Amtsschimmel

Kein Märchen

Es war einmal ein Mädchen, das hieß Monika* und lebte in einem lieblichen Ort in Süddeutschland. Monika saß im Rollstuhl, sie war schwer und mehrfach behindert. Gemeinsam mit anderen Kindern besuchte die 15-Jährige eine staatliche Blindenschule. Seit der ersten Klasse wurde sie morgens vom Sammeltransport des Landkreises abgeholt und nach der Schule wieder zurückgebracht. Für ihre Eltern war das eine große Entlastung. Die Familie war recht glücklich – bis zum September 2010, als die Schul- und Amtsärztin für Monika einen Einzeltransport mit Krankenschwester beantragte.

Eigentlich wollte sie der Familie etwas Gutes tun, doch mit diesem Tag begann das Unheil: Der Landkreis meinte, es handele sich nun nicht mehr um eine Schülerbeförderung, sondern einen Krankentransport. Die Krankenkasse solle die Kosten übernehmen. Die Krankenkasse aber dachte nicht im Traum daran. So begann ein langer Streit zwischen Landkreis und Krankenkasse. Und wenn zwei sich streiten, leiden Dritte. Monika wurde nicht mehr zur Schule gebracht, sie blieb monatelang zu Hause, und ihre Eltern gerieten an die Grenzen ihrer Kräfte.

Erst als die Lokalzeitung über den Fall berichtete, lenkte der Landkreis ein. Seit Februar darf Monika wieder zur Schule. (*Name geändert)

Organisation

Bundesvereinigung Lebenshilfe
 

Autor

Peer Brocke
 

Quelle

Lebenshilfe-Zeitung 3/2011
 

Veröffentlichung

23.09.2011, 10:47 Uhr
 
 
 
 
 
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