Kampf für den kleineren Behindertenausweis

Von links: Bundesvorsitzender Robert Antretter, Bernd Frauendorf, Tina Winter, die als Bundesvorstandsmitglied den Rat behinderter Menschen begleitet, und Ramona Günther. Hinten: Achim Giesa (der Vertreter Bremens im Rat) mit Joachim Busch, der Schleswig-Holstein vertritt und zudem der Projektgruppe Grundsatzprogramm angehört) Fotos: Peer Brocke
Der Rat behinderter Menschen in der Lebenshilfe war jetzt zu Gast beim Bundesvorstand. Dort stellte er seine Wünsche und Forderungen vor. Die Mitglieder des Bundesvorstands hörten aufmerksam zu.

Bernd Frauendorf, der Sprecher des Rates, hatte für die nächste Stunde die Leitung der Sitzung übernommen. Er berichtete darüber, dass auch der Rat über das neue Grundsatzprogramm gesprochen habe. Der Entwurf sei in seinen Kernaussagen gut. Es gehe darum, wie Menschen mit geistiger Behinderung ein möglichst selbstbestimmtes Leben mitten in der Gesellschaft führen können. „Wir wollen und können selbst entscheiden. Wir brauchen aber Unterstützung“, so Bernd Frauendorf. Ramona Günther, die im Rat und im Bundesvorstand Mitglied ist, ergänzte: „Leider gibt es noch immer Lebenshilfen, wo Menschen mit geistiger Behinderung wenig Stimme haben. Aber wir wollen überall ernst genommen werden!“

Die endgültige Fassung des neuen Grundsatzprogramms, wünscht sich der Rat, sollte auch in Leichter Sprache vorliegen – genau so wie beim Visionspapier 2020.

Schon lange kämpft der Rat behinderter Menschen für einen kleineren Schwerbehindertenausweis. Mario Kilian ärgert sich darüber, dass Politiker und Ämter nichts unternehmen. Dabei gibt es bereits einen Musterausweis in Scheckkartengröße (Foto), den das Büro für Leichte Sprache der Lebenshilfe Bremen entwickelt hat.
Neuer Behindertenausweis
Peter Masuch, Präsident des Bundessozialgerichts und Mitglied im Bundesvorstand der Lebenshilfe, erklärt, warum es nur so schleppend vorangeht: Zuständig sei die Bundesregierung, die müsse die entsprechende Verordnung ändern. Bezahlen müssten dann aber die Bundesländer, und zurzeit sei das Geld sehr knapp.

Bundesvorsitzender Robert Antretter will jetzt zusammen mit Bernd Frauendorf einen Brief an Hubert Hüppe schicken, den Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen. Gemeinsam mit seinem Landesbehindertenbeauftragten wird der Rheinland-Pfälzer Mario Kilian auch an Hubert Hüppe schreiben und nochmals die Verkleinerung des Schwerbehindertenausweises fordern. Er schlägt vor, dass die anderen Ratsmitglieder in ihren Bundesländern das Gleiche tun.


Berufungen und Berichte
 


Achim Wegmer unterrichtete seine Kolleginnen und Kollegen im Bundesvorstand darüber, dass er als Vertreter mit geistiger Behinderung in den Landesbehindertenrat von Baden-Württemberg berufen wurde.

Bundesvorsitzender Robert Antretter informierte, dass sich Bayerns Justizministerin Beate Merk auf seine Initiative hin im Bundesrat für einen besseren Schutz behinderter Menschen vor sexueller Gewalt einsetzen will. Was üblicherweise als Verbrechen bestraft wird, gelte bei Opfern mit geistiger Behinderung nur als „Vergehen“.
pb

Organisation

Bundesvereinigung Lebenshilfe
 

Autor

Peer Brocke
 

Quelle

Lebenshilfe-Zeitung 2/2010
 

Veröffentlichung

15.07.2010, 11:13 Uhr
 
 
 
 
 
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