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Menschen mit schweren Behinderungen im Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen

Kurzfassung
Es geht um die Interessen von Menschen, die nicht für sich sprechen können, zumindest nicht so, dass Politik, Öffentlichkeit und wir selbst es genau verstehen. Sie sind davon abhängig, dass andere umfassend für sie reden, entscheiden, denken und handeln. Soll an erster Stelle das stehen, was Menschen brauchen und was ihnen deshalb von einem humanen Gemeinwesen zugebilligt werden soll, oder aber das, was die Gemeinschaft, der Staat aufzuwenden bereit ist? Menschen mit hohem Hilfebedarf stellen als besondere Persönlichkeiten eine Bereicherung unserer Gesellschaft dar, sie erweitern das Spektrum dessen, was Menschsein bedeuten kann. Sie können ihr Menschsein in all den Aspekten realisieren, die die amerikanische Philosophin Nussbaum mit ihrem Katalog der Capabilities benannt hat, wenn wir ihnen die Chance dazu geben: Allseitige Bildung und Leben in anspruchsvoller Kultur (gegen eine Reduzierung auf Pflege); Gesundheit und Wohlbefinden; Produktivität, Freizeit und ein Leben in „mehreren Welten“ (gegen die Verweigerung tagesstrukturierender Maßnahmen); weitest mögliche Regiekompetenz (Selbstbestimmung) für die eigenen Lebensumstände und die Befähigung dazu; Teilhabe am Zusammenleben in Vielfalt und Beheimatung. Menschen mit hohem Hilfebedarf sind davon abhängig, dass das, was sie zur Verwirklichung dieser Rechte brauchen, vom Gemeinwesen, von Institutionen und von ihren konkreten Mitmenschen ermöglicht wird.

Abstract
People with Severe Disabilities Torn between Different Interests. The article is about the interests of people who cannot speak for themselves, at least not in a way that politics, public and we understand. They are dependent on others speaking, making decisions, thinking and acting for them. Should now be given priority to what people need and a humane society should offer them, or to what the community or government is prepared to spend on them? People with a high need for support enrich our society as special personalities that they are, they broaden the spectrum of what being a human being can mean. They can realise their being a human being in all the aspects that the philosopher Nussbaum has listed in her catalogue of capabilities, if we offer them the opportunities, that is a comprehensive education and a life in a demanding culture (as opposed to reduction to care), health and well-being, productivity, leisure time and a life in different worlds (as opposed to denial of day-structuring measures), a best possible self-determination for their individual life situations and their being able to realise it, participation in variety and feeling at home. People with a high need for support are dependent on the support of their community, institutions and direct fellow human beings to realise the execution of their rights.

Verlag

Bundesvereinigung Lebenshilfe
 

Autor

Theo Klauß
 

Quelle

Fachzeitschrift Geistige Behinderung 1/2006
 

Veröffentlichung

20.01.2006, 12:25 Uhr
 
 
 
 
 
© 2007 - 2012 Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e. V. - 35043 Marburg, Raiffeisenstr. 18, E-Mail: Bundesvereinigung@Lebenshilfe.de