Preisverleihung in Stuttgart, auf dem Foto von links: Egon Mayer, stellvertretender Fernsehdirektor des SWR, Regisseur Stephan Wagner, Ingo Kutzner, Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt, SWR-Redakteurin Brigitte Dithard und Lebenshilfe-Bundesvorsitzender Robert Antretter.
Foto: Peer Brocke
Marburg/Stuttgart. Bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg mussten die aus einem Dorf bei Osnabrück stammenden Eheleute Kutzner gehen, um das Sorgerecht für ihre beiden Töchter zurückzuerhalten. Es ist ihre Geschichte, die der Fernsehfilm „In Sachen Kaminski“ erzählt und der jetzt mit dem Medienpreis „Bobby 2006“ der in Marburg ansässigen Bundesvereinigung Lebenshilfe ausgezeichnet wurde. „Der Film ist ein Plädoyer gegen Vorurteile und für ein menschliches Miteinander“, sagte Bundesvorsitzender Robert Antretter (Backnang) bei der Preisverleihung im Stuttgarter Rathaus.
In dem TV-Drama des Südwestrundfunks (SWR) spricht das Jugendamt den Kaminskis die Fähigkeit ab, ihr Kind zu erziehen, und nimmt ihnen die Tochter weg. Die liebevollen, aber intellektuell beeinträchtigten Eltern verstehen die Welt nicht mehr: Wie kann man ihrer Familie nur so etwas Furchtbares antun? Petra und Martin Kaminski – eindrucksvoll gespielt von Juliane Köhler und Matthias Brandt – wollen sich das nicht gefallen lassen. Sie kämpfen gegen Behördenwillkür und durch alle gerichtlichen Instanzen, um ihre Tochter Lona (Amber Bongard) wieder nach Hause zu holen. Mit Happy End!
Fast vier Millionen Zuschauer haben die SWR-Produktion am 19. April 2006 um 20.15 Uhr zur besten Sendezeit im Ersten gesehen. Was beim Publikum vielfach Gänsehaut auslöste, haben Ingo Kutzner und seine Frau Annette am eigenen Leib erfahren. Der Vater hat es sich deshalb nicht nehmen lassen, der Einladung der Lebenshilfe nach Stuttgart zu folgen und den Machern von „In Sachen Kaminski“ persönlich zu danken.
„Der Bobby ist eine wichtige Auszeichnung für uns“, sagte Regisseur Stephan Wagner stellvertretend für das ganze Filmteam. Er habe gar nicht so sehr einen Film über behinderte Menschen machen wollen, sondern über eine Ungerechtigkeit, die jeden treffen könne. „Einen Preis von einer Organisation zu bekommen, die sich damit auskennt, hat mich besonders gefreut.“ Wagner verlas auch eine Grußbotschaft von Schauspieler Matthias Brandt, der wegen aktueller Dreharbeiten bei der Preisverleihung nicht dabei sein konnte: „Ich wollte der Rolle des Martin Kaminski gerecht werden. Für mich ist er ein Held.“
Mit dem „Bobby“ würdigt die Lebenshilfe vorbildliches öffentliches Engagement für die Belange behinderter Menschen. Der Medienpreis, eine dem behinderten Schauspieler Bobby Brederlow nachempfundene Bronzefigur, wird zum achten Mal vergeben. Neben Brederlow selbst gehören die TV-Moderatoren Günther Jauch und Dr. Alfred Biolek, der behinderte Schauspieler Peter Radtke, die Filmteams der Kultserie „Lindenstraße“ und des Kinohits „Verrückt nach Paris“ sowie Liedermacher Rolf Zuckowski zu den bisherigen Preisträgern.
Unterstützt wird der Medienpreis durch die Versicherung Bruderhilfe-Pax-Familienfürsorge.
Die Rede anlässlich der Preisverleihung des Bundesvorsitzenden der Lebenshilfe, Robert Antretter, finden Sie hier.