BMWI-Konferenz: Barrierefreier Tourismus für Alle
Die Studie analysiert 6 ausgewählte Tourismusregionen in Deutschland, die sich seit einigen Jahren im barrierefreien Tourismus engagieren. Es sollen die Faktoren herausgefunden werden, die den barrierefreien Tourismus in der jeweiligen Region vorangebracht haben. Ein Kapitel widmet sich der Darstellung des aktuellen Entwicklungsstandes des barrierefreien Tourismus und listet die verschiedenen Angebote auf Bundes- und Länderebene auf. In einem weiteren Kapitel wird die Nachfragesituation dargestellt und schließlich werden 7 Erfolgsfaktoren identifiziert, die sich aus den Erfahrungen der 6 ausgewählten Tourismusregionen ergeben haben. Die Studie schließt mit der Formulierung von Handlungsempfehlungen.
Ein interessantes Fazit in punkto Entwicklungsstand ist, dass sich Barrierefreiheit als Komfortmerkmal auch für Touristen ohne Behinderung durchzusetzen beginnt. Diesem Umstand wird unter anderem auch wirtschaftliches Potential zugesprochen, weil dieser Markt viel größer ist. Trotzdem wird aber konstatiert, dass die Entwicklung des barrierefreien Tourismus die Förderung durch Bund und Länder benötigt, z.B. durch die Einrichtung von Koordinationsstellen, die das Wissen sammeln, verfügbar machen und die Entwicklung vorantreiben.
Wesentlicher Faktor dafür, dass eine Tourismusregion von Menschen mit Behinderungen besucht wird (oder besser: besucht werden kann), ist die Berücksichtigung der gesamten touristischen Servicekette - diese Erkenntnis taucht in der Studie immer wieder auf. Was nützt es einem behinderten Touristen, wenn er zwar ein barrierefreies Hotel vorfindet, jedoch Sehenswürdigkeiten der Region, Nahverkehr, Shoppingmeile, Arztpraxis, Apotheke, Konzertsaal usw. nicht zugänglich sind. Die touristische Servicekette definiert 10 Dienstleistungsbereiche, die ein Tourist während einer Reise oder eines Urlaubs nutzt. Es müssen daher in allen 10 Dienstleistungsangeboten barrierefreie Angebote verfügbar sein, damit die Region für behinderte Menschen überhaupt interessant sein kann.
Dass Barrierefreiheit oft immer noch mit "Stufenloser Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer" gleichgesetzt wird, zeigten Diskussionen, wenn es z.B. über Kosten für Umbauten ging, wie Aufzüge und Rampen. Dies mag sicher auch daran liegen, dass die Kriterien hierfür scheinbar einfach festzulegen (keine Stufen, eine bestimmte Türbreite, geringe Steigung, etc.) und eindeutig zu überprüfen sind. Was Barrierefreiheit für Menschen mit Lernschwierigkeiten oder so genannter geistiger Behinderung bedeuten kann, zeigte Hans Kreiter, Vorsitzender der Nationalen Koordinationsstelle Tourismus für alle NatKo e.V., die auch von der Bundesvereinigung Lebenshilfe mitgetragen wird. In seinem Statement über die geringe Verbreitung von Barrierefreiheit führte er während der Podiumsdiskussion das Beispiel "Bildspeisekarte" an, welche - bis auf die bekannte Fastfoodkette oder das italienische Eiscafé - so gut wie nirgends zu finden sei.
Barrierefreiheit für Menschen mit Lernschwierigkeiten oder geistiger Behinderung findet jedoch zunehmend Berücksichtigung. Meist mit dem Piktogramm "Leichte Sprache" von "Inclusion Europe" oder auch mit durchstrichenen Buchstaben werden Angebote gekennzeichnet, die leicht verständlich sind.
Studie "Barrierefreier Tourismus für Alle in Deutschland - Erfolgsfaktoren und Maßnahmen zur Qualitätssicherung"