Im Februar 2000 schickte ich nach einem Fernsehbericht über das Forschungsprojekt Delfin-Therapie der Universität Würzburg im Nürnberger Tiergarten unsere (Lukas') Bewerbung an Herrn Dr. Breitenbach.
Wie freuten wir uns, als völlig unerwartet die Zusage kam! Wir konnten es gar nicht glauben, dass unser Sohn Lukas, inzwischen acht Jahre alt - er hat das Down-Syndrom und einen Herzfehler - , dafür ausgewählt wurde.
Das Projekt besteht aus drei Phasen: Vorbereitung, Therapiewoche, Nachbereitung. Im Februar 2003 war eine Psychologin bei uns, um den aktuellen Entwicklungsstand von Lukas vier Wochen vor Beginn der Therapie aufzunehmen. Sie interviewte mich, ich musste Fragebögen ausfüllen, und sie machte Videoaufnahmen von Lukas. Außerdem wurde die Erzieherin von Lukas befragt und eine Logopädiestunde mit Lukas per Video aufgezeichnet.
Im März 2003 war es soweit. Die ganze Familie musste mit nach Nürnberg zur Therapiewoche. Zum Therapieerfolg sollte ähnlich wie in Florida eine gewisse Urlaubsatmosphäre beitragen, so dass wir jeden Tag anschließend an die tägliche Therapiestunde Freizeitangebote nutzten und viel Zeit im Nürnberger Tiergarten verbrachten.
An den fünf Therapietagen war Lukas jeweils eine halbe Stunde mit den Delfinen, dem Therapeuten und dem Delfintrainer im Delfinarium. Am Abend jeweils wurde das Video mit der aufgezeichneten Therapiestunde angeschaut und besprochen. Der Meinungsaustausch zwischen uns Eltern, Therapeuten, Arzt und Pädagogen war für uns besonders interessant und hat uns viel für den Alltag zu Hause gebracht.
Es nahmen während unserer Woche insgesamt vier Familien teil. Auch die Gespräche mit den anderen Eltern waren eine Bereicherung für uns.
Vier Wochen nach der Therapie kam die Nachbereitungsphase. Die Psychologin machte wieder Videoaufnahmen von Lukas, ein Interview mit mir, und ich beantwortete wieder die Fragen eines Fragebogens.
Lukas hat auf die Delfine sehr gut angesprochen, er war begeistert, hatte keinerlei Angst und machte sehr gut mit.
Als wesentlichster Fortschritt ist zu erwähnen, dass Lukas nun deutlicher und mehr Wörter sprechen kann. Er konnte vorher nur einzelne Worte sprechen, oft unverständlich für andere. Nun spricht er schon Zwei- bis Dreiwortsätze von sich aus und auch besser verständlich.
In Bezug auf das Sozialverhalten hat sich leider zu Hause nicht viel verändert. Wohl war Lukas zwei Wochen lang nach der Therapie wie ausgewechselt, viel ruhiger und weniger aggressiv. Aber dann kehrten Unruhe und Stress wieder zurück.
Dank der Pädagogen sehen wir Lukas dennoch jetzt mit anderen Augen. Nicht nur die Therapiestunde für Lukas, sondern das Begleitprogramm für uns Eltern war von großer Bedeutung.
Christine Sammet, aus der Zeitschrift "Leben mit Down-Syndrom", Nr. 44, September 2003
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