Wir werden stärker

50 Menschen mit Behinderung sprachen über ihre Wünsche und Forderungen

Ein Ergebnis beispielhafter Mitwirkung: Andrea Böckmann (links) und Doris Rüter, die Behinderten-Beauftragte der Stadt Münster, stellen einen Stadtführer in Leichter Sprache vor. Foto: Wissinger

Wir werden immer stärker – das meint in diesem Fall: Menschen mit Behinderung.
Im Dezember hatte der Rat behinderter Menschen in der Lebenshilfe erstmals zu einer Tagung eingeladen. Es kamen nicht nur gut 50 Menschen mit Lernschwierigkeiten, sondern auch Vertreter des Bundesbeauftragten für die Belange der Menschen mit Behinderung, der Stadt und der Lebenshilfe Münster sowie Ramona Günther und Tina Winter vom Bundesvorstand der Lebenshilfe und Bundesgeschäftsführer Ulrich Bauch.

Die erfolgreiche Veranstaltung war richtungweisend in dreierlei Hinsicht:

Erstens: Menschen mit Behinderung bestimmten die Inhalte und waren in Vorbereitung und Durchführung stärker einbezogen. So wurden die Themen, um die es gehen sollte, zuvor im Rat behinderter Menschen ausführlich besprochen und gemeinsam festgelegt. Der Rat bestimmte Achim Giesa und Jan Schult als Diskussionsleiter, die zusammen mit Ulli Niehoff und Gerhard Heß, Referenten der Bundesgeschäftsstelle, durch das Programm führten.

Zweitens: Menschen mit Behinderung besprachen unter sich ihre Wünsche und Forderungen und vertraten sie dann gegenüber institutionellen Vertretern. Armina Reichel vom Amt des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange der Menschen mit Behinderung nahm unter anderem – einmal mehr – die Forderung nach einer Verkleinerung des Behindertenausweises mit nach Berlin.

Drittens: Menschen mit Behinderung traten als Experten und Referenten auf. Aus Münster berichteten Andrea Böckmann und Michael Angly, selbst behindert, gemeinsam mit der dortigen Behindertenbeauftragten Doris Rüter aus der breiten Palette vorbildlicher Mitwirkungsmöglichkeiten in dieser Stadt.
Ihr Mitsprachrecht nutzen die gut 50 Teilnehmenden, indem sie, an Bundesvorstand und Bundesgeschäftsführung gerichtet, zum Abschluss folgende Wünsche und Forderungen vortrugen:

• Menschen mit Behinderung wollen ernst genommen werden. Selbstständigkeit und Gleichberechtigung sind ganz wichtig!
• Deshalb soll die Lebenshilfe vor allem Menschen mit Behinderung als Mitglieder werben.
• Wir wollen uns treffen und uns austauschen können. Wir brauchen Unterstützung, damit ein Netz von Räten entstehen kann (Wohn-Beiräte, Werkstatt-Räte und Lebenshilfe-Räte).
• Es soll Angebote der Erwachsenenbildung geben.
• Es soll viel mehr Texte in Leichter Sprache geben.
• Das neue „Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz“ (WBVG) soll es in Leichter Sprache geben. Und auch die Werkstätten-Verordnung.
• Zu den Behinderten-Beauftragten in den Städten und Gemeinden, in den Bundesländern und in Berlin soll es immer Beiräte geben. Diese Beiräte sollen die Behinderten-Beauftragten beraten.

Die Mitglieder des Rates behinderter Menschen werden diese Wünsche und Forderungen weiterverfolgen.
Nebenbei ein positiver Werbeeffekt: Die Veranstaltung war verbände-übergreifend angelegt, viele Teilnehmende kamen aus Einrichtungen, die nicht zur Lebenshilfe gehören. Gerade unter denen hat es sich schnell herumgesprochen, dass es gute Möglichkeiten gibt, bei der Lebenshilfe mitzuwirken!

Gerhard Heß
 

Organisation

Bundesvereinigung Lebenshilfe
 

Autor

Gerhard Heß
 

Quelle

Lebenshilfe-Zeitung 1/2010
 

Veröffentlichung

13.04.2010, 15:44 Uhr
 
 
 
 
 
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