Zusammenfassung:
(Der Gesamttext des Referates wird unten als PDF-Datei zum Download zur Verfügung gestellt!)
Sie sind mir während meines Vortrags bei folgenden Gedanken gefolgt:
- Der Wesenskern von Be-Ratung ist (auch wenn das Wort anderes suggeriert) kein Aktiv-Passiv-Verhältnis, sondern eine kommunikative, dialogische Situation und Begegnung von Mensch zu Mensch.
- Rat geben und empfangen durchzieht in einer zunehmend komplizierter und schneller gewordenen Welt unseren Alltag. Sie ist darüber hinaus Querschnittsmethode fast aller psychosozialen Arbeitsfelder und bekommt dort einen immer größeren Stellenwert.
- Beratung als organisiertes Angebot ist von Interessen geleitet – ob vom Selbsthilfe- und Empowerment-Ansatz getragen, ob von den Beweg-gründen der Dienstleister oder denen der Leistungsträger (den Kostenträgern) bereit gestellt. Es gilt, das alles transparent zu halten. Lebenshilfe-Philosophie beinhaltet, ausschließlich den Menschen in ihrer persönlichen Situation verpflichtet zu sein. Das ist unsere Messlatte für Beratungsqualität.
- Gute Beratung zur Unterstützung von behinderten Menschen und ihren Familien setzt voraus, dass die beratenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gleichfalls gut beraten sind und dabei unter anderem auch ihre ggf. neue Rolle klären, z. B. die als Selbsthilfeunterstützer.
- Die Bundesvereinigung Lebenshilfe schlägt ihren 530 Orts- und Kreisvereinigungen den Aus- bzw. Aufbau von Beratungsstrukturen vor. Sie hat gerade eine Handreichung erarbeitet, die einrichtungsvorgelagerte, umfassende Beratungsangebote für Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen beschreibt.
Sie in der Lebenshilfe Berlin haben bereits Weichen gestellt – und stehen dabei in einer Entwicklungslinie, die seit über 20 Jahren insbesondere die Familien-beratung groß schreibt.
Als ich 1996 meine Stelle in Marburg als Referent für Eltern und Familie antrat, gab es einen denkwürdigen ersten und mir schon deshalb unvergesslichen Anruf aus Berlin, nämlich von dir, liebe Sigrid Sievert, der von Anfang an den Draht Berlin-Marburg für mich hat heiß werden lassen. Viele freundschaftliche und kollegiale Verbindungen haben sich daran angeschlossen. Über den Austausch zu Themen wie Elterngruppen und Familienberatung sind Kontakte, Ideen und Projekte erwachsen. Sie haben mich als Mitarbeiter der Lebenshilfe stark geprägt.
Elternselbsthilfe und Elternpower sind – neben der wachsenden Mitwirkung und Kraft behinderter Menschen selbst – der Antrieb für Veränderungen. Wir können zuversichtlich davon ausgehen, dass es sozialen Fortschritt geben wird, denn es werden immer Frauen und Männer da sein, die (so sagt es ein amerikanisches Sprichwort) glauben, dass das, was getan werden müsste, auch getan werden kann.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Autor:
Wilfried Wagner-Stolp
Bundesvereinigung Lebenshilfe e. V.
Leiter der Abteilung Konzepte und Bildung
Raiffeisenstraße 18
35043 Marburg