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Das Fundament für alle in der Lebenshilfe

Zur Mitgliederversammlung gibt es eine neue Fassung des Grundsatzprogramm-Entwurfs – Verbesserungsvorschläge werden eingearbeitet

Das neue Grundsatzprogramm im Entwurf. Foto: Hans D. Beyer
Liebe Leserin, lieber Leser!

Im Mittelpunkt unserer Mitgliederversammlung am 29. und 30. Oktober 2010 in Marburg wird der Entwurf des neuen Grundsatzprogramms stehen. In der Versammlung vor zwei Jahren hat der Bundesvorstand den Auftrag erhalten, „unser Grundgesetz“ fortzuentwickeln und den Herausforderungen der Zukunft anzupassen. Ich meine, die Projektgruppe um Prof. Dr. Theo Klauß hat gute Vorarbeit geleistet. Zur MV wird der Bundesvorstand ein Papier vorlegen können, das – da bin ich mir sicher – breite Zustimmung finden wird.

Bereits in der Lebenshilfe-Zeitung 4/2009 erschien ein erster Entwurf des neuen Grundsatzprogramms. Im Internet wurde zudem eine Fassung in Leichter Sprache bereit gestellt, damit alle in der Lebenshilfe mitreden und ihre Ideen einbringen können: die Mitglieder mit geistiger Behinderung, die Eltern und die Fachleute in unseren Einrichtungen und Diensten. Seither haben wir zahlreiche Rückmeldungen mit bedenkenswerten Verbesserungsvorschlägen per Brief oder E-Mail erhalten. Darüber hinaus haben wir in vier Regionalkonferenzen – in Leipzig, Neu-Ulm, Hamburg und Mainz – sowie bei Veranstaltungen der örtlichen Vereinigungen mit der Basis diskutiert.

Die Resonanz auf den ersten Entwurf des neuen Grundsatzprogramms ist grundsätzlich positiv. Es gibt aber auch kritische Stimmen – meist Eltern, die über Jahrzehnte ihre Lebenshilfe vor Ort aufgebaut haben und jetzt fürchten, dass die für ihre Kinder so segensreichen Einrichtungen wie Wohn- und Werkstätten im Zuge der Inklusionsbewegung verschwinden sollen.

Diese Ängste, liebe Leserinnen und Leser, nehme ich, nehmen der gesamte Bundesvorstand und die Bundeskammer sehr ernst. Ich kann Ihnen versichern: Niemand von uns will bewährte Angebote ersatzlos abschaffen. Und da denken wir besonders an die schwer und mehrfach behinderten Menschen! Aber – auch das möchte ich betonen – wir möchten als Lebenshilfe auch den jungen Eltern ein Zuhause bieten. Nur so bleiben wir eine starke Gemeinschaft und können unsere Wünsche und Forderungen gegenüber der Politik durchsetzen.

Mir selbst ist übrigens gar nicht bange, wenn ich an die Zukunft unserer Einrichtungen und Dienste denke. Die haben – das zeigen meine vielen Besuche vor Ort – längst die Zeichen der Zeit erkannt und setzen innovative Projekte der Inklusion und Teilhabe um. Diese Lebenshilfe-Zeitung ist voll mit guten Beispielen.

Aus einigen Bundesländern erreichte uns nun die Nachricht: Wir brauchen mehr Zeit, um uns mit dem Grundsatzprogramm richtig auseinanderzusetzen. Schließlich soll es unser Leitfaden für die nächsten ein, zwei Jahrzehnte sein. In seiner jüngsten Sitzung hat daher der Bundesvorstand im Beisein des Bundeskammervorsitzenden Wolfgang Schäfer einstimmig beschlossen, zu Beginn der Mitgliederversammlung am 29./30. Oktober 2010 zu beantragen, den Entwurf des Grundsatzprogramms in einer „ersten Lesung“ ausgiebig zu beraten und weitere Anregungen zu sammeln. Endgültig sollte das Papier dann in einer eigenen MV Ende 2011 verabschiedet werden - wenn die Versammlung zustimmt.

Zur bevorstehenden MV werden wir bereits eine überarbeitete Fassung mit neuer Gliederung und Ihren Verbesserungsvorschlägen präsentieren. Die Projektgruppe arbeitet mit Hochdruck daran. Sobald wie möglich werden wir den neuen Entwurf ins Internet stellen. In der September-Ausgabe wird er in der Lebenshilfe-Zeitung veröffentlicht und rechtzeitig vor Beginn der MV an unsere Mitgliedsorganisationen verschickt.

Wie gesagt, das Grundsatzprogramm ist so etwas wie unser Grundgesetz. Es ist das Fundament unserer Arbeit: in den Orts- und Kreisvereinen, in den Landesverbänden und in der Bundesvereinigung. Deshalb muss dieses Fundament stark sein und sollte von allen in der Lebenshilfe mitgetragen werden. Damit am Ende dort, wo Lebenshilfe draufsteht, auch Lebenshilfe drin ist!
Robert Antretter, Bundesvorsitzender
Ihr
Robert Antretter
Bundesvorsitzender der Lebenshilfe
 

Verlag

Bundesvereinigung Lebenshilfe
 

Autor

Robert Antetter
 

Quelle

Lebenshilfe-Zeitung 2/2010
 

Veröffentlichung

23.06.2010, 16:26 Uhr
 
 
 
 
 
© 2007 - 2012 Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e. V. - 35043 Marburg, Raiffeisenstr. 18, E-Mail: Bundesvereinigung@Lebenshilfe.de