Ein Gewinn für beide Seiten

Viel Spaß hatten Profis und Fans am Kickertisch
Es ist Mittwoch 12 Uhr. Nach und nach füllt sich der Parkplatz mit dicken Karossen. Aus den Autos steigen der Trainerstab und die Fußballprofis der Alemannia, fast der komplette Kader ist vertreten. Nach dem morgendlichen Training haben sie nicht den Heimweg, sondern das Café Life im kürzlich eröffneten Lebenshilfe-Haus angesteuert. Es ist so etwas wie ihr „Antrittsbesuch“. Und sie werden begeistert empfangen. Aus den Kitas, Werkstätten und Wohnheimen der Lebenshilfe sind über 60 kleine und große Fans mit Behinderung gekommen. Sie begrüßen ihre Lieblinge mit Sprechchören und Jubelstürmen und alles ist in den Alemannia-Farben schwarz-gelb geschmückt.

„Es ist einfach wunderbar, den Leuten mit unserer bloßen Anwesenheit ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Wir versuchen, mit den Menschen ein bisschen Spaß zu haben und ihnen etwas zurückzugeben. Es ist schön, hier zu sein“, sagt Nico Herzig. Der Mann ist Innenverteidiger und bringt die nicht alltägliche Begegnung auf den Punkt.

„Es ist toll, wie herzlich die Leute uns aufgenommen haben. Im Alltag haben die Fußballer – ebenso wie die meisten anderen Menschen – wenig Kontakt zu Menschen mit Behinderung. Berührungsängste sind da ganz normal“, sagt Benni Auer, Kapitän der Mannschaft. „Eine Sozialpartnerschaft kann eben helfen, die Distanz zu überwinden“, so Herbert Frings, Geschäftsführer der Lebenshilfe Aachen.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen im Café Life rollt dann endlich der Ball: An den Kickern treffen Paarungen aus jeweils einem Menschen mit Behinderung und einem Alemannia-Spieler aufeinander. „Klasse gespielt!“, „Jaaa, Tor!“ Diese und ähnliche Rufe hallen durch den Raum. Wer nicht gerade die Kickerstangen kreisen lässt oder zuschaut, erfüllt sich und denen, die nicht dabei sein können, die zahlreichen Autogrammwünsche – oder lässt sich mit einem der Fußballstars fotografieren.

So wie an diesem Tag gibt es zwischen Lebenshilfe und Alemannia immer wieder Aktionen, um das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung zu fördern. Immer geht es um die gemeinsame Begeisterung und Leidenschaft für den Fußball. Die ist bei der Lebenshilfe groß: Bei jedem Heimspiel pilgern zahlreiche Bewohner mit schwarz-gelben Schals gemeinsam zum Tivoli-Stadion.

„Als wir uns fragten, welche Projekte wir unterstützen können, um der Rolle der Alemannia in der Gesellschaft gerecht zu werden, da waren wir ganz schnell bei der Lebenshilfe“, sagte Geschäftsführer Frithjof Kraemer zum Auftakt der Partnerschaft im September 2008. „Integration steht für uns beide an oberster Stelle.“

Als einer der ersten Schritte spendierte die Alemannia für 180 Menschen mit Behinderung, deren Herz für Schwarz-Gelb schlägt, eine kostenlose Mitgliedschaft für ein Jahr. Im Frühjahr des vergangenen Jahres besuchten einige Spieler eine Kita der Lebenshilfe, und es gab ein erstes gemeinsames Training der Jugendmannschaften der Alemannia mit den Kickern der Lebenshilfe-Werkstatt.

Neben öffentlichkeitswirksamen Aktionen und eher unspektakulären Begegnungen im Alltag ermöglicht die Partnerschaft auch die Finanzierung bestimmter Projekte. So erbrachte alleine der Charity-Abend, den der Club Ende 2009 für seine Sponsoren ausrichtete, eine Spende von über 13 000 Euro für die Lebenshilfe.

An Ideen für weitere Aktionen mangelt es nicht. Geplant ist zum Beispiel, für Jugendspieler der Alemannia Praktikaplätze in der Werkstatt der Lebenshilfe einzurichten. Außerdem ist ein Tandem-Projekt in Vorbereitung, bei dem Fans mit und ohne Behinderung gemeinsam ins Stadion gehen – Leidenschaft verbindet eben!

Rebekka Faltyn, LH Aachen

Organisation

Bundesvereinigung Lebenshilfe
 

Autor

Rebekka Faltyn, LH Aachen
 

Quelle

Lebenshilfe-Zeitung 4/2010
 

Veröffentlichung

22.12.2010, 10:56 Uhr
 
 
 
 
 
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