeitet und immer wieder Kurse geleitet. Sie kennt die – durchaus verständliche – Angst, die das Thema im Umfeld geistig behinderter Menschen auslöst, vor allem bei deren Eltern.
Diese Angst blockt Diskussionen ab. „Das geht doch nicht!“ – so reagieren auch Betreuer sehr schnell. Stefanie Bargfrede möchte demgegenüber behinderten Menschen ermöglichen, sich mit dem Thema ernsthaft auseinanderzusetzen. Sie sagt: „Nichts ist schlimmer als die Tabuisierung – damit verhindert man nicht, dass Kinder auf die Welt kommen. Stattdessen müssen wir uns unserer Verantwortung stellen und Hilfen anbieten.“
Stefanie Bargfredes Ziel ist es also nicht, behinderte Menschen zum Kinderkriegen zu ermutigen. Sie will nur das offene Gespräch über die Fragen, die sich die meisten Menschen irgendwann in ihrem Leben stellen, nämlich „Soll ein Kind zu meinem Leben dazugehören? Was würde das für mich bedeuten?“
Von den vier Paaren und drei Frauen, die ohne ihren Partner an dem genannten Wochenendseminar teilnahmen, wollte anschließend niemand gleich ein Kind; alle waren sehr nachdenklich geworden.
Um der Frage „Wie passt ein Kind in mein Leben?“ nachzugehen, stand am Anfang des Seminars die persönliche Zukunftsplanung. Ergänzt wurde sie durch die realistische Vorstellung eines Tagesablaufs mit Baby. Um herauszufinden, ob einem der Umgang mit Kindern wirklich Freude macht, wurde zum Beispiel ein Praktikum in einem Spielkreis empfohlen.
„Es ist nicht immer einfach, ein Kind zu haben.“ – diese Erkenntnis setzte sich schnell durch. Umso wichtiger waren die Hinweise auf die Hilfen, die behinderte Eltern in Anspruch nehmen können. Dem entsprechen in der Broschüre die Kapitel Beratung, Hebammen, Kurse, Geld, Arbeiten und Wohnen.
Die Broschüre „Ich wünsche mir ein Kind! Ich bin schwanger! Ich habe ein Kind! – Welche Hilfe kann ich bekommen?“ kann für sechs Euro inklusive Porto und Verpackung bei der Lebenshilfe Bremen bestellt werden.
Seminare zum Thema
Stefanie Bargfrede bietet zusammen mit ihrem Kollegen Marco Haar Seminare zum Thema Kinderwunsch und Elternschaft für Menschen mit geistiger Behinderung und/oder Fachpersonal an.
Kontakt: Stefanie Bargfrede,
Lebenshilfe Bremen, Waller Heerstrasse 55, 28217 Bremen, Telefon 0421/38777 -67, E-Mail:
bargfrede@lebenshilfe-bremen.de